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Minuszinsen Kündigung wegen Negativzinsen: Stadtsparkasse Düsseldorf schiebt Verweigerer ab

Die Bank hat einigen vermögenden Kunden, die Negativzinsen nicht akzeptieren, gekündigt. Sollten diese nicht reagieren, wandert ihr Geld auf ein Konto bei der Bundesbank.
25.03.2021 - 20:05 Uhr Kommentieren
DSGV-Präsident Helmut Schleweis klagt über den hohen bürokratischen Aufwand nach dem BGH-Urteil: „Wir benötigen jetzt 2700 Tonnen Papier, um Kunden über etwas zu informieren, was diese schon wissen.“ Quelle: dpa
Stadtsparkasse Düsseldorf

DSGV-Präsident Helmut Schleweis klagt über den hohen bürokratischen Aufwand nach dem BGH-Urteil: „Wir benötigen jetzt 2700 Tonnen Papier, um Kunden über etwas zu informieren, was diese schon wissen.“

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Stadtsparkasse Düsseldorf strebt an, sich mit weiteren vermögenden Kunden auf die Zahlung von Negativzinsen oder auf alternative Geldanalagen zu einigen. Wie Ende Februar bekannt wurde, hat die Sparkasse einigen Kunden mit sehr hohen Guthaben auf Giro- oder Tagesgeldkonten per Ende März gekündigt, weil diese Negativzinsen nicht akzeptieren. Damals hatten sich 26 Kunden nicht zurückgemeldet.

Laut Privatkundenvorstand Michael Meyer geht es nun noch um 22 Kunden. „Wir hoffen, dass wir mit den verbleibenden Kunden noch eine Lösung finden“, sagte Meyer am Donnerstag. „Unsere Hand bleibt bis zum Ende ausgestreckt.“

Mit der Kündigung hatte die Sparkasse für Schlagzeilen gesorgt. Ihr Vorgehen gilt als Sonderfall, einzelne andere Geldhäuser gehen aber ähnlich vor. Hintergrund des Schritts ist, dass die Stadtsparkasse Düsseldorf – wie viele andere Geldhäuser auch – auf hohe Einlagen von Privatkunden Negativzinsen berechnet.

Bei der Düsseldorfer Sparkasse betragen die Freibeträge auf dem Giro- sowie auf dem Tagesgeldkonto für Bestandskunden 250.000 Euro. Oberhalb dieser Summe fordert das Geldhaus einen Minuszins von 0,5 Prozent.

Das kann bei Bestandskunden aber nur greifen, wenn diese dem auch zustimmen. Andernfalls haben Kreditinstitute die Option, Kunden die Kontoverbindung zu kündigen.

Hohe Kosten durch EZB-Negativzins

Die Stadtsparkasse Düsseldorf hatte im vergangenen Jahr deshalb 1825 Kunden angeschrieben, die insgesamt 672 Millionen Euro an täglich fälligen Einlagen halten. Mit den meisten Kunden traf die Sparkasse entsprechende Vereinbarungen für die Berechnung von Negativzinsen, oder die Kunden schichteten ihre Mittel in andere Anlagen um.

Das Geld der Kunden, die bis Ende März nicht reagieren, wird die Stadtsparkasse Düsseldorf an das Amtsgericht Düsseldorf überweisen. Das Amtsgericht unterhält laut Meyer wiederum ein Konto bei der Bundesbank.

Die Stadtsparkasse Düsseldorf bezifferte die Kosten für Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf unterm Strich rund 25 Millionen Euro. Finanzvorstand Stefan Dahm betonte allerdings, dass das eine Modellrechnung sei. Er verwies darauf, dass die Sparkasse nicht nur bei der EZB Geld parkt.

Die EZB hatte im Sommer 2014 Negativzinsen für Geschäftsbanken eingeführt. Im Herbst 2019 erhöhte die Notenbank den Strafzins für kurzfristige Einlagen der Geldhäuser bei der Notenbank auf 0,5 Prozent, er gilt oberhalb eines bestimmten Freibetrags. Zudem könnten Kreditinstitute auch zu Negativzinsen bei der EZB Geld leihen, was die Effekte teils ausgleicht.

Coronakrise und Negativzinsen drücken die Gewinne der Banken

Bundesweit führen immer mehr Geldhäuser Minuszinsen für Privatkunden ein. Laut dem Vergleichsportal Verivox veranschlagten Mitte März 277 Banken Negativzinsen bei privaten Kunden. Das betrifft Giro- sowie Tagesgeldkonten. Allein seit Jahresbeginn sind rund 100 Kreditinstitute hinzugekommen. Daneben gibt es Verivox zufolge elf Banken, die eine Gebühr für das üblicherweise kostenfreie Tagesgeldkonto berechnen. Insgesamt beobachtet das Vergleichsportal rund 1300 Banken und Sparkassen.

Die Folgen der Coronakrise und die Negativzinsen drücken die Gewinne der Geldhäuser. Bei der Stadtsparkasse Düsseldorf rutschte das Betriebsergebnis nach Bewertung im vergangenen Jahr auf rund 59 Millionen Euro ab – ein Rückgang von rund 20 Prozent.

Beim wichtigen Zinsüberschuss schlägt allerdings auch zu Buche, dass die Ausschüttungen aus einem Private-Equity-Portfolio sinken. Während die Sparkasse 2019 daraus noch 47 Millionen Euro erhielt, waren es im vergangenen Jahr 25 Millionen Euro.

Zeitweise hatte die Stadtsparkasse Düsseldorf in den vergangenen Jahren stark von Erträgen aus Investitionen in Private Equity profitiert. Die Erträge dominierten den Konzerngewinn sogar – komplett ungewöhnlich für Sparkassen. Die Sparkasse ist bereits dabei, das Private-Equity-Portfolio zurückzufahren. Laut Sparkassenchefin Karin-Brigitte Göbel wird der weitere Abbau noch mindestens vier bis fünf Jahre dauern.

Die Investitionen stammen noch aus der Zeit vor der Finanzkrise. 2003 entschied die Stadtsparkasse, Mittel in Private Equity zu stecken – in der Hoffnung, die Eigenkapitalrendite so nach oben zu treiben. Zeitweise hatte sie 400 Millionen Euro bei Finanzinvestoren angelegt, enorm viel für ein Kreditinstitut, das heute auf eine Bilanzsumme von gut 13 Milliarden Euro kommt.

Die hohen Private-Equity-Erträge führten dazu, dass die Stadtsparkasse Düsseldorf vor einigen Jahren vergleichsweise viel verdiente. In der Folge stritten der damalige Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel und der frühere Sparkassenchef Arndt Hallmann erbittert um die Frage, wie viel das Kreditinstitut an die Stadt ausschüttet und wie viel es in seine Reserven steckt.

Mehr: Einlagenflut wird zur Belastung für Sparkassen.

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