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Minuszinsen ING führt Negativzinsen ab 50.000 Euro Guthaben ein – je Konto

ING, Postbank, Commerzbank: Zahlreiche Geldhäuser senken die Freibeträge bei der Berechnung von Minuszinsen. Sie gehen dabei ganz unterschiedlich vor – der Blick aufs Detail lohnt sich.
28.06.2021 Update: 28.06.2021 - 15:25 Uhr 1 Kommentar
0,5 Prozent Strafzinsen sollen Kunden bei Einlagen über 50.000 Euro zahlen. Quelle: Bloomberg/Getty Images
ING

0,5 Prozent Strafzinsen sollen Kunden bei Einlagen über 50.000 Euro zahlen.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Frankfurt Die Onlinebank ING senkt die Freibeträge bei der Berechnung von Negativzinsen. Künftig sollen Neu- und Bestandskunden Minuszinsen von 0,5 Prozent für Guthaben oberhalb von 50.000 Euro zahlen, wie die ING Deutschland am Montag mitteilte.

Nick Jue, Chef der ING in Deutschland, erklärte dazu: „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht.“ Das Geldhaus sei mit verzinsten Tagesgeldangeboten und Spargeld zu einer der größten hiesigen Banken geworden. ING zählt in Deutschland nach eigenen Angaben neun Millionen Kunden.

Die ING wird für Giro- wie für Tagesgeldkonten, die ab dem 6. Juli eröffnet werden, per 1. November Strafzinsen verlangen. Dabei gilt der Freibetrag je Konto. Kunden können also sowohl auf dem Giro- als auch auf dem Tagesgeldkonto bis zu 50.000 Euro deponieren, ohne ein „Verwahrentgelt“ zu zahlen.

Auch bei Bestandskunden soll der Freibetrag von 50.000 Euro jeweils für Giro- wie für Extrakonten gelten. Die Bank werde ab Juli Kundinnen und Kunden schrittweise anschreiben, so die ING. Betroffen sind gut 700.000 Kunden. Bisher greift der Negativzins nur für Konten, die nach Anfang November 2020 eröffnet wurden, oberhalb von 100.000 Euro Einlage.

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    Auch die Postbank hat ihre Konditionen gerade erst angepasst. Für Neukunden gelten seit Kurzem neue Freibeträge – und diese Regelung greift nun auch für Bestandskunden, wie die Deutsche Bank, zu der die Postbank gehört, gegenüber dem Handelsblatt erklärte: „Bestandskunden der Postbank mit hohen Sichteinlagen werden in der Tat zurzeit angesprochen und um eine individuelle Vereinbarung gebeten. Für die Postbank liegen die Freibeträge dabei wie auch beim Neugeschäft bei 50.000 für Giro- und Anlagekonten und bei 25.000 Euro für Tagesgeldkonten.“

    Das Vorgehen ING und Postbank verdeutlicht, dass Verbraucher und Verbraucherinnen genau hinschauen sollten, wenn Geldhäuser Negativzinsen einführen oder Freibeträge senken. So können ING-Bestandskunden, die mit dem Betrag auf ihrem Girokonto die 50.000 Euro überschreiten, auch ein Tagesgeldkonto eröffnen und dort bis zu 50.000 Euro parken, ohne dass ihnen Minuszinsen berechnet werden. Neukunden könnten mit ihrem Girokonto zu ING wechseln, zusätzlich ein Tagesgeldkonto eröffnen und so insgesamt 100.000 Euro ohne Negativzinsen anlegen. Bei der Postbank können Kunden also geschickt bis zu 75.000 Euro verteilen.

    Manche Banken machen keine eindeutigen Angaben

    Denn die Praxis beim Erheben von Minuszinsen ist sehr unterschiedlich. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg stellt fest: „Bei einigen Banken und Sparkassen gelten die Freibeträge kontoübergreifend, andere geben die Freibeträge je Konto an.“

    Bei manchen Häusern sind Freibeträge je Konto – wie bei der ING – gleich hoch, häufig jedoch räumen Geldhäuser beim Girokonto andere Freibeträge ein als beim Tagesgeldkonto.

    Oliver Maier, Geschäftsführer von Verivox Finanzvergleich, moniert, dass in den Preisverzeichnissen teilweise nicht eindeutig klar werde, „wie hoch die Gesamtfreibeträge sind und wie sie auf unterschiedliche Konten verteilt werden können“.

    Wer die eingeräumten Freibeträge überschreite, könne sein Geld auf mehrere Banken verteilen oder sich nach Angeboten komplett ohne Negativzinsen umschauen, rät Maier. Das Vergleichsportal Verivox untersucht unter anderem die Konditionen für Tagesgeld und Girokonten von 1300 Banken und Sparkassen.

    Wie die ING haben etliche Geldhäuser die Freibeträge bei Tagesgeld- und Girokonten gesenkt. Die Commerzbank beispielsweise hat angekündigt, ab August den Freibetrag für Neukunden auf 50.000 Euro zu senken, fasst dabei aber alle Einlagen zusammen.

    Allerdings ist die Eröffnung neuer Tagesgeldkonten nicht überall mehr möglich. Auch die Option, Sparbücher zu eröffnen und so Minuszinsen zu entgehen, haben Verbraucher teils nicht mehr. „Wir sehen zudem immer mehr Kreditinstitute, die keine Sparbriefe und Sparbücher mehr anbieten und auch keine neuen Tagesgeldkonten mehr eröffnen,“ sagt Nauhauser.

    Die ING erklärte auf Anfrage, dass Kunden seit Ende April keine Sparbriefe mehr abschließen können. „Auch Bestandskunden, die bereits einen Sparbrief haben, können keinen neuen mehr öffnen.“

    Auf Sparbüchern, also Sparkonten mit dreimonatiger Kündigungsfrist, sind Negativzinsen nach Einschätzung von Juristen unzulässig. Um sie einzuführen, müssten Banken mit Einwilligung der Kunden den Typ des Vertrags zwischen ihnen ändern, nicht nur einfach eine Klausel ergänzen. So ist beim Sparvertrag die Bank Darlehensnehmer. Der Kunde also ist der Darlehensgeber und erhält – positive – Zinsen. Ein Sparbuch mit Negativzinsen wäre daher kein Sparkonto mehr.

    Maier von Verivox verweist darauf, dass es weitere Alternativen gebe. „Topbanken mit Sitz im europäischen Ausland zahlen Anlegern noch immer 0,4 Prozent Guthabenzinsen aufs Tagesgeld.“ Bei Anbietern mit deutscher Einlagensicherung gebe es bis zu 0,15 Prozent.

    Zahl der Geldhäuser mit Negativzinsen steigt immer weiter

    Nicht nur die Freibeträge sinken, auch der generelle Trend hin zu mehr Geldhäusern mit Negativzinsen ist ungebrochen. Verivox zählt inzwischen 348 Kreditinstitute mit per Preisaushang ausgewiesenen Negativzinsen, was einem Viertel der untersuchten Geldhäuser entspricht. Damit hat sich die Zahl seit Anfang dieses Jahres mehr als verdoppelt.

    Tatsächlich dürfte sie laut Verivox noch höher sein, weil nicht alle Kreditinstitute die Konditionen frei zugänglich im Internet veröffentlichen. Zudem erheben 20 Geldhäuser eine Gebühr für das eigentlich kostenfreie Tagesgeldkonto, einen Teil davon parallel zu Strafzinsen.

    Über den Preisaushang legen die Geldhäuser Strafzinsen für neue Konten fest. Mit Bestandskunden müssen sie individuell über Verwahrentgelte verhandeln. Falls Kunden Negativzinsen nicht zustimmen, dürfen die Geldhäuser ihnen kündigen – davon zumindest geht die Finanzbranche aus.

    Verbraucherschützer haben bereits Kritik geübt an Minuszinsen auf Sparkonten und monatlichen Gebühren auf Tagesgeldkonten, die in Einzelfällen vorkommen. Zudem streiten sich die Verbraucherzentrale Sachsen und die Sparkasse Vogtland bereits über die Frage, ob Negativzinsen unter Umständen auf Girokonten mit Kontogebühr zulässig sind. Kommende Woche wird ein Urteil erwartet.

    Die Verbraucherzentrale verneint das und betrachtet die Klausel, laut der die Sparkasse Negativzinsen beim Girokonto erheben wollte, als unwirksam: Sie sei für den Kunden überraschend, und Negativzinsen auf Girokonten seien generell nicht zulässig.

    Die Sparkasse Vogtland geht davon aus, dass ein Girokonto ein sogenannter typengemischter Vertrag sei, bei dem ein Kreditinstitut sowohl ein Entgelt für Zahlungsdienste, also Kontogebühren, als auch ein Verwahrentgelt vereinbaren dürfe. Ein Urteil wird an diesem Freitag erwartet. Tatsächlich erhoben hat die Sparkasse Minuszinsen nicht.

    Der VZBV (Verbraucherzentrale Bundesverband) geht noch weiter. Er will gerichtlich klären lassen, ob Minuszinsen auf Tagesgeld- und Girokonten generell erlaubt sind oder nicht. Der Bundesverband hält entsprechende Verwahrentgelte für private Kunden grundsätzlich für unzulässig, er hat an verschiedenen Landgerichten Klagen gegen fünf Kreditinstitute eingereicht, darunter Genossenschaftsbanken und eine Sparkasse.

    Mit der Berechnung von Negativzinsen reagieren die Geldhäuser auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Die EZB hatte im Sommer 2014 Negativzinsen für Geschäftsbanken eingeführt. Im Herbst 2019 erhöhte die Notenbank den Strafzins für kurzfristige Einlagen der Geldhäuser bei der Notenbank auf 0,5 Prozent, er gilt oberhalb eines bestimmten Freibetrags, was Banken bis zu einem gewissen Grad entlastet. Zudem können Kreditinstitute auch zu Negativzinsen bei der EZB Geld leihen, was die Effekte teils ausgleicht.

    Mehr: Marktanalyse zu Negativzinsen: 14 Banken berechnen höhere Strafzinsen als die EZB

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    1 Kommentar zu "Minuszinsen: ING führt Negativzinsen ab 50.000 Euro Guthaben ein – je Konto"

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    • Gerade in Ihrem Newsticker gelesen:
      "Nach BGH-Urteil: ING nimmt Gebührenerhöhungen zurück"
      Auch die ING muss eben sehen, wo sie bleibt. Nur die Betroffenen mit der A...karte ändern sich.
      An den niedrigen Zentralbankzinsen tragen die Geschäftsbanken keinerlei Schuld und werden durch diese unter Druck gesetzt, aber dennoch müssen sie im Zusammenspiel mit den Zentralbanken wiederum die Kryptowährungen bekämpfen: auf einem Krypto-Wallet gibt es nämlich weder Negativzinsen bei hohem Guthaben noch Wallet-Führungsgebühren. Würde der Markt dagegen den Zinssatz festlegen und nicht die Zentralbanken, dann hätten die Geschäftsbanken jedoch weitaus bessere Karten auch gegenüber Kryptos, die eben keine Zinsen zahlen. Aber gibt es irgendwann digitale Zentralbankwährungen, dann gehen den Geschäftsbanken vermutlich auch noch Teile ihres Kreditgeschäfts flöten.
      Wer sind also die wirklich "Bösen": Geschäftsbanken oder Zentralbanken?!

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