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Monte dei PaschiGeplatzter Deal mit Unicredit: Das sind die möglichen Szenarien für die älteste Bank der Welt

Der Verkauf der Krisenbank Monte dei Paschi an Unicredit ist gescheitert. Welche Optionen der italienische Staat nun hat – und welche Rolle die EU-Kommission dabei spielt.Christian Wermke 25.10.2021 - 12:51 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Auch für Italiens Regierung ist der geplatzte Deal ein Rückschlag.

Foto: imago images/imagebroker

Rom. Fast drei Monate dauerten die Verhandlungen zwischen dem Finanzministerium und Unicredit. Am Sonntagabend sind sie geplatzt. Die Mailänder Großbank wird damit nicht zum Auffangbecken für das Kriseninstitut Monte dei Paschi di Siena (MPS).

Italien läuft nun die Zeit davon. 2017 sprang der Staat der ältesten Bank der Welt bei, rettete sie mit 5,4 Milliarden Euro Steuergeld vor dem Kollaps. Seitdem hält das Finanzministerium 64 Prozent der Anteile. Bis Jahresende sollte die Bank laut EU-Regularien zurück in die Privatwirtschaft. Der Schritt erscheint kaum mehr realistisch. Welches sind die möglichen Szenarien?

Szenario 1: Der Staat schießt Geld nach und verhandelt neu

Eigentlich wollte Italien eine weitere Finanzspritze für MPS unbedingt vermeiden. Aber es scheint nun das wahrscheinlichste Szenario zu sein. Die Europäische Zentralbank hatte den akuten Finanzbedarf des Instituts aus der Toskana schon im Sommer auf rund drei Milliarden Euro geschätzt. Wie aus Verhandlungskreisen berichtet wird, soll Unicredit eine noch viel höhere Summe gefordert haben.

Reuters zitiert eine mit der „Sache vertraute Person“, dass eine staatliche Kapitalerhöhung von 6,3 Milliarden Euro als Bedingung im Raum stand, um große Teile der Bank zu übernehmen.

Konkret wollte Unicredit 60 Milliarden Euro an Aktiva übernehmen, knapp drei Viertel. Interessiert waren die Mailänder zudem an gut 1000 der 1300 Filialen. 5000 bis 6000 Jobs sollten bei dem Deal wegfallen – die meisten davon allerdings über Ruhestandsregelungen.

Für frische Staatsmilliarden braucht MPS eine Genehmigung aus Brüssel. Anschließend könnte Italien bei der EU-Kommission um eine Verlängerung der Verkaufsfrist bitten, mindestens ein halbes Jahr. Das gäbe dem Staat genügend Zeit, um neue Verhandlungen aufzunehmen – mit Unicredit, aber auch mit anderen Playern auf dem italienischen Bankenmarkt, etwa der mittelgroßen Banco BPM.

Szenario 2: MPS bleibt unabhängig

Frisches Geld braucht MPS in jedem Fall. Die Regierung soll daher an einem Plan B arbeiten. Mehrere italienische Medien berichten, dass der gleiche Rahmen, der auch der Unicredit angeboten wurde, auf ein „Standalone“-Projekt angewendet werden könnte. Damit dürfte MPS nach einer Kapitalerhöhung eigenständig bleiben und sich der Staat langsam zurückziehen.

Wie beim geplatzten Unicredit-Deal würde dann wohl das Management umgebaut und faule Kredite an die staatliche Auffanggesellschaft Amco übertragen werden. MPS schleppt notleidende Kredite im Wert von mehr als vier Milliarden Euro mit sich herum, ein Anteil von 4,5 Prozent. Dazu kommen rund 14 Milliarden Euro an besonders gefährdeten Krediten.

Abgesehen davon ist die Bilanz nicht nur schlecht. Als MPS im August seine Halbjahreszahlen vorstellte, stand unter dem Strich ein Nettogewinn von 202 Millionen Euro. Im Pandemiejahr 2020 gab es noch einen Verlust von 1,68 Milliarden Euro. Sorge macht hingegen die weiter niedrige Eigenkapitalquote (10,6 Prozent).

Helfen könnte der Bank der derzeitige Aufschwung. Italiens Wirtschaftsleistung soll dieses Jahr um sechs Prozent wachsen. Zudem könnten bald die Zinsen in der Euro-Zone steigen, Banken würden dann wieder einfacher Geld verdienen als im derzeitigen Null- oder Negativzinsumfeld.

Szenario 3: MPS wird französisch oder spanisch

Bisher war eine Lösung außerhalb Italiens eher unrealistisch. Weil der Deal mit dem Wunschkäufer Nummer eins geplatzt ist, könnte das Szenario nun aber wieder aus der Schublade kommen. Es gibt bisher keine offiziellen Äußerungen, aber schon in der Vergangenheit wurde spekuliert, dass die französischen Banken Crédit Agricole oder BNP Paribas an MPS interessiert sein könnten. Auch die spanische BBVA könnte mitbieten, hat sie doch gerade erst ihre Homebanking-Plattform in Italien gestartet.

Dilemma für Mario Draghi: die politischen Folgen

Enrico Letta, Chef der mitregierenden Sozialdemokraten, geboren in der MPS-Heimat Toskana, lobte in einem TV-Interview die Entscheidung des Finanzministeriums: „Es erschien der Eindruck, dass Unicredit glaubte, an einem Ausverkauf teilzunehmen.“ Aus Bankenkreisen heißt es hingegen, dass Unicredit-CEO Andrea Orcel zuerst den Verhandlungstisch verlassen haben soll.

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Welche Erzählung auch stimmt – für die Regierung um Premier Mario Draghi ist der geplatzte Deal ein Rückschlag. Unicredit war der favorisierte Partner, man hoffte, dass teure Dossier MPS endlich schließen zu können. Draghi verhandelt gerade sein erstes Haushaltsgesetz, er will dabei Steuern senken, das Rentensystem umbauen, Familien besserstellen.

Das alles kostet Geld. Im gleichen Zuge erneut Milliarden für eine seit Jahren kriselnde Bank bereitzustellen käme für die Regierung zur Unzeit.

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