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Kryptowährung Bundesbank-Präsident Weidmann sieht digitales Zentralbankgeld kritisch

Der Bundesbank-Präsident warnt wegen zu starker Risiken vor staatlichen Cyberwährungen. Im Ausland arbeiten Notenbanken bereits an eigenem Kryptogeld.
29.05.2019 Update: 29.05.2019 - 17:14 Uhr Kommentieren
Der Bundesbankpräsident pocht darauf, dass Echtzeitzahlungen innerhalb Europas zum Standard werden. Quelle: Reuters
Jens Weidmann

Der Bundesbankpräsident pocht darauf, dass Echtzeitzahlungen innerhalb Europas zum Standard werden.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Jens Weidmann ist kein Ordnungspolitiker der alten Schule. Doch für den Bundesbank-Präsidenten gibt es trotzdem eine Grenze bei der Frage, in welche Bereiche Innovationen vordringen sollten. „Die Einführung von digitalem Zentralbankgeld sollte gut überlegt sein“, sagte Weidmann am Mittwoch bei einer Bundesbank-Konferenz in Frankfurt. Digitales Zentralbankgeld könne gravierende Auswirkungen haben, es führe im Krisenfall wohl zu einer starken Gefährdung der Finanzstabilität.

Bisher schöpfen Zentralbanken lediglich Bargeld, außerdem entsteht bei den Geschäftsbanken bei der Kreditvergabe neues Giralgeld. Eine Ergänzung dieser Geldschöpfung durch digitales Zentralbankgeld sehen Befürworter als Ausweg, dem Machtverlust der Notenbanken entgegenzuwirken, der durch die abnehmende Beliebtheit von Bargeld bei den Bürgern entsteht. Oligopolistische Finanzdienstleister könnten sonst künftig ihre Marktmacht auf Kosten der Bürger ausnutzen, so die Befürchtung.

Im Ausland sind Überlegungen über die Einführung einer eigenen Cyberwährung bei den Zentralbanken bereits fortgeschritten. Schon seit mehr als einem Jahr erforscht die schwedische Reichsbank die Einführung einer Kryptowährung auf Blockchain-Basis. Auch Australiens Notenbank steht derartigen Ideen offen gegenüber.

Und in der Schweiz hatte die Regierung Mitte Mai dem Antrag eines Parlamentariers zugestimmt, die Chancen und Risiken eines „E-Frankens“ zu prüfen. Die Schweizer Notenbank (SNB) hat sich bislang aber eher zurückhaltend über eine mögliche eigene Kryptowährung geäußert.

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    Die Nachfrage nach digitalem Zentralbankgeld würde womöglich größer und schwankungsreicher sein als jene nach Bargeld, warnte Weidmann. Das sei vor allem ein Problem bei möglichen Bank-Runs: Eine „Flucht in Sicherheit“ sei bei Cybergeld viel schneller und in deutlich größeren Umfängen möglich.

    Mit seinen Warnungen steht Weidmann nicht alleine da. Die Zentralbank der Notenbanken hatte Währungshütern weltweit zur Vorsicht bei eventuellen Plänen zur Einführung eigener Cyberwährungen geraten. Digitales Zentralbankgeld für alle berge unter anderem in Krisenzeiten Gefahren für die Finanzstabilität, hieß es im vergangenen Jahr in einer Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

    Zu den Risiken zählte die Studie auch, dass von Notenbanken ausgegebene Cyberwährungen in Konkurrenz zu Bankguthaben treten könnten. Kontoabflüsse in Richtung digitales Zentralbankgeld hätten laut BIZ vielleicht zur Folge, dass Geldhäuser ihre Geschäftsmodelle ändern müssten.

    Fragmentierung im Zahlungsverkehr überwinden

    Neben der Warnung vor digitalem Zentralbankgeld forderte Bundesbank-Präsident Weidmann, dass es bei Instrumenten wie Echtzeitzahlungen („Instant Payments“) auch darum gehen müsse, „einer Fragmentierung des Zahlungsverkehrs in Europa entgegenzuwirken“.

    Bisher nutzen europäische Banken Echtzeitzahlungen eher verhalten. „Wünschenswert wäre jedoch, schneller die kritische Masse bei Instant Payments zu erreichen“, sagte Weidmann. Mittelfristig dürften aus seiner Sicht Systeme für Echtzeitzahlungen innerhalb Europas zum Standard werden.

    Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im November dafür einen eigenen Service für Echtzeitzahlungen eingerichtet: „Target Instant Payment Settlement“, kurz TIPS. Dabei wird Geld auch über Landesgrenzen hinweg in maximal zehn Sekunden beim Empfänger gutgeschrieben.

    Echtzeitzahlungen sind in der EU schon seit Ende 2017 möglich. Die größten Banken, die TIPS-Zahlungen empfangen können, sind die spanische Santander, die Hypo-Vereinsbank, Tochter der italienischen Unicredit, die Investmentbank der französischen Sparkassen namens Natixis sowie zahlreiche österreichische Raffeisenbanken.

    Damit ist TIPS gegenüber privaten Services für Echtzeitzahlungen jedoch abgeschlagen. Die Abwicklung über EBA Clearing – die Firma gehört großen europäischen Banken – trifft auf weitaus mehr Resonanz bei den Banken. Etliche europäische Großbanken setzen auf den EBA-Clearing Service RT1, darunter aus Deutschland die Commerzbank, die Deutsche Bank, die DZ Bank sowie die Landesbanken aus Baden-Württemberg und Hessen-Thüringen.

    Die Bundesbank glaubt trotzdem weiter an das Angebot der EZB. „TIPS könnte europaweit die Erreichbarkeit für Instant Payments für alle Institutionen sichern“, sagte Burkhard Balz. Der Bundesbank-Vorstand will unter anderem damit erreichen, dass sich die deutschen Geldhäuser im Zahlungsverkehr gegen die neue Konkurrenz der Tech-Konzerne aus den USA und China wehren. Europa dürfe nicht bloß hinterherlaufen, sondern müsse bei neuen Technologien vorneweggehen.

    In Deutschland werde jedoch vielmals weiter der Ansatz verfolgt, auf nationale Zahlungsdienste zu setzen. „Dieser Ansatz erscheint mir im heutigen Zeitalter aber nicht mehr angemessen“, sagte Balz. Die Digitalisierung führe zu mehr grenzüberschreitenden Wirtschaftsbeziehungen, die großen Technologiekonzerne wie Amazon und Alphabet setzten auf globale Angebote. Um da mithalten zu können, brauche es europäische Dimensionen.

    Mehr: Visa bringt seine Bankkarte mit Sofort-Abbuchung nach Deutschland. Damit löst sich das Unternehmen weiter vom Kreditkartengeschäft – auch, weil es keine Wahl hat.

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