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Nachfolgerin von Mario Draghi Was EZB-Chefin Christine Lagarde anders machen will

Ab diesem Freitag führt Christine Lagarde offiziell die Europäische Zentralbank. Künftig will sie vor allem eine Begabung intensiv nutzen.
31.10.2019 - 17:48 Uhr Kommentieren
Ihre Strategie ist nicht ohne Risiko. Quelle: AFP
Christine Lagarde

Ihre Strategie ist nicht ohne Risiko.

(Foto: AFP)

Frankfurt Als Mario Draghi am Montag seine letzte Rede als EZB-Präsident hält, bittet er seine Nachfolgerin Christine Lagarde auf die Bühne. Dann drückt er ihr eine große Glocke in die Hand. Mit ihr soll Lagarde für Ordnung sorgen, wenn sie die Sitzung des EZB-Rats leitet und es hoch hergeht unter den 25 Mitgliedern des Gremiums.

Lagarde wird die Glocke brauchen, sollte die Stimmung so aufgeheizt bleiben wie zuletzt. So drängte Draghi kurz vor Ende seiner Amtszeit die Notenbank Mitte September noch einmal zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik, und die Ratsmitglieder stritten darüber so heftig wie lange nicht mehr.

Obwohl Lagarde die Niedrigzinsphase zunächst fortführen will, hat sie bereits deutlich gemacht, dass mit ihr ein anderer Stil bei der EZB einkehren wird. Ein Vorgeschmack darauf gab Lagarde bereits diese Woche, als sie im Interview mit dem französischen Radiosender „RTL“ Deutschland und die Niederlande zu mehr Investitionen aufrief.

Bemerkenswert ist nicht die Forderung selbst, sondern das Medium. Notenbanker äußerten sich bisher kaum im Radio oder Fernsehen. Als Mario Draghi den Tagesthemen einmal ein Interview gab, war dies eine Ausnahme. Lagarde dagegen redete schon, bevor sie am heutigen Freitag offiziell ihr Amt antritt. „Ich betrachte es als eine meiner vordringlichen Aufgaben, den Euro sowie die Zentralbank und ihre Geldpolitik einer breiteren Öffentlichkeit nahezubringen“, sagte sie kürzlich dem „Spiegel“.

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    Lagarde hat keine Scheu, sich klar auszudrücken. Schon als Wirtschafts- und Finanzministerin Frankreichs setzte sie zwischen 2007 und 2011 darauf, politische Inhalte auf klare Formeln zu bringen.

    Draghi hatte sich in seinen Reden bewusst darauf konzentriert, die Finanzmärkte anzusprechen – Anleihehändler, Analysten und Ökonomen. Er hatte ihre Sprache gesprochen, denn sie sind der entscheidende Übertragungskanal, um mit der Geldpolitik die Unternehmen und die Realwirtschaft insgesamt zu beeinflussen.

    Ich suche immer nach der gemeinsamen Basis, um die verschiedenen Meinungen zusammenzubringen. Christine Lagarde (neue EZB-Chefin)

    Draghi zog eine klare Grenzlinie zur Politik, um die Unabhängigkeit der EZB zu gewährleisten. Vor Kurzem warnte er: „Sobald man das Publikum ändert, ändert sich auch die Sprache, und man betritt neues Terrain: das Terrain der Politik.“ Andererseits werden die Zweifel immer lauter, ob diese Strategie überhaupt noch durchzuhalten ist in Zeiten, in denen die Geldpolitik zum Politikum geworden ist – vor allem in Deutschland.

    Wie sehr sich Lagarde zum Ziel gesetzt hat, die Deutschen vom Kurs der EZB zu überzeugen, zeigt ein Detail: Sie will jetzt Deutsch lernen. Am kommenden Montag wird sie in Berlin eine Laudatio auf Wolfgang Schäuble halten. Als der noch Finanzminister war, hatte er Draghi vorgeworfen, seine Geldpolitik sei für den Erfolg der AfD mitverantwortlich.

    Schafft es Lagarde, die Zeit der Vorwürfe und Anschuldigungen zu beenden? Leute, die mit Lagarde zusammengearbeitet haben, sagen, dass sie auf andere Leute zugehen kann. Diese Fähigkeit haben Kritiker beim scheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi vermisst.

    Er traf wichtige Entscheidungen lieber im kleinen Kreis. Der Beschluss zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik im September trug dazu bei, den EZB-Rat tief zu spalten. Mehrere Ratsmitglieder kritisierten die Entscheidung öffentlich, darunter Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

    Lagarde will ihre Kritiker stärker einbinden. „Ich suche immer nach der gemeinsamen Basis“, sagte sie jüngst. Viele Ökonomen glauben, dass Mario Draghi mit dem Versprechen, alles zu tun, um den Euro zu retten („Whatever it takes“), die Währungsunion vor dem Kollaps bewahrt hat. Lagardes Aufgabe wird es sein, den Rat zu einen – ohne aber seine Handlungsfähigkeit zu gefährden.

    An der Intelligenz und Disziplin von Lagarde wird das kaum scheitern. Schon als Teenager schaffte sie es in die französische Nationalmannschaft für Synchronschwimmen, besuchte diverse Eliteschulen. Als erste Frau führte sie lange den Internationalen Währungsfonds, kam mit so unterschiedlichen Präsidenten wie Barack Obama oder Donald Trump zurecht.

    Mitarbeit: Thomas Jahn

    Mehr: EZB-Präsident Mario Draghi verabschiedet sich mit letzten Mahnungen. Nachfolgerin Christine Lagarde lobt den Vorgänger, Emmanuel Macron vergleicht Draghi gar mit Adenauer.

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