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Nach Geldwäsche-Skandal Deutsche Bank zieht sich aus Russland zurück

John Cryan lässt seinen Worten nun Taten folgen: Der neue Vorstandschef der Deutschen Bank dünnt das Geschäft aus – und zwar in Russland. Die Bank war dort wegen einer Geldwäsche-Affäre in die Schlagzeilen geraten.
18.09.2015 - 11:13 Uhr
Das Banken-Chamäleon
Zeugnis der Anfangstage
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Der 10. März 1870 ist der Gründungstag der Deutschen Bank. Standort war damals nicht Frankfurt, sondern Berlin. Gründer waren Privatbankier Adelbert Delbrück und der Politiker Ludwig Bamberger. Erster Vorstandssprecher ist Georg von Siemens. Im Gründungsstatut wird die Bedeutung des Auslandsgeschäfts unterstrichen: „Der Zweck der Gesellschaft ist der Betrieb von Bankgeschäften aller Art, insbesondere Förderung und Erleichterung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland, den übrigen Europäischen Ländern und überseeischen Märkten.“ Eine klare Ausrichtung des jungen Instituts.

(Foto: Deutsche Bank AG Historisches Institut)
Hauptsitz in Berlin
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So sah die Zentrale der Deutschen Bank in Berlin aus, hier auf einer späteren Aufnahme aus dem Jahr 1929. Ab 1880 finanzierte die Bank zunehmend Industrieprojekte. Der Ausbau des Filialnetzes hatte zunächst keine Priorität, die meisten Geschäfte wurden aus Berlin abgewickelt.

(Foto: Deutsche Bank AG Historisches Institut)
Frankfurt kommt erst später
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Weiteres Standbein ist von Beginn an das Einlagengeschäft. Bis 1873 eröffnet die Bank Filialen in Bremen, Hamburg, Yokohama, Schanghai und London. London ist schon damals die wichtigste Auslandsniederlassung. Die Filiale in Frankfurt am Main, heute der Hauptsitz, öffnet erst 1886. Im Bild die Niederlassung an der Frankfurter Kirchnerstraße anno 1914.

Filiale in der Fuggerstadt
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Die Filialen prägten natürlich auch nicht überall das Stadtbild, so wie in Berlin und später in Frankfurt. Diese Aufnahme zeigt die Straßen von Augsburg zur Jahrhundertwende – also 1900.

(Foto: Deutsche Bank AG Historisches Institut)
Geschäftssitze im Wandel der Zeit
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Gegen Ende des ersten Weltkriegs entstand dieses Foto von kaiserlichen Militärs vor der Niederlassung in Bremen. An der Filiale in der Hansestadt lässt sich der Wandel im Stadt- und Bankenbild gut illustrieren.

(Foto: Deutsche Bank AG Historisches Institut)
Bremen 50 Jahre später
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Das historische Gebäude am Domshof blieb der Handelsstadt Bremen erhalten. Das Umfeld hat sich komplett verändert – das gilt auch für Geschäftsfelder. Auf Wandel musste das Institut in seiner Geschichte immer wieder reagieren.

(Foto: Deutsche Bank AG Historisches Institut)
Neuausrichtung nach dem Ersten Weltkrieg
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Mit Ende des Erste Weltkriegs war auch das Auslandsvermögen des Instituts verloren. Die schwierige Wirtschaftslage nebst Inflation in der Weimarer Republik macht es der Deutschen Bank nicht einfach. Im Bild ein Kassenschalter aus dem Jahr 1920.

(Foto: Deutsche Bank AG Historisches Institut)

Frankfurt Die Deutsche Bank zieht sich aus dem Investmentbanking in Russland zurück. Damit sollten Komplexität, Kosten, Risiken und Kapitalaufwand reduziert werden, teilte die Bank am Freitag in Frankfurt mit. Die Kunden würden statt aus Moskau künftig aus internationalen Finanzzentren wie Frankfurt und London betreut. Die Schließung soll bis Ende des Jahres vollzogen werden. Damit fallen rund 200 der 1300 Stellen in Russland weg, wie ein Insider sagte.

Reuters hatte von den Plänen schon am Montag berichtet. Deutschlands größtes Geldhaus kämpft in Russland mit einer Geldwäsche-Affäre. Russische Kunden werden verdächtigt, über die Bank Schwarzgeld im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar gewaschen zu haben. Das US-Justizministerium, mehrere Aufsichtsbehörden und die Bank selbst ermitteln in dem Fall.

Reiche Kunden in Russland will das Institut weiterhin vor Ort betreuen, die Verwaltung der Konten soll aber ins Ausland verlagert werden. Mit dem Global Transaction Banking (GTB), zu dem der Zahlungsverkehr, Handelsfinanzierungen und andere Dienstleistungen zählen, wird die Deutsche Bank in Russland ebenfalls weiter vertreten bleiben.

Russland-Chef Jörg Bongartz war nach neun Jahren bereits aus Moskau abgezogen worden. Er soll sich künftig von Frankfurt aus um Kunden in Mittel- und Osteuropa kümmern. Die Aktien der Deutschen Bank notierten knapp zwei Prozent im Minus - etwas stärker als der Gesamtmarkt.

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    Der Geldwäsche-Skandal in Russland hat die Bank, die noch in zahlreiche andere Rechtstreitigkeiten verwickelt ist, weiter unter Druck gesetzt. Das US-Justizministerium und die für eine strikte Gangart bekannte New Yorker Finanzaufsicht DFS haben Informationen zu umstrittenen Kundengeschäften angefordert.

    Die Bank selbst geht in einer internen Ermittlung der Frage nach, ob Aktiengeschäfte in erheblichem Volumen zwischen Kunden der Deutschen Bank in Moskau und London Gesetze und eigene Kontrollverfahren verletzt haben. Außerdem leitete die Bank gegen Mitarbeiter vorort disziplinarische Maßnahmen ein.

    Das Institut ist seit Monaten im Umbruch und will sich unter dem neuen Vorstandschef John Cryan vor allem auf die Regionen Europa, USA und Asien konzentrieren. Insofern stehen Insidern zufolge neben Russland auch Aktivitäten in Südamerika und Afrika zur Disposition. Bereits beschlossen sei der Rückzug aus sechs weiteren Ländern: Finnland, Dänemark, Norwegen, Malta, Peru und Neuseeland.

    • rtr
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