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Leveraged Loans Deutscher Bank drohen höhere Kapitalanforderungen der EZB

Die EZB drängt bei der Deutschen Bank zur Vorsicht bei der Kreditvergabe an hochschuldete Kunden. Ansonsten könnten der Bank bald höhere Kapitalanforderungen der EZB drohen.
22.06.2021 Update: 22.06.2021 - 17:29 Uhr Kommentieren
Das Geschäft mit Krediten für hochverschuldete Kunden ist lukrativ und eine wichtige Säule im Investmentbanking. Quelle: dpa
Deutsche Bank

Das Geschäft mit Krediten für hochverschuldete Kunden ist lukrativ und eine wichtige Säule im Investmentbanking.

(Foto: dpa)

Die Deutsche Bank könnte mit höheren Kapitalanforderungen der Europäischen Zentralbank konfrontiert werden, wenn sie nicht bald weniger Kredite an hochverschuldete Kunden vergibt. Das dürfte es Vorstandschef Christian Sewing nicht leichter machen, seine Wachstums- und Gewinnziele zu erreichen.

Nach monatelangen Gesprächen hinter den Kulissen hat die EZB der Deutschen Bank mitgeteilt, dass sie aufgrund der inhärenten Risiken der „Leveraged Loans“ genannten Kredite bald mehr Eigenkapital halten muss, berichten mit der Diskussion vertraute Personen der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Bank könne die strengeren Anforderungen noch umgehen, wenn die entsprechenden Risiken zurückgefahren würden, bevor die EZB Ende dieses Jahres die Kapitalanforderungen für 2022 festlege, so die Personen.

Eine Sprecherin der EZB wollte den Sachverhalt nicht kommentieren. Leveraged Loans seien „ein wichtiges Geschäft für die Wirtschaft und für viele Banken, auch für die Deutsche Bank“, so ein Unternehmenssprecher. „Wir haben in diesem Geschäft eine solide Erfolgsbilanz und verfolgen einen vorsichtigen Risikoansatz, wie es die Vorschriften verlangen.“

Das Geschäft, unter Bankern auch als „Leveraged Finance“ bekannt, ist lukrativ und eine wichtige Säule im Investmentbanking. Da die Dynamik im Handelsgeschäft langsam abnimmt, hat es dieses Jahr nochmals an Relevanz gewonnen. Die Deutsche Bank hatte zuletzt ihren Marktanteil ausgebaut, sieht sich jetzt aber größerem Druck der Aufseher ausgesetzt.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters von einer mit den Vorgängen vertrauten Person erfuhr, dauern die Gespräche zwischen der Notenbank und der Deutschen Bank zu dem Thema an. Noch sei nichts entschieden, sagte der Insider. Die EZB habe vor einigen Jahren Leitlinien für das Kreditgeschäft mit hoch verschuldeten Kunden veröffentlicht, in denen lediglich Erwartungen formuliert würden. Die Zentralbank habe die Deutsche Bank aufgefordert, das Geschäft mit riskanten Krediten zurückzufahren und ihre Geschäftspraxis zu erläutern. 

Die Beziehungen zu den Aufsichtsbehörden zu verbessern hat für Sewing Priorität, nachdem sich diese jahrelang verschlechtert hatten. Doch der Fokus der EZB auf Leveraged Loans ist für ihn ein neues Dilemma: Sich fügen und die Risiken senken heißt, einen Bereich zu beschneiden, den er zur Erreichung einiger seiner Ziele braucht. Der Manager hatte für dieses Jahr stabile Beiträge des Investment Bankings in Aussicht gestellt, obschon der Handel an Dynamik nachlässt. Als Folge müssen andere Bereiche mehr liefern. Gegenwehr könnte die Geschäfte für die Bank auch anderswo teurer machen und Sewing auf Konfrontationskurs mit einer wichtigen Institution bringen.

Vielzahl neuer Herausforderungen

Die EZB habe „klare Erwartungen“ bezüglich Leveraged Loans an die Banken in ihrem Aufsichtsbereich kommuniziert, sagte letzte Woche Andrea Enria, der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums der EZB auf einer Konferenz. Dennoch habe die EZB nicht genügend Reaktionen gesehen, sagte er mit Bezug auf die gesamte Branche.

Mit Leveraged Loans hatte die Deutsche Bank letztes Jahr mehr als 300 Millionen Dollar (252 Millionen Euro) generiert, etwa mit dem 23-Milliarden-Dollar-Kredit an T-Mobile US für den Kauf des Rivalen Sprint. Dieses Jahr kletterte die Deutsche Bank in den USA bislang auf Rang sieben bei Leveraged Loans, nach Platz zehn im letzten Jahr. In Europa, dem Nahen Osten und Afrika reichte es gar für Rang 3, ein Platz höher als 2020.

Kreditrisiken zu managen gehört zu den Dingen, derer sich die Deutsche Bank rühmt. Nach den pandemiebedingten Rücklagen hat die Bank nun weniger Geld für zweifelhafte Kredite beiseite gelegt. Den Kollaps von Archegos Capital Management überstand die Bank unbeschadet.

Gleichzeitig gilt es, eine Vielzahl neuer Herausforderungen durch die Aufsicht zu meistern. Die Bafin erweiterte im April das Mandat ihrer Geldwäsche-Sonderbeauftragten bei der Deutschen Bank. Die Fed verwarnte die Bank wegen anhaltender Versäumnisse im Bereich Compliance. Eine interne Untersuchung zu Derivaten in Spanien läuft noch und Chief Risk Officer Stuart Lewis sieht sich einer Untersuchung ausgesetzt bezüglich seiner Rolle zum Steuerskandal um das Thema Cum-Ex.

Mehr: Philipp Gossow verantwortet künftig den Filialvertrieb der Deutschen Bank

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