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Kristine Braden Neue Citigroup-Europachefin rechnet mit hartem Brexit – „Wir sollten uns auf jedes Ergebnis vorbereiten“

Die Top-Bankerin spricht über die Pläne nach dem Brexit, die Lehren aus der Coronakrise und die Angriffslust der amerikanischen Geldhäuser.
02.09.2020 - 03:54 Uhr 1 Kommentar
„Die amerikanischen Banken investieren gerade massiv in Kontinentaleuropa, weil sie hier künftig sehr viel Geschäft außerhalb Londons machen werden.“ Quelle: Citigroup
Kristine Braden

„Die amerikanischen Banken investieren gerade massiv in Kontinentaleuropa, weil sie hier künftig sehr viel Geschäft außerhalb Londons machen werden.“

(Foto: Citigroup)

Frankfurt Kristine Braden ist eine der wenigen Frauen, die es in der internationalen Finanzbranche sehr weit nach oben geschafft haben. Seit März ist die Amerikanerin in Frankfurt, wo die Citigroup ihre neue Europazentrale aufbaut, um nach dem Brexit gerüstet zu sein. Der Shutdown im Frühjahr und die Arbeit im Homeoffice haben dazu geführt, dass sie ihr neues Team noch schneller und besser kennen gelernt hat, sagt Braden. Aber es war ein heißer Start.

Dass sie auch am Main auf eine noch immer sehr männlich geprägte Finanzbranche stößt, schreckt Braden nicht. Die zweifache Mutter setzt sich seit Jahren dafür ein, dass Frauen bessere Aufstiegschancen bekommen und Unternehmen diverser werden. In der Schweiz stand sie dem Frauen-Netzwerk Advance vor. Auch in Deutschland hofft sie nun auf Wandel.

Lesen Sie hier das ganze Interview:

Frau Braden, im Februar wurde Ihr Wechsel nach Frankfurt verkündet. Kurz darauf begann hierzulande der Corona-Lockdown. Ihr Start in Deutschland hätte einfacher sein können, oder?
Ich bin sehr froh, gut in Deutschland angekommen zu sein. Ich bin mit einem großen Koffer nach Europa gekommen. Ich habe zwar darauf gehofft, dass es keinen Shutdown gibt. Sicher war ich mir aber nicht. Ich habe 14 Jahre in Asien gearbeitet und die Sars-Krise in Hongkong miterlebt. Daher wusste ich ungefähr, was mich erwartet. Aber ich wusste nicht, wie gut Deutschland mit der neuen Situation umgehen würde. Am Anfang hatten viele Leute Angst. Aber es war ein gutes Gefühl, schnell vor Ort zu sein. In Krisensituationen lernt man sein Team sehr schnell kennen. Und ich wusste, dass David Livingstone…

… der Citi-Chef für Europa, den Nahen Osten und Afrika, Ihr Vorgesetzter…
… ein gutes Team zusammengestellt hat. Das Wichtigste in einer Krise ist, dass Sie immer drei bis vier Schritte voraus denken: Was wird als Nächstes passieren, und wie kann ich mich darauf einstellen? Zu Beginn folgte ein Lockdown auf den nächsten. Wir mussten viele Fragen klären: Was passiert in London, was ist in unseren Dienstleistungszentren, halten unsere Systeme die Last aus? Heute denke ich, dass Citi extrem gut durch die Krise gekommen ist. 200.000 Angestellte rund um den Globus haben online von zu Hause aus gearbeitet.

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    Es gab doch ganz sicher auch schwierige Momente?
    Persönlich war Corona herausfordernd. Meine Familie lebt in Connecticut, in der Nähe von New York, das zum ersten Hotspot der Pandemie in den USA wurde. Ich hatte hier in Frankfurt immer das Gefühl, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin, um unsere Kunden und Angestellten zu unterstützen. Und ich habe Frankfurt besser kennen gelernt, bin jeden Tag durch die Stadt gelaufen. Ich war im Westend, Nordend, am Main und in Sachsenhausen, das war großartig.

    Mit New York kann Frankfurt vermutlich nicht mithalten?
    Oh, mir gefällt Frankfurt sogar besser. Ich habe letztens eine Kollegin auf der Freßgass“ getroffen, die auch neu in Deutschland ist. Sie sagte: Ich liebe Frankfurt! Auch eine Reihe an erfahrenen Kollegen, die einmal hier gearbeitet haben, haben mir gesagt: Frankfurt überrascht einen immer wieder zum Positiven. Man kann hier sehr gut leben. Leider habe ich wegen Corona noch kaum Restaurants ausprobiert. Aber ich bin froh, dass die Situation im Vergleich zu New York viel besser ist.

    Sie führen nun das europäische Citi-Geschäft in der Post-Brexit-Ära. Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?
    Für Europa kommt jetzt der Moment der Wahrheit beim Thema Brexit. Von Deutschland aus kann ich alle unsere Kunden schnell erreichen, und das ist meine oberste Priorität: unsere Kunden in allen Krisen zu unterstützen. In der Coronakrise haben wir einen guten Job gemacht, haben durch Kredite und Anleiheplatzierungen geholfen. Genauso wichtig wird die Erholung vom Brexit sein.
    Citi ist eine paneuropäische Bank. Wir sind in 23 Ländern mit eigenen Büros vertreten, in 20 weiteren bieten wir unsere Dienste an. Das gibt uns die Chance, unsere Kunden in ganz Europa zu unterstützen. Außerdem werden wir uns die Themen Innovation, Digitalisierung und Technologie genauer anschauen. Europa ist der globale Vorreiter beim Thema Klimawandel und Nachhaltigkeit, Trends wie diese werden die Finanzwelt verändern.

    David Livingstone sagte uns 2019, dass er mit einem „harten Brexit“ rechnet. Glauben Sie das auch?
    Wir sollten uns auf jedes Ergebnis vorbereiten und nicht an die Hoffnung klammern, dass es eine Last-Minute-Einigung gibt. Unsere Grundannahme ist, dass der Brexit ohne tragfähige Übergangsvereinbarung kommt. Es wird Einzelregelungen für die Finanzbranche geben, aber deren Dauer wird beschränkt sein. Vor allem für Unternehmen wird die Situation herausfordernd. Was sie am meisten brauchen, ist Klarheit. Stattdessen steigt die Unsicherheit, und das Jahr endet in vier Monaten. Zudem stehen wir neben der Brexit- nun auch noch vor der Corona-Herausforderung, was unsere Möglichkeiten verringert, schnell Angestellte von London auf den Kontinent zu verlagern, nach Deutschland und Frankreich. Dennoch, die Zeit, um den Brexit zu bedauern, ist vorbei. Wir müssen auch die Chancen sehen.

    Citi wollte ursprünglich rund 150 Jobs von London nach Frankfurt verlagern. Gilt das?
    Wir haben mit den Verlagerungen bereits begonnen. Aktuell haben wir 400 Mitarbeiter in Frankfurt. Am Ende werden es bis zu 500 sein. Insgesamt werden rund 200 Leute London in Richtung des Kontinents verlassen. Was die meisten Beobachter aber vergessen, ist, dass wir über 13.000 Mitarbeiter in Europa haben. Wir sind hier seit 100 Jahren vertreten. Daher ist die Zahl der verlagerten Jobs für uns sehr gering. Wichtig ist, wie wir uns in Europa aufstellen: Wir glauben an Nähe und wollen auch weiterhin nah bei unseren Kunden sein.

    Corona bleibt das wichtigste Thema für die Finanzwelt. Wie beeinflusst es Ihr Geschäft? Wie wird sich zum Beispiel das Investmentbanking entwickeln, das bisher gut durch die Krise gekommen ist?
    Die hohe Volatilität hat zu Rekordergebnissen in unserem Handelsgeschäft geführt. Nun erwarten wir, dass die Volatilität etwas abnimmt. Im Kapitalmarktgeschäft hatten wir ein gutes zweites Quartal durch zahlreiche Kapitalmarktmaßnahmen, Finanzierungen und die Betreuung von Anleiheausgaben. Für die zweite Jahreshälfte sehen wir vor allem bei Fusionen und Übernahmen eine starke Entwicklung. Unsere Pipeline ist gut gefüllt.

    Citi hat im zweiten Quartal 1,3 Milliarden Dollar verdient, und das, obwohl die Risikovorsorge mit rund acht Milliarden Dollar fast viermal so hoch war wie im Vorjahr. Das sind gewaltige Summen. Erwarten Sie eine Welle von Kreditausfällen?
    Neue Bilanzierungsvorschriften in den USA und Europa führen dazu, dass wir Verluste über die gesamte Restlaufzeit direkt buchen müssen. Das verändert die Situation für alle Banken gravierend und könnte zu höheren Belastungen führen. Problematisch ist, dass diese Berechnungen vor allem auf Modellannahmen beruhen. Wir hoffen, dass die Realität weniger kritisch ausfällt. Viele Unternehmen erhalten staatliche Liquiditätsspritzen, um die Krise zu überstehen. Das ist gut und wichtig. Aber wenn es eine zweite Coronawelle gibt, werden sicherlich mehr Kredite ausfallen.

    Auf jeden Fall zeigt sich, dass in der Coronakrise die Schere zwischen den Wall-Street-Banken und den europäischen Häusern wieder weiter aufgeht. Was glauben Sie, woran liegt das?
    Die US-Banken haben ihre Bilanzen nach der Finanzkrise besser aufgeräumt als die europäischen Institute und sind daher besser vorbereitet. Aber man kann auch nicht generalisieren. Wie sehr eine Bank unter Stress gerät, hängt immer auch davon ab, mit welchen Kunden und welchen Branchen sie besonders viel Geschäft macht, wie abhängig sie von einzelnen Sektoren ist. Andererseits zeigt sich gerade, dass es auch europäische Banken gibt, die die Coronakrise für sich nutzen können. Die französischen Institute zum Beispiel gewinnen Marktanteile, insbesondere im Unternehmenskundengeschäft. Sie sind aggressiver als zuvor.

    Wenn ein externer Schock wie diese Pandemie auf mittelmäßig aufgestellte Banken trifft – wie groß ist dann das Risiko, dass aus der Coronakrise am Ende doch noch eine Bankenkrise wird?
    Das ist schwer zu sagen. Insbesondere in Europa haben die Regierungen mit ihren Hilfsprogrammen für die Wirtschaft sehr viel dafür getan, eine Bankenkrise zu verhindern. Ich denke, dadurch könnte Europa am Ende sogar stärker aus der Krise hervorgehen. Natürlich gab es Differenzen, jedes Land hat seine eigenen Probleme. Aber insgesamt bin ich sehr optimistisch für den Kontinent als Ganzes. Bei den Banken werden wir vielleicht die eine oder andere Pleite erleben, aber eine große Finanzkrise wie 2008 mit Verwerfungen an den Märkten erwarte ich nicht.

    Auf dem Höhepunkt des Shutdowns im März gab es vereinzelt Schlagzeilen, die US-Banken könnten sich aus Europa zurückziehen und sich wieder mehr auf den Heimatmarkt fokussieren. Was halten Sie davon?
    Absolut falsch. Die Berichte haben mich überrascht. Vielleicht wollen das manche Leute glauben, aber es stimmt nicht. Citi sieht sich selbst auch als europäische Bank. Ich glaube sogar, wir haben in Europa die größte Präsenz von allen Banken. Und vergessen Sie den Brexit-Effekt nicht: Die amerikanischen Banken investieren gerade massiv in Kontinentaleuropa, weil sie hier künftig sehr viel Geschäft außerhalb Londons machen werden.

    Wenn Europa so attraktiv ist, tun sich dann vielleicht auch Übernahmeziele auf? Über die Bankenkonsolidierung wird ja schon lange geredet …
    … aber es ist wenig passiert. Ich persönlich hätte schon nach der Finanzkrise erwartet, dass wir im Bankensektor mehr Fusionen und Übernahmen sehen, aber die große M&A-Welle ist ausgeblieben. Europa würde es guttun, stärkere Banken zu haben. Und uns als US-Banken übrigens auch: Wettbewerb belebt das Geschäft.

    Sie könnten mit Ihrer starken Bilanz auch einfach selbst zukaufen. Zum Beispiel die Deutsche Bank, mit der Citi vor 16 Jahren schon einmal angebändelt hatte?
    Wir haben keine Pläne, in Europa irgendetwas dazuzukaufen. Wir wollen organisch wachsen. Wir haben hier so viele Möglichkeiten, dass wir keine Zukäufe brauchen.

    Welche Möglichkeiten sehen Sie in Deutschland? Wo kann man hier noch wachsen?
    Wir bauen hier eine Investmentbanking- und Kapitalmarktfirma auf, mit der wir nach dem Brexit die Kunden in ganz Europa mit unseren Dienstleistungen versorgen. Wir werden sicherlich weitere Investmentbanker einstellen. Wir werden uns auch überlegen, wie wir unsere Private-Banking-Kunden noch besser versorgen können. Eins aber planen wir nicht: Wir werden in Deutschland nicht noch einmal in das klassische Privatkundengeschäft einsteigen.

    Unlängst machte Citi Schlagzeilen mit einer Pannen-Überweisung: Ein fast 900 Millionen Dollar schwerer Kredit des angeschlagenen Kosmetikherstellers Revlon wurde fälschlicherweise auf einen Schlag an die Gläubiger zurückgezahlt. Nicht alle wollen das Geld wieder herausrücken. Wie kann so etwas passieren in der heutigen Zeit, wo alle Großbanken massiv in ihre IT und ihre internen Kontrollmechanismen investieren?
    Bei dieser Überweisung handelt es sich um einen individuellen Fehler eines Mitarbeiters. Dabei haben die technischen und menschlichen Kontrollmechanismen, mit denen wir arbeiten, nicht funktioniert, und das ist nicht akzeptabel. Wir bewegen jeden Tag riesige Zahlungs‧ströme, und wie es bei den meisten Or‧ganisationen vorkommt, passiert hin und wieder ein Fehler. Die meisten Marktteilnehmer verstehen das und verhalten sich entsprechend. Wir bedauern diesen Vorgang sehr und arbeiten hart daran, dass so ein Fehler nie wieder vorkommt.

    Sie sind eine der wenigen Frauen, die es bei einer amerikanischen Großbank bis weit nach oben geschafft haben. Auch in Deutschland treffen sie nun auf eine sehr männliche Finanzbranche. Was raten Sie jungen talentierten Frauen, die bei einer Bank Karriere machen wollen?
    Ich glaube, dass sich die Dinge gerade in die richtige Richtung entwickeln. Seit ich hier meinen neuen Job angefangen habe, hat sich einiges getan: Ich habe mit Barbara Frohn eine Aufsichtsratsvorsitzende, wir haben gerade mit Amela Sapcanin eine Risikochefin eingestellt, unsere Bank in Irland wird auch von einer Frau geführt. Das Problem ist immer das gleiche: Man braucht eine Pipeline von guten Frauen. Und man muss wissen, wen man wann auf welche erfolgsversprechende Position setzen kann. Ich hoffe, dass ich auch in Deutschland meinen Teil dazu beitragen kann, Frauen zu fördern. Mein Rat wäre immer: Sammele so viel Erfahrung wie möglich, damit dir keiner etwas vormachen kann, und gehe auch mal an die Grenze dessen, was du dir selbst zutraust. So erweiterst du stetig deine Fähigkeiten, dein Selbstvertrauen, dein Netzwerk.

    Manchmal reicht das vielleicht nicht. Befürworten Sie eine Quote, um das Thema Diversität auch in der Bankenbranche voranzubringen?
    Was wir brauchen, ist Mut. Wir brauchen Manager, die sagen: ‚Ich wage es mit ihr.‘ Manager, die Frauen in höhere Positionen heben und ihnen einfach mal etwas zutrauen. Psychologen sagen oft, dass Frauen daran gemessen werden, welche Leistung sie in der Vergangenheit gebracht haben. Männer dagegen werden danach beurteilt, was sie an potenziellen Erfolgen in der Zukunft bringen können. Damit haben wir völlig ungleiche Ausgangsbedingungen. Ich hatte zum Glück zumeist Chefs, die gesagt haben: ‚Ich weiß, sie kann es.‘

    Frau Braden, vielen Dank für das Interview.

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    • Die sehr geschätzte, hier als Top-Bankerin beschriebene Dame hat nur Gemeinplätze für den geschätzten Leser übrig. 'Wir sollten uns auf jedes Ergebnis vorbereiten' sagt sie. Diese weise Erkenntnis kann uns jedes Milchmädchen mitteilen

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