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Michael Ilgner Was die Deutsche Bank von einem Wasserballer lernen kann

Die Deutsche Bank baut ihren Vorstand um. Ein früherer Spitzenathlet wird neuer Personalchef, und ein Veteran soll den Umbau leiten. Auf beide wartet viel Arbeit.
03.11.2019 - 18:24 Uhr Kommentieren
Der frühere Wasserball-Sportler kann motivieren – und restrukturieren. Quelle: obs
Michael Ilgner

Der frühere Wasserball-Sportler kann motivieren – und restrukturieren.

(Foto: obs)

Frankfurt, Düsseldorf Wasserball gilt als eine der härtesten Sportarten, die man ausüben kann. Tritte und Ellenbogenchecks unter der Wasserlinie, jenseits des Blickfelds des Schiedsrichters, sind keine Seltenheit in diesem Sport. Wer diesen Sport liebt, besitzt wohl auch die Nehmerqualitäten, um Personalchef eines Konzerns zu werden, der in den kommenden drei Jahren 18.000 der rund 90.000 Stellen abbauen will.

Insofern passt es, dass die Deutsche Bank den Chef der Deutschen Sporthilfe und ehemaligen Topwasserballer, Michael Ilgner, zum Leiter des Personalressorts machen will. Der promovierte Wirtschaftsingenieur, der aus einem Örtchen nahe Schweinfurt stammt, soll im März 2020 anfangen, teilte die Bank mit.

„Im Wasser kann es auch mit dem Gegner kernig zur Sache gehen“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt über die Sportart, die ihn geprägt hat. „Aber man spielt nach einem fairen Set von Regeln und kann hinterher dann auch zusammen ein Glas Bier oder eine Cola trinken.“ Diese Haltung könnte dem angehenden Personalchef beim Umbau der Deutschen Bank noch helfen.

Ebenso wie seine Berufserfahrungen, die er vor seiner Zeit bei der Sporthilfe beim Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton sammelte. Dort leitete er unter anderem auf der Beraterseite das europäische Restrukturierungsprogramm für einen Automobilzulieferer.

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    Anschließend setzte er es – für ein Jahr an das Unternehmen ausgeliehen – auch selbst in die Praxis um. „Das war eine prägende Erfahrung, weil es um klassische Restrukturierungsfragen wie Standortschließungen oder -veränderungen oder auch den Verkauf von Einheiten ging“, sagte er. „In der Zeit habe ich auf europäischer Ebene mit Personalthemen zu tun gehabt.“

    Der Motivator

    Für Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing dürften andere Fähigkeiten Ilgners entscheidender gewesen sein. Dem 1,90-Meter-Mann eilt der Ruf voraus, ein begnadeter Motivator zu sein. Sewing hat sich in den vergangenen Jahren davon persönlich überzeugen können. Die Deutsche Bank zählt neben der Telekom, der Post und der Allianz zu den größten Förderern der Sporthilfe.

    Sewing sitzt deshalb auch im Aufsichtsrat der Stiftung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Nachwuchskräfte aus den olympischen Sportarten finanziell zu unterstützen. Ihn habe „zutiefst beeindruckt“, wie dieser ein System aufgebaut habe, das es Athleten ermögliche, nicht nur sportliche Spitzenleistungen zu erbringen, sondern parallel auch in ihre Berufsausbildung zu investieren, schrieb er an die Mitarbeiter.

    Dessen Gespür für die Entwicklung junger Talente will Sewing für die Bank nutzbar machen. Ilgner denkt, dass das Geldhaus vom Wasserball lernen kann. Dort komme es auf das „Ich“ und das „Wir“ gleichermaßen an. „Erstes Grundprinzip ist, dass jeder seine eigene Aufgabe zu erledigen hat. Und wenn er die am unmittelbaren Gegner nicht so erledigt wie besprochen, sind die Kollegen so richtig sauer“, sagt der künftige Personalchef. „Aber wenn man diesen eigenen Job nicht immer unter das absolute Credo des ‚Wir‘ stellt, ist man sofort raus aus dem Team.“

    In der Welt des Sports gilt Ilgner als kompetenter, integrer Manager. Er hat die Stiftung Deutsche Sporthilfe in den vergangenen Jahren weiter professionalisiert und sich dabei auch ein hervorragendes Netzwerk aufgebaut. „Die beeindruckende Erfolgsgeschichte der Deutschen Sporthilfe trägt ganz wesentlich seinen Namen“, sagt Friedrich Curtius, Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Den Job bei der Deutschen Bank traut er ihm ohne Weiteres zu. „Mit seinen starken analytischen Fähigkeiten bringt er alle Voraussetzungen mit, die neue berufliche Herausforderung bei der Deutschen Bank erfolgreich zu gestalten“, sagt Curtius.

    Ilgner wird das Personalressort zunächst unterhalb der Vorstandsebene leiten. Um Vorstand zu werden, benötigt er noch grünes Licht der Bankenaufsicht. Das dürfte ein bis zwei Jahre dauern, weil er sich die nötigen Fachkenntnisse über das Bankgeschäft erst noch aneignen muss. Auch seine Führungserfahrung wird Ilgner erst noch unter Beweis stellen müssen. Bei der Sporthilfe war er für 40 Mitarbeiter zuständig, bei der Deutschen Bank sind es knapp 90.000.

    Doch ein gerüttelt Maß an Unerschrockenheit ist dem 48-Jährigen seit seiner Kindheit eigen. „Es hat mich immer gereizt, Dinge zu erreichen, die unmöglich erscheinen“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Als ich 1984 mit 13 Jahren die Olympischen Spiele im Fernsehen verfolgt habe, habe ich meiner Mutter gesagt, dass ich jetzt mit dem Wasserballsport anfangen werde und zu den Olympischen Spielen will.“

    Campelli leitet Umbau

    Seine Mutter habe das amüsiert, schließlich stammt er aus einer „musikalischen Nicht-Sportlerfamilie“, wie er sagt. „Sie hat mir erklärt, dass das bei uns nicht ginge, erst recht nicht in unserem Dorf.“ Als Wasserballer hat Ilgner es trotzdem elf Jahre später zu einer Bronzemedaille bei den Europameisterschaften und 1996 zu einer Olympia-Teilnahme gebracht.

    Bis Ilgner in den Vorstand der Deutschen Bank aufrücken darf, wird Fabrizio Campelli im obersten Führungsgremium die Rolle des Arbeitsdirektors innehaben. Der bisherige Leiter des Wealthmanagements übernimmt neben dem Ressort Personal auch die Verantwortung für den Konzernumbau im Vorstand. Der langjährige Deutsche-Bank-Veteran rückt mit sofortiger Wirkung in das oberste Führungsgremium auf.

    Für Campelli, der seit 15 Jahren für die Bank arbeitet, dürfte gesprochen haben, dass er den Konzern aus vielen Blickwinkeln kennt. Er zählt zu den wenigen Managern, die wie Sewing sowohl operative Geschäftsverantwortung übernommen haben, aber auch für Infrastruktur- und Verwaltungstätigkeiten zuständig waren. Campellis Nachfolger im Wealthmanagement wird dessen bisheriger Europachef Claudio de Sanctis, der vor einem Jahr von der Credit Suisse zur Deutschen Bank wechselte.

    Durch die jüngste Personalrochade wächst der Vorstand der Deutschen Bank auf sieben Mitglieder an. Weitere Manager warten noch auf grünes Licht der Aufsicht für ihre Vorstandsbestellung. Das gilt neben Ilgner auch für Amerikachefin Christiana Riley, IT-Chef Bernd Leukert und den für Recht und Aufsichtsbehörden zuständigen Stefan Simon. Es ist unklar, ob diese Personalstärke auf Dauer angelegt ist oder ob der Aufsichtsrat der Bank darauf verzichtet, einen der 2020 auslaufenden Vorstandsverträge zu verlängern. Diese Frage stellt sich bei Risikochef Stuart Lewis, Finanzchef James von Moltke und Asienchef Werner Steinmüller.

    Mehr: Selbst im Kerngeschäft kämpft die Deutsche Bank um Erträge. Sie muss wegen der niedrigen Zinsen stärker gegensteuern – auch mit Negativzinsen für die Kunden.

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