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Nach Bilanzskandal Fünf Tochterfirmen von Wirecard gehen in die Insolvenz – Kooperation mit Softbank vor dem Aus

Der japanische Technologiekonzern will Berichten zufolge aussteigen. Mauritius nimmt unterdessen verdächtige Wirecard-Geschäfte unter die Lupe.
02.07.2020 Update: 02.07.2020 - 15:26 Uhr Kommentieren
Dem Zahlungsdienstleister droht nach dem Bilanzskandal ein Kundenschwund. Quelle: Reuters
Wirecard

Dem Zahlungsdienstleister droht nach dem Bilanzskandal ein Kundenschwund.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, Düsseldorf Der insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard hat für fünf Tochterfirmen ebenfalls Insolvenz angemeldet. Das gab das Amtsgericht München am Donnerstag bekannt. Die Insolvenzverwaltung übernimmt wie für die Muttergesellschaft Michael Jaffé.

Bei den Tochterfirmen handelt es sich um die Wirecard Acceptance Technologies GmbH, die Wirecard Sales International Holding GmbH, die Wirecard Service Technologies GmbH, die Wirecard Issuing Technologies GmbH und die Wirecard Global Sales GmbH. Alle fünf Töchter sind wie die Wirecard AG im Münchner Vorort Aschheim ansässig und bieten Dienstleistungen und Software für die Muttergesellschaft an.

Damit reißen die schlechten Nachrichten für Wirecard nicht ab. Zuvor wurde bekannt, dass der japanische Technologiekonzern Softbank seine ursprünglich auf fünf Jahre ausgelegte Partnerschaft kündigen will, berichtet das „Wall Street Journal„ unter Verweis auf Insider. Zudem verliert der Zahlungsdienstleister einen seiner prominentesten Kunden: Kreditkartenzahlungen bei Aldi Süd werden in Zukunft über Payone abgewickelt, gab der Discounter am Donnerstag bekannt. Zuerst hatte „Finanz-Szene„ darüber berichtet.

Gerade der Softbank-Deal hatte im vergangenen Jahr für ein großes Echo gesorgt: Softbank hatte im April 2019 über eine Wandelanleihe in Wirecard indirekt etwa eine Milliarde Dollar investiert. Der Deal wurde später aber durch eine komplexe Transaktion abgewandelt, sodass Softbank letztendlich nie direkt Geld in Wirecard investiert hatte.

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    Allerdings wurde ein „strategischer Kooperationsvertrag“ geschlossen. In diesem Zuge sollte Wirecard digitale Zahlungen für andere Unternehmen im umfangreichen Softbank-Portfolio übernehmen. Zudem sollte Softbank die Expansion Wirecards in Japan und Südkorea unterstützen. Diese für fünf Jahre geltende Vereinbarung will Softbank laut dem „Wall Street Journal“ jetzt vorzeitig beenden. Wirecard hat sich bislang nicht zu dem Bericht geäußert.

    Es wäre nicht der einzige Rückschlag für den insolventen Zahlungsdienstleister: Denn in Aldi Süd ist ein weitere Kunde abgesprungen. Künftig soll Payone, ein Joint Venture von deutschen Sparkassen und dem französischen Ingenico-Konzern, die Kreditkartenzahlungen bei dem Supermarktriesen abwickeln.

    Zuvor hatte bereits der Mitfahrdienst Grab erklärt, seine Zusammenarbeit mit Wirecard bis auf Weiteres auszusetzen. Der französische Telekommunikationskonzern Orange kündigte bereits an, einen neuen Payment-Dienstleister für seine Tochterfirma Orange Bank bestimmen zu wollen. Und der Londoner N26-Rivale Revolut verlagerte seine Kunden zu alternativen Zahlungsanbietern.

    Schwierige Lage für den Insolvenzverwalter

    Auch andere Kunden wollen Finanzkreisen zufolge wechseln und haben nach Bekanntwerden des Bilanzskandals Gespräche mit Wirecard-Wettbewerbern aufgenommen. Dem Finanznachrichtendienst Bloomberg zufolge haben die Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard bereits begonnen, Wirecard-Kunden zu kontaktieren, um sie auf die Möglichkeit vorzubereiten, dass Wirecards Zugang zu ihren Netzwerken entzogen werden könnte.

    Für Insolvenzverwalter Michael Jaffé sind das schlechte Nachrichten. Der Jurist hatte am Dienstagabend im Anschluss an eine Gläubigerversammlung gesagt, es habe sich bereits „eine Vielzahl von Investoren aus aller Welt gemeldet“, die Interesse am Kerngeschäft oder an Teilbereichen von Wirecard gezeigt hätten. Sollte jetzt ein Kundenschwund einsetzen, würde das den Verkaufswert erheblich schmälern.

    Nicht hilfreich dürfte sein, dass nun der Verdacht im Raum steht, dass bei Wirecard Hunderte Millionen Euro in dunklen Kanäle verschwunden sein könnten. Unterlagen der Wirtschaftsprüfgesellschaft KPMG zufolge seien über fragwürdige Kredite an Firmen in Asien und über eine Briefkastenfirma auf Mauritius im Indischen Ozean eine dreistellige Millionensumme abgeflossen, berichtet die „Süddeutsche Zeitung„ (SZ).

    Über den Verdacht auf abgeflossene Gelder in dreistelliger Millionenhöhe hatte zuvor bereits das Handelsblatt berichtet. Die SZ beruft sich jetzt auf einen bislang unveröffentlichten, 232-Seiten-starken Anhang des KPMG-Prüfberichts. Dazu passt es, dass die Staatsanwaltschaft seit Mittwoch nicht mehr nur dem Verdacht der Bilanzfälschung und Manipulation des Börsenkurses nachgeht, sondern auch Betrugsermittlungen in Betracht zieht.

    Grafik

    Aus Mauritius könnte nun Aufklärung zu einem weiteren rätselhaften Vorgang der Wirecard-Geschichte kommen. Wie die Zentralbank des Inselstaats und die örtliche Finanzaufsicht FSC am Mittwoch mitgeteilt haben, werden sie in einer gemeinsamen Untersuchung mögliches sogenanntes Roundtripping durch Wirecard untersuchen. Gemeint ist damit, dass Gelder wiederholt zwischen mit Wirecard oder führenden Managern verbundenen Gesellschaften hin- und hergeschoben worden sein könnten, um Umsatz- und Gewinnzahlen künstlich aufzublähen.

    „Die Untersuchung wird sich ebenfalls auf mögliche grenzüberschreitende Transaktionen konzentrieren, die im Zusammenhang mit dem Fall stehen könnten. Die Untersuchung wird mit Unterstützung anderer lokaler Strafverfolgungsbehörden durchgeführt“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Die Zentralbank und die FSC seien entschlossen, mögliche Verstöße gegen regulatorische Anforderungen, insbesondere zu Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, aufzudecken.

    Hintergrund der Untersuchungen ist ein umstrittenes Geschäft in Indien. Dort übernahm Wirecard im Oktober 2015 für 340 Millionen Euro inklusive Erfolgsprämie eine Firmengruppe. Es war der größte Zukauf der Firmengeschichte. Der Deal wirft bis heute Fragen auf: Der wichtigste Teil der Gruppe wurde kurz vor der Übernahme von einem in Mauritius ansässigen Fonds gekauft – für lediglich 40 Millionen Euro.

    Dieser reichte die Firma dann für ein Vielfaches an Wirecard weiter – und machte so offenbar einen satten Gewinn. Was mit dem Geld passierte und wer davon profitierte, konnte oder wollte Wirecard bis zuletzt nicht beantworten. Das alte Wirecard-Management stritt ab, die Hintermänner zu kennen. Sie nicht geprüft zu haben sei ein Fehler gewesen.

    Mehr: Wirtschaftskrimi um Wirecard: Ermittler nehmen weitere Ad-hoc-Mitteilung ins Visier.

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