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Mit sofortiger Wirkung Commerzbank-Chefaufseher Hans-Jörg Vetter legt überraschend Mandat nieder

Die Commerzbank muss sich einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden suchen: Nach nur wenigen Monaten im Amt zieht sich Vetter wieder zurück – ein Rückschlag für das Institut.
16.03.2021 Update: 16.03.2021 - 18:04 Uhr Kommentieren
Legt sein Mandat bei der Commerzbank nieder. Quelle: dpa
Hans-Jörg Vetter

Legt sein Mandat bei der Commerzbank nieder.

(Foto: dpa)

Frankfurt Rückschlag für die Commerzbank: Das Institut muss sich kurz nach der Verkündung seines radikalen Umbaus einen neuen Aufsichtsratschef suchen. Amtsinhaber Hans-Jörg Vetter tritt mit sofortiger Wirkung zurück.

„Hans-Jörg Vetter hat heute dem Vorstandsvorsitzenden Manfred Knof mitgeteilt, dass er sein Mandat im Aufsichtsrat der Commerzbank AG aus gesundheitlichen Gründen zum Ablauf des heutigen Tages niederlegt“, erklärte Deutschlands zweitgrößte Privatbank am Dienstag. „Bis zur Wahl eines Nachfolgers wird sein Stellvertreter Uwe Tschäge die Aufgaben des Vorsitzenden des Aufsichtsrats übernehmen.“

Betriebsratschef Tschäge erklärte in einem Beitrag im Intranet der Commerzbank, er sei von Vetters Entscheidung wie alle anderen auch überrascht worden. Es mache ihn „sehr betroffen, dass er erkrankt ist. Sein Weggang nach nur sechs Monaten im Amt ist ein großer Verlust für uns alle.“

An der Strategie der Bank werde sich durch Vetters Abgang nichts ändern, betonte Tschäge. Er werde den Aufsichtsrat leiten, bis die Anteilseigner einen neuen Vorsitzenden gefunden hätten. „Wir alle wissen, dass wir uns auf dieser wichtigen Position in einer solchen Phase kein längeres Vakuum leisten können.“

Er selbst werde sich weiterhin für die Arbeitnehmerinteressen einsetzen, „ob ich nun den Aufsichtsrat vorübergehend leite oder wie bisher Mitglied und stellvertretender Vorsitzender bin“, betonte Tschäge.

Mit harter Hand restrukturiert

Vetter trat erst im August 2020 die Nachfolge von Stefan Schmittmann an, der nach heftiger Kritik von Aktionären und der Finanzaufsicht zusammen mit Vorstandschef Martin Zielke zurückgetreten war.

Vetter hat als Vorstandschef einst die Bankgesellschaft Berlin und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mit harter Hand restrukturiert. Diese Sanierungs- und Führungserfahrung war ausschlaggebend dafür, dass der 68-Jährige mit Rückendeckung des Großaktionärs Bund als neuer Chefkontrolleur installiert wurde.

Bei der Neuausrichtung der Commerzbank spielte Vetter eine zentrale Rolle. Mit dem Aufsichtsrat mischte er sich intensiv in die Debatte über die künftige Strategie der Commerzbank ein. Unter anderem setzte er durch, dass die Bank ihr Auslandsnetz stärker zurückfährt als vom damaligen Firmenkundenchef Roland Boekhout geplant. Dieser warf im Anschluss hin.

Kurz zuvor hatte bereits Privatkundenchef Michael Mandel das Unternehmen verlassen, und auch die Chefin der inzwischen geschluckten Onlinetochter Comdirect, Frauke Hegemann, und mehrere Bereichsvorstände hatten dem Institut den Rücken gekehrt.

„Uns Schwaben wird nachgesagt, hart zu arbeiten und sparsam zu sein“

Im September machte Vetter in einem Interview im Intranet der Commerzbank deutlich, dass das Institut einen grundlegenden Umbau benötigt. „Es geht darum, Erträge zu steigern, Kosten zu senken und den Status quo zu hinterfragen“, sagte er. „Es gibt noch viele althergebrachte Strukturen, die den heutigen Anforderungen und der Größe der Bank nicht mehr angemessen sind.“

Über die Details müsse der Vorstand entscheiden, erklärte Vetter damals. „Ich bin aber Schwabe, und uns wird nachgesagt, hart zu arbeiten und sparsam zu sein“, sagte der gebürtige Göppinger. „Und in meiner Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender werde ich alles tun, um dieses Klischee zu bedienen.“

Nach dem Amtsantritt des neuen Vorstandschefs Knof Anfang des Jahres nahm sich Vetter Insidern zufolge mehr zurück, spielte im Hintergrund jedoch weiter eine wichtige Rolle. Unter anderem versuchte er, bei Streitigkeiten zwischen dem Vorstand und den Arbeitnehmervertretern über den geplanten Stellenabbau zu vermitteln.

Die Commerzbank will in den kommenden vier Jahren weltweit 10.000 Vollzeitstellen streichen und in Deutschland 340 Filialen schließen. Das Auslands- und das Kapitalmarktgeschäft werden eingedampft.

Die neue Gangart werden auch die elf Millionen Privatkunden zu spüren bekommen. Die Zeiten, in denen das Institut mit Startguthaben um Neukunden warb, sollen vorbei sein. „Das gehört der Vergangenheit an“, sagte Knof im Februar bei der Vorstellung der neuen Strategie.

Mehr: Neuer Commerzbank-Firmenkundenchef im Handelsblatt-Interview: „Wir müssen jetzt anpacken“

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