Landesbank: Niedersachsen lässt Streit mit Sparkassen um NordLB-Zukunft eskalieren
Das Provisionsergebnis der Landesbank stieg um 28 Prozent auf 46 Millionen Euro.
Foto: dpaHannover. In dem seit Monaten andauernden Streit um die künftige Ausrichtung der NordLB hat Mehrheitseigentümer Niedersachsen den Druck auf die Sparkassen-Finanzgruppe erhöht, die auch Anteile hält. Ministerpräsident Stephan Weil deutete an, dass im Notfall über eine neue Eigentümerstruktur der Landesbank nachgedacht werden müsse.
Zwar sei es sein Wunsch, dass die NordLB-Trägergemeinschaft zügig zu einem gemeinsamen Verständnis finde, das auf Dauer die Zukunft der NordLB sichere, sagte Weil am Mittwoch vor den rund 2.700 Teilnehmern des Sparkassentags in Hannover. „Wenn dies aber nicht möglich sein sollte, dann gibt es auch die Möglichkeit, eine solche Partnerschaft freundschaftlich und einvernehmlich zu beenden.“
Was genau er damit meinte, beschrieb Weil nicht. Das Finanzministerium von Niedersachsen wollte die Aussagen nicht einordnen und erklärte, die Worte des Ministerpräsidenten stünden für sich.
Denkbar ist jedoch, dass Weil auf ein Ausscheiden der beiden Fides-Gesellschaften aus dem Eigentümerkreis angespielt hat. Über diese hatte sich der öffentlich-rechtliche Bankensektor einst gemeinschaftlich an der Rettung der NordLB beteiligt, als diese wegen fauler Schiffskredite in die Schieflage geraten war. Die Gesellschaften halten nun 24 Prozent der NordLB-Anteile.
Im öffentlich-rechtlichen Bankensektor stören sich einige an den vom Land Niedersachsen unterstützten Wachstumsambitionen der NordLB, weil sie neue Risiken befürchten. Sie blockieren deshalb die Einführung einer neuen Banksteuerungs-IT. Seit Monaten gibt es keine Lösung, was die NordLB lähmt.
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Die NordLB wollte sich nicht äußern und verwies an ihre Eigentümer. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) erklärte, dass sich die Träger in konstruktiven Gesprächen zu allen offenen Fragen befänden. Das niedersächsische Finanzministerium sagte, das Land habe großes Interesse daran, mit den anderen Trägern zügig an Lösungen zu arbeiten.
Konzernverlust verringert
Am Mittwoch teilte die NordLB außerdem mit, dass sie im ersten Quartal rote Zahlen geschrieben hat. Das Vorsteuerergebnis lag im ersten Quartal bei minus acht Millionen Euro, wie das Institut aus Hannover am Mittwoch mitteilte. Vor Jahresfrist betrug der Verlust allerdings noch 99 Millionen Euro.
Wegen dieser Ergebnisverbesserung sieht NordLB-Chef Jörg Frischholz die Bank auf gutem Weg. Nun gehe es darum, „diesen positiven Trend fortzusetzen“ und die Bank erfolgreich weiterzuentwickeln. „Dabei halten wir an unserem eingeschlagenen Wachstumskurs fest, ohne das Thema Risiko aus dem Blick zu verlieren.“
Unter dem Strich betrug der Konzernverlust 15 Millionen Euro. Vor einem Jahr betrug das Minus 78 Millionen Euro.
Im Gesamtjahr 2022 hatte die NordLB ihren Vorsteuergewinn noch auf 104 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Nun erklärte die Bank, der Jahresauftakt sei zwischen Januar und März wie üblich durch die Zahlungen für die Bankenabgabe und den Einlagensicherungsfonds mit 68 Millionen Euro belastet worden. Während der Zinsüberschuss um drei Prozent auf 229 Millionen Euro sank, kletterte das Provisionsergebnis um 28 Prozent auf 46 Millionen Euro.
Der Appell von NordLB-Chef Frischholz, trotz Wachstum das Risiko im Auge zu behalten, dürfte an die Eigner aus dem Sparkassen-Lager gerichtet sein. Denn dort ist Kritik laut geworden, dass die NordLB entgegen der Restrukturierungspläne nun wieder wachse statt zu schrumpfen und dabei womöglich zu viele Risiken eingehe.
Neben der NordLB weist unter den großen Landesbanken nur die BayernLB Zahlen für das erste Quartal aus. Sie verdiente in den ersten drei Monaten fast eine halbe Milliarde Euro, vor allem dank eines höheren Zinsergebnisses.