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Kryptowährungen Wie die Liechtensteiner Bank Frick zum Zentrum der Bitcoin-Welt werden will

Die Bank Frick ist klein, wächst aber stark im Geschäft mit Kryptowährungen. Jetzt wollen die Liechtensteiner den Massenmarkt erobern. In Berlin werden die Pläne aufmerksam verfolgt.
20.02.2019 - 17:17 Uhr Kommentieren
Das Institut setzt auf die Blockchain-Technik. Quelle: dpa

Das Institut setzt auf die Blockchain-Technik.

(Foto: dpa)

Frankfurt Gemessen an seiner Einwohnerzahl von gerade einmal 40.000 Menschen ist Liechtenstein ziemlich klein. In der Finanzwelt ist das Fürstentum zwischen der Schweiz und Österreich jedoch eine Größe. Früher vor allem als Versteck von Schwarzgeld bekannt, wird der Kleinstaat zunehmend zum Experimentierfeld für Finanzinnovationen. Der neueste Schrei: das Geschäft mit Kryptowährungen, virtuellen Assets (Token) und der unterliegenden Blockchain-Technologie.

Das ist auch der Erfolg der örtlichen Bank Frick und ihres Chefs, Edi Wögerer. Während andere Institute noch zögerten, investierten die Banker in Blockchain-Kompetenz. Inzwischen haben sie sogar der Politik des Fürstentums Beine gemacht: Liechtensteins Parlamentarier diskutieren derzeit über den Entwurf eines Gesetzes für ein sogenanntes digitales Wertrecht, das die Aktie auf die Blockchain bringen soll. Bis es soweit ist, wird es noch dauern. Die Bank Frick geht derweil in die Offensive.

Wie das Handelsblatt erfahren hat, wird das Institut am Mittwoch ein neues Kryptoprojekt vorstellen: DLT-Markets heißt die Tochtergesellschaft, für die Frick einen langjährigen Investmentspezialisten der Deutschen Bank abgeworben hat. Die Firma will nicht weniger als die Quadratur des Kreises schaffen – und Frick zum europäischen Kryptovorreiter machen.

„Wir schaffen ein einzigartiges Angebot. Mit unserer vollregulierten Plattform treiben wir die Professionalisierung des Handels mit digitalen Token und Kryptowährungen voran“, erklärt der neue Chef Roger Wurzel.

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    DLT entwickelt und betreibt eine Plattform, die institutionellen Kunden den Zugang zu Kryptowährungen und bei virtuellen Finanzierungsrunden (ICOs) ausgegebenen Wertmarken (Token) erschließen soll. Vermögensverwalter, Banken und andere Kunden, die in das Kryptouniversum einsteigen wollen, müssen sich künftig nicht mehr selbst bei den ausländischen Plattformen anmelden und ihr Geld in die USA oder nach Hongkong überweisen. Vielmehr übernimmt DLT mit der neu entwickelten Software „Centurion“ die Abwicklung.

    Technisch soll die Plattform einen einfachen Zugang zu Onlinebörsen wie Kraken und Bitstamp ermöglichen; fünf Börsen sind angebunden. Zum Vergleich: die Münchner Fidor-Bank stützt sich allein auf Kraken. Eine Broker-Lizenz hat DLT noch nicht, die Kunden müssen also auswählen, wo die gewünschten Coins und Tokens gekauft werden sollen.

    Das Gesamtpaket umfasst jedoch noch mehr: Im Anschluss an den Kauf übernimmt die Bank Frick die Verwahrung der Krypto-Assets. Vermögensmanager, etwa Family Offices, die in Bitcoin und Co. investieren wollen, müssen sich also keine komplizierten Zugänge zu ihren Kryptogeldbörsen mehr merken. Stattdessen kümmert sich die Bank Frick und übernimmt dabei auch noch die nötige Geldwäscheprüfung, so der Plan.

    Bis zum Juli will DLT-Chef Wurzel laut eigener Aussage eine Reihe an großen Banken und Vermögensverwaltern als Kunden gewonnen haben. Als Tagesumsatz peilt er im ersten Jahr 30 bis 40 Millionen Euro an. Die Gesamtgebühren für die Kunden sollen unter ein Prozent liegen.

    Mittelfristig kann sich Wurzel noch weitere Geschäftsfelder vorstellen: „In Kooperation mit Bank Frick können wir alle regulatorischen Vorgaben erfüllen“, sagt der ehemalige Investmentbanker. „Mit der Infrastruktur, die wir gerade aufbauen, könnten wir perspektivisch auch ICOs betreuen, Assets managen, Indizes, Fonds und ETFs handeln.“ Das Ziel sei, DLT Markets zum ICAP der Kryptowelt zu entwickeln, erklärt Wurzel in Anspielung auf den weltgrößten Inter-Dealer-Broker aus London, mit dem zahlreiche Großbanken zusammenarbeiten.

    „Schon vor dem Aufbau unseres Blockchain-Bankings waren wir technologieaffin“, betont Vorstandschef Edi Wögerer. „Vielversprechende Projekte packen wir rasch an, ohne sie über sieben Hierarchiestufen hinweg bis zur Unkenntlichkeit zu verwässern.“ Allein aus dem Kryptobereich bereut Frick heute knapp 300 Kunden, hinzu kommen zahlreiche Finanztechnologiefirmen.

    Übernimmt sich die kleine Bank Frick, ein Institut mit einer Bilanzsumme von einer Milliarde Franken und rund 120 Mitarbeitern, mit ihren großen Plänen? Mittelfristig suchen die Liechtensteiner nach Kooperationspartnern.

    Die Abgründe der Kryptowelt hat das Institut auch bereits kennengelernt. So ist etwa die in Konkurs befindliche Envion AG, die den größten deutschen virtuellen Börsengang organisierte und 2018 spektakulär scheiterte, Kundin bei Frick. Man habe in allen relevanten Bereichen Know-how aufgebaut, um Risiken einzuschätzen, sagt Wögerer, „im Business Development, in der Kundenbetreuung, im Handel und – ganz wichtig – in der Compliance.“ Das bedeute auch, „dass wir allein im Bereich ICOs mehr als 95 Prozent aller Anfragen ablehnen mussten – meist zurecht, wie sich danach herausgestellt hat.“

    Entwickelt sich Liechtenstein in den kommenden Jahren zum Blockchain-Hub? Im bisherigen Zentrum der Kryptowelt, Berlin, blickt die Szene mit großem Interesse auf die Entwicklung des Alpenstaats. Auch die Manager der Solarisbank, die zahlreiche Kontakte zu Kryptofirmen pflegt. Die größte Bedrohung stellen die Pläne für den Münchener Platzhirsch dar, die Fidor-Bank, die sich früh als Partner von Blockchain-Start-ups positioniert hatte und zuletzt schwächelte.

    Auch das Berliner Start-up Bitwala, das als Kryptobank seit dem Jahreswechsel um Verbraucher wirbt und 2019 auch Geschäftskunden anbinden will, gilt als Mitbewerber von Frick. Am Donnerstag legt Bitwala Zahlen vor. Demnach haben die Berliner in den vergangenen Wochen eine vierstellige Anzahl an Neukunden gewonnen, die Bitcoin-Guthaben im Wert von einer Million Euro gehandelt haben.

    Ob aus Liechtenstein oder aus Berlin: Der Kryptomarkt hat trotz Kursschwäche offenbar noch Platz für neue Initiativen.

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