N26: Ex-Vorstand Jan Stechele wechselt zum Fintech Moss
Frankfurt. Der ehemalige N26-Vorstand Jan Stechele hat einen neuen Arbeitgeber: Der 47-Jährige hat als Risikochef beim Berliner Start-up Moss angeheuert. „Ich will Moss beim geplanten Wachstum unterstützen und auch meine Erfahrung beim Umgang mit der Finanzaufsicht einbringen“, sagte Stechele dem Handelsblatt.
Moss bietet Firmenkreditkarten an sowie eine digitale Plattform, mit der Mittelständler ihre Ausgaben managen können. Das Start-up wurde 2019 gegründet und hat von der Bafin 2022 eine Lizenz als E-Geld-Institut erhalten. Diese ermöglicht es Moss unter anderem, eigene Kreditkarten herauszugeben.
Zu den Geldgebern von Moss zählen bekannte Investoren wie Peter Thiels Investmentgesellschaft Valar Ventures, Tiger Global, A-Star, Cherry Ventures und GFC. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben 180 Millionen Euro eingesammelt und wurde bei der letzten Finanzierungsrunde 2022 mit 510 Millionen Euro bewertet.
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„Aktuell haben wir noch rund 60 Millionen Euro und sind damit durchfinanziert, bis wir die Gewinnschwelle erreichen“, sagt Mitgründer und Firmenchef Ante Spittler. „Nach unseren aktuellen Planungen sollte dies 2027 der Fall sein. Wir halten uns aber auch die Option offen, eine weitere Finanzierungsrunde anzugehen, falls wir zusätzliches Geld für stärkeres Wachstum benötigen.“
Das Angebot von Moss richtet sich vor allem an kleinere Firmen mit bis zu 500 Mitarbeitern. Über die Plattform des Fintechs werden laut Moss inzwischen pro Jahr Transaktionen mit einem Volumen von mehr als fünf Milliarden Euro abgewickelt. Der jährliche wiederkehrende Umsatz belaufe sich auf 40 Millionen Euro.
Außer in Deutschland ist das Start-up auch in den Niederlanden und Großbritannien aktiv. Perspektivisch könne sich die Firma auch den Eintritt in weitere europäische Märkte vorstellen, sagt Spittler.
Er erklärt: „Zudem wollen wir unser Angebot ausweiten und beispielsweise, eventuell auch gemeinsam mit einem Partner, kurzfristige Finanzierungen anbieten, mit denen unsere Kunden ausstehende Rechnungen begleichen können.“
Von einer Landesbank in die Fintech-Welt
In dieser Wachstumsphase soll Jan Stechele die Firma mit seiner Erfahrung im Banken- und Fintech-Sektor unterstützen. Der Manager arbeitete über 13 Jahre für die Bayerische Landesbank, bevor er 2019 zum Fintech Creditshelf wechselte.
2022 zog er weiter zur Neobank N26, wo er 2023 in den Vorstand einzog. Das Institut hatte damals wegen interner Defizite Ärger mit der Finanzaufsicht Bafin und durfte nur eine begrenzte Zahl neuer Kunden aufnehmen. Stechele half mit, das Risikomanagement und die Abwehrmaßnahmen gegen Geldwäsche zu stärken.
Als die Bafin die Wachstumsbeschränkungen für N26 im Sommer 2024 aufhob, sah Stechele seine Aufgabe als erledigt an – und brauchte erst mal eine Pause. „Fintech-Jahre fühlen sich ein bisschen länger an als Landesbank-Jahre“, betont er.
Zurück zu einer Großbank zieht es ihn aktuell dennoch nicht. Seine Begründung: „Ich mag die kurzen Entscheidungswege bei Fintechs und ihren Elan, kreative Lösungen für Probleme zu finden. Das tut der gesamten Finanzbranche und auch mir persönlich gut.“
Er sei aufgewachsen in einer Welt, in der ein Risikovorstand Nein gesagt habe – damit sei das Thema dann beendet gewesen, erzählt Stechele. Er habe einen anderen Ansatz und wolle Moss helfen, regulatorische Themen besser zu verstehen und anzugehen: „Ich will Sachen möglich machen.“