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Möglicher Zusammenschluss Rückschlag für Bankenfusion in Italien: UBI lehnt Milliarden-Offerte von Intesa ab

Die UBI Banca hat der Übernahmeofferte ihrer Konkurrentin eine Absage erteilt. Doch damit ist die Aktion nicht gescheitert. Jetzt müssen sich die Aktionäre äußern.
04.07.2020 Update: 04.07.2020 - 15:51 Uhr Kommentieren
Vor allem im wirtschaftsstarken Norden Italiens aktiv. Quelle: Reuters
Zentrale der UBI Banca

Vor allem im wirtschaftsstarken Norden Italiens aktiv.

(Foto: Reuters)

Rom Die größte Bankenfusion in Italien seit vielen Jahren stand eigentlich kurz vor dem Abschluss – am Montag beginnt planmäßig die Frist für das Übernahmeangebot der Großbank Intesa Sanpaolo.

Doch an diesem Wochenende votierten die Verantwortlichen von UBI Banca dagegen. „Der Verwaltungsrat der UBI Banca ist der Ansicht, dass die nicht abgesprochene Übernahmeofferte nicht im Interesse der Aktionäre ist“, heißt es in einer Mitteilung der Bank von Freitag.

Damit ist die Fusion jedoch noch nicht gescheitert. Die Empfehlung des Verwaltungsrats ist eine technische Bewertung des Angebots. Intesachef Carlo Messina reagierte sofort und sagte, die Antwort des Verwaltungsrats von UBI Banca sei vorhersehbar gewesen. Jetzt sei es an den Aktionären, zu entscheiden, für „ein Projekt, das eine mächtige Gruppe an der Spitze Europas schaffen will“.  

Ende Februar, nur wenige Tage vor dem Ausbruch des Coronavirus und dem folgenden Lockdown in Italien, hatte Intesa, die nach Marktkapitalisierung größte italienische Geschäftsbank, ein Übernahmeangebot in Höhe von 4,9 Milliarden Euro vorgelegt.

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    Die eigenen Aktionäre stimmten einer Kapitalerhöhung zu und Bankchef Messina bekräftigte bei der Vorstellung der Quartalszahlen Anfang Mai, man werde trotz der Pandemie an der Operation festhalten. Das siebtgrößte Finanzinstitut in der Euro-Zone würde entstehen.

    Kontraproduktives Angebot?

    Der Weg zur Fusion war weit fortgeschritten: Das Einverständnis der Europäischen Zentralbank kam Anfang Juni. Intesa dürfe mindestes 50 Prozent plus eine Aktie von UBI erwerben, teilte Frankfurt mit. Und vor Kurzem stimmte auch die italienische Börsenaufsicht Consob zu. Rumoren und ein Sträuben gegen die Fusion gab es bei UBI Banca von Anfang an.

    Der geplante Aktientausch von 1,7 Intesa-Aktien gegen eine UBI-Aktie sei nicht ausreichend und würde UBI Banca unterbewerten, teilt der Verwaltungsrat von UBI Banca unter dem Vorsitz von Victor Massiah jetzt mit. Und kritisiert mit deutlichen Worten: „Die Offerte ist Teil eines größeren strategischen Plans, um Intesa durch die Ausschaltung eines Konkurrenten in Italien zu stärken, ohne aber tatsächlich die Positionierung von Intesa in Europa zu verändern.“

    Das Übernahmeangebot sei kontraproduktiv für die Stakeholder von UBI Banca, denn es würde dazu beitragen, dass Intesa eine dominierende Führungsrolle in Italien spielt, was potentiell schädlich für das ökonomische und soziale Umfeld in den Gebieten des Landes sei, in denen UBI Banca aktiv sei.

    „Seit Jahren wurde erwartet, dass UBI Banca einen dritten Bankenpool in Italien nach Unicredit und Intesa Sanpaolo bildet“, heißt es in einem Kommentar der italienischen Zeitung Corriere della Sera. „Dann kam Intesa Sanpaolo, hungrig auf weitere Synergien, inclusive der Abschaffung von Spitzenposten. UBI Banca ist klein, hat nur ein Zehntel von Intesa, doch das Abwürgen eines dritten Bankenpools lässt manchen fürchten, dass das Bankensystem künftig sehr unausgeglichen sein wird – zumal sich Unicredit immer mehr im Ausland engagiert.“

    Inneritalienische Konkurrenz

    Es geht also um inneritalienische Konkurrenz. Der Abstand zwischen den beiden Finanzinstituten ist tatsächlich sehr groß. Intesachef Messina hatte im Mai trotz der Pandemie und trotz einer höheren Risikovorsorge gute Zahlen vorgelegt. Der Nettogewinn übertraf deutlich die Erwartungen der Analysten und lag bei knapp 1,2 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte er nur 1,1 Milliarden betragen. Die Erträge stiegen im ersten Quartal auf knapp 4,9 Milliarden Euro, nach 4,4 Milliarden im Vergleichszeitraum.

    Intesa, bei der die meisten Unternehmer und Familien in Italien ihr Geld haben, ist bei der Bewältigung der Corona-Folgen federführend mit Hilfen und Krediten. Das sei möglich gewesen dank des robusten Vermögens und des niedrigen Risikoprofils der Bank, so Messina. 

    „Deshalb konnten wir schnell eingreifen bei der Kreditvergabe, außerdem haben wir einen relevanten Beitrag für das Gesundheitssystem geleistet und sind jetzt dabei, große Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um das soziale Ungleichgewicht zu bekämpfen, dass durch die Pandemie entsteht“, so Messina.

    Erst vor kurzem hat das Analysehaus Jefferies Intesa von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft und das Kursziel von 1,50 auf zwei Euro angehoben. Die kurzfristigen Erträge südeuropäischer Banken, wie etwa die der italienischen Intesa Sanpaolo, könnten positiv überraschen, schrieb Analyst Benjie Creelan-Sandford. Zugleich verfüge diese Bank im Niedrigzinsumfeld wegen des Gewichts im Bereich Vermögensmanagement längerfristig über ausreichend Widerstandskraft.

    Am 28. Juli endet die Frist für die Offerte und die Zustimmungsrate steht fest. Erst dann ist klar, ob die Fusion kommt oder nicht.  Einige traditionelle UBI-Aktionäre wie einige Stiftungen und Industriellenfamilien aus Brescia und Bergamo sind gegen die Fusion, andere signalisieren dagegen Zustimmung.

    Wenn UBI weiterhin an der Schaffung des dritten Bankenpools in Italien nach Intesa und Unicredit arbeitet, könnte das durch die Übernahme etwa gleichgroßer Institute in Italien sein. Ins Spiel kommt damit auch die etwa gleichgroße und weiterhin vom Staat als Mehrheitsaktionär geführte Monte dei Paschi, die nach einem Abkommen mit der EU spätestens 2021 zurück an den Markt muss.

    Wenn UBI Banca unabhängig bliebe, werde man sofort nach neue Übernahmemöglichkeiten suchen, sagte UBI-Chef Massiah am Freitag. Das solle bis Jahresende geschehen. UBI wolle ein Aggregator und keine Beute sein.      

    Mehr: Intesa Sanpaolo und BNP Paribas erhöhen Risikovorsorge.

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