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Krypto-Geldhaus Bitwala wächst rasant zur drittgrößten Neobank in Deutschland

Die Berliner Smartphone-Bank verdreifacht binnen Jahresfrist ihre Kundenzahl. Bitwala setzt ganz auf Bitcoin-Einsteiger – ein Krypto-Crash könnte den Siegeszug bremsen.
19.02.2021 - 03:54 Uhr Kommentieren
Die Kryptowährung wird an Standorten mit günstiger Energie produziert, wie hier in Russland, aber auch in Deutschland gehortet. Quelle: Bloomberg
Bitcoin-Mine

Die Kryptowährung wird an Standorten mit günstiger Energie produziert, wie hier in Russland, aber auch in Deutschland gehortet.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Erfolg im zweiten Anlauf: Das Berliner Geldhaus Bitwala wächst rasant und steigt innerhalb eines Jahres zur drittgrößten deutschen Neobank auf. Möglich macht das der aktuelle Hype um Bitcoin und Co.

Hatte Bitwala Anfang 2020 nach eigener Angabe noch rund 60.000 Kunden, so hat sich diese Zahl inzwischen mehr als verdreifacht: Mehr als 200.000 Kunden haben sich inzwischen bei der Neobank angemeldet. In 32 europäischen Ländern bietet sie ihre Dienste an, das Gros der Kunden kommt aus Deutschland.

Unter einer Neobank verstehen Finanzfachleute die jüngste Form der Direktbanken, die ihr Angebot vor allem auf die Kontoverwaltung per Smartphone ausgelegt haben.

Bitwala setzt auf eine noch engere Nische: Die Berliner richten sich vor allem an Einsteiger und fortgeschrittene Nutzer mit Interesse an den virtuellen Währungen Bitcoin und Ethereum. Ihnen bietet Bitwala ein klassisches Girokonto, außerdem eine einfache Krypto-Handelsoption.

Bitwala zählt rund 100.000 deutsche Kunden – womit sich die Berliner souverän an Platz drei unter den Neobanken in Deutschland festsetzen:

  • Platzhirsch N26, ebenfalls aus Berlin, zählt sieben Millionen Kunden in 25 Ländern. Die Zahl deutscher Kunden meldet N26 nicht, aber ein großer Teil kommt laut dem Fintech aus Deutschland und Frankreich.
  • Die britische Konkurrenz von Revolut, die in der EU mit einer litauischen Banklizenz agiert, weist insgesamt 13 Millionen Kunden aus und ist damit europäischer Spitzenreiter. In Deutschland hat Revolut rund 350.000 Kunden.
  • Unter den Neobanken in Deutschland folgt unter anderem Vivid Money, ebenfalls aus Berlin. Das Start-up zählt acht Monate nach dem Start mehr als 100.000 Kunden in Deutschland, Frankreich und Spanien. Die Nachhaltigkeitsbank Tomorrow kommt auf gut 56.000 Kunden.

Unter Kunden versteht Bitwala alle Nutzer, die den Anmeldeprozess durchlaufen haben. Bitwala-Chef Ben Jones freut sich über den eigenen Erfolg: „Unsere Kunden haben unsere mobile App, die Anlagen in Bitcoin alltagstauglich macht, während der Corona-Krise häufig weiterempfohlen.“ Das eigene Team sei 2020 stark gewachsen auf mehr als 100 Mitarbeiter, so der Gründer. „Aktuell haben wir 40 offene Stellen, Tendenz steigend.“

Bitcoin-Hype treibt Kundenvermögen

Finanzvorstand Christoph Iwaniez sagt: „Wir sind die unbestrittene Nummer eins bei der Kombination von Krypto und Banking in Deutschland.“ Bitwala hebe sich ab von den Wettbewerbern. „Andere Neobanken stopfen das klassische Bankgeschäft ins Smartphone. Wir setzen auf neue Technik, auf Krypto-Assets und das Finanzsystem der Zukunft“, so sein selbstbewusstes Postulat.

Iwaniez kommt von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und hatte Bitwala nach seinem Antritt einen Strategieschwenk verordnet. Der erste Anlauf schlug fehl: 2015 als Kryptobörse mit eigener Visa-Karte gestartet, musste Bitwala das alte Geschäftsmodell aufgeben, nachdem der Kreditkartenanbieter die Lizenz entzog. Dank der Zusammenarbeit mit der Berliner Solarisbank, die Bitwala ihre Vollbanklizenz und ihr Kernbankensystem zur Verfügung stellt, gelang der Neustart.

Zum starken Wachstum im Jahr 2020 trug der Aufschwung am Kryptomarkt bei: „Bitwala kam genau zur richtigen Zeit mit dem richtigen Angebot“, so Iwaniez. Tausende Neueinsteiger trauten sich mithilfe der App der Berliner an ein Bitcoin-Investment heran, auch wenn hier weiter der Totalverlust droht. Die Verwahrung von Bitcoin und Co. müssen Bitwala-Kunden noch selbst übernehmen, erst in einigen Monaten wollen die Berliner eine eigene Verwahrlösung mit anbieten.

Viele Anleger profitieren vom starken Anstieg des Bitcoin-Preises. Er trieb das Gesamtvermögen der Bitwala-Kunden zu Ende 2020 laut eigenen Angaben auf mehr als 100 Millionen Euro. Nehme man das Vermögen hinzu, das in Bitcoin angelegt sei, so verwalte Bitwala inzwischen Kundengelder von mehr als 300 Millionen Euro, rechnet Iwaniez vor.

Auf dem Weg zur Profitabilität

So erfreulich das Kundenwachstum aus Sicht der Gründer ausfällt: Im Vergleich mit den großen Finanz-Start-ups wie N26 und Co. hat Bitwala weiter deutlich Luft nach oben. Für 2021 peilen die Berliner einen Umsatz von knapp zehn Millionen Euro an. 2020 habe man die Erträge versechsfacht, die Kosten seien jedoch nur um 20 Prozent gestiegen.

Operativ schreibe Bitwala inzwischen schwarze Zahlen, rechne man die Kosten für Einmalaufwendungen, Marketing und Kundenanmeldung heraus, heißt es. Die Kosten für Neukunden-Werbung lägen nur bei einem Fünftel von jenen der Konkurrenz.

Konkretere Zahlen will Bitwala nicht veröffentlichen. Die Branchenseite „Finanz-Szene.de“ kam Ende vergangenen Jahres auf Basis der letzten Finanzierungsrunde immerhin auf eine Bewertung von rund 64 Millionen Euro.

Besonders gut entwickelt hat sich laut Bitwala das sogenannte Bitcoin-Ertragskonto: Hier können Kryptoinhaber ihre Münzen an den Londoner Anbieter Celcius Network übergeben, nach eigenen Angaben Marktführer für Kryptokredite. Die Bitcoin-Besitzer erhalten aktuell rund vier Prozent Zinsen, wenn sie ihre Münzen verleihen. Der Haken: Eine Einlagensicherung fehlt. Geht Celcius pleite, ist das Kryptovermögen im schlimmsten Fall weg.

Weiter auf sich warten lässt hingegen das Euro-Ertragskonto: Jones hatte vor einem halben Jahr gegenüber dem Handelsblatt angekündigt, auf diesen geplanten Konten zinsähnliche Erträge von zwei Prozent gewähren zu wollen. Bitwala-Kunden sollen ihr Vermögen hier ganz regulär in Euro parken. Einen Teil des Geldes will Bitwala in Kryptoform verleihen, was die hohe Rendite möglich machen soll.

Eigentlich sollte das heiß erwartete Produkt spätestens Anfang dieses Jahres starten. Doch wie so oft bei Bitwala hinkt die Realität den eigenen Zielen hinterher. Noch fehle es am passenden Stable Coin als einer eins zu eins an den Euro gebundenen virtuellen Münze, erklärt Iwaniez. Sobald diese auf dem Markt sei, wolle man das Euro-Ertragskonto anbieten.

In Zeiten immer neuer Rekordstände beim Bitcoin-Preis entwickelt sich das eigene Geschäftsmodell zum Selbstläufer, hoffen sie bei Bitwala. Doch was passiert im nächsten Kryptoabschwung? Iwaniez zufolge könnte ein solcher die eigene Expansion bremsen: „Es wird natürlich einen Abschwung geben“, sagt er. Dieser werde aber nicht mehr so tief wie in der Vergangenheit ausfallen.

„Krypto-Assets sind im Mainstream angekommen. Und wenn der Markt breiter wird, sinkt auch die Volatilität“, beschwichtigt der Finanzvorstand. Einen dritten Anlauf soll es bei Bitwala nicht geben.

Mehr: Der Bitcoin muss reguliert werden – und Europa sollte dabei den Anfang machen

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