Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Nachruf Brasiliens reichster Mann ist tot: Joseph Safra war ein Bankier aus einer anderen Zeit

Joseph Safra war einer der mächtigsten und reichsten Banker weltweit. Von Brasilien aus hat der gebürtige Libanese sein Imperium aufgebaut und bis zuletzt gesteuert.
10.12.2020 - 23:11 Uhr Kommentieren
In Brasilien war Joseph Safra schon zu Lebzeiten eine Legende. Quelle: AP
Joseph Safra

In Brasilien war Joseph Safra schon zu Lebzeiten eine Legende.

(Foto: AP)

Sao Paulo Er war der letzte einer Generation von brasilianischen Bankiers, die über Jahrzehnte den Finanzsektor des Landes aufgebaut und kontrolliert haben. Nun ist Joseph Safra im Alter von 82 Jahren gestorben. Mit einem Besitz von 23,3 Milliarden Dollar war Safra der reichste Brasilianer und stand weltweit auf Platz 37 der Forbes-Liste der Milliardäre.

Safra besaß zwar eine gigantische Stadtvilla in São Paulos Reichenwohngebiet Morumbi mit 140 Zimmern, sechs Aufzügen und Hubschrauberlandeplatz. Doch er lebte bescheiden, war diskret, gab keine Interviews, zeigte sich nie mit Politikern oder auf den Partys der Elite Brasiliens. „Ich habe Angst, missverstanden zu werden“, sagte er.

Er spendete für jüdische Einrichtungen, sammelte Kunst und Bücher. Dem Israel Museum in Jerusalem stiftete er Albert Einsteins Originalmanuskript zur Relativitätstheorie. Tochter Esther leitet die von den Safras in São Paulo gegründete Privatschule Beit Jaacov. Auch die gleichnamige Synagoge haben die Safras finanziert.

In Brasilien war Joseph Safra schon zu Lebzeiten eine Legende. Tatsächlich stammte er wie aus einer anderen Zeit und Welt: Joseph Safra kam in Beirut als eines von acht Kindern zur Welt. Sein Vater Jacob hatte in Syriens Handelsstadt Aleppo 1920 die Jacob Safra Maison de Banque gegründet.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    1951 zog die Familie nach Brasilien. Mit zwei Brüdern gründete Joseph in den fünfziger Jahren in Brasilien den Banco Safra. Während sich Joseph und Moise vor allem um das Geschäft in Brasilien kümmerten, baute Edmond, der Älteste der Brüder, in Europa und den USA ein weltweites Bankenimperium auf.

    Auf ihn wurde die internationale Finanzcommunity als erste aufmerksam, als Edmond 1999 seine Republik Banken in Luxemburg und New York für zehn Milliarden Dollar an die HSBC verkaufte – was die britisch-asiatische Bank im Nachhinein bereut haben dürfte: 2016 musste sie 3,2 Milliarden Dollar abschreiben, unter anderem wegen illegaler Konten auf den übernommen Banken.

    Kauf der Privatbank Sarasin

    Ob Edmond Safra etwas von den Waffenhändlern, Geldwäschern und Terroristen wusste, welche über die Bank ihr Geld wuschen – das lässt sich nicht mehr feststellen. Er kam kurz nach dem Verkauf an HSBC bei einem Brand in seiner Villa in Monaco ums Leben. Diesen soll ein Leibwächter von ihm gelegt haben. Die genauen Umstände sind jedoch bis heute nicht bekannt.

    Nach dem Tod Edmonds nahm Joseph die Zügel in die Hand und brachte von Brasilien aus die weltweite Safra-Gruppe unter seine Kontrolle. Er einigte sich mit der Witwe Edmonds und zahlte 2006 seinen Bruder Moise aus.

    In der Schweiz kaufte er 2012 die Privatbank Sarasin, die heute als J. Safra Sarasin dort eine der größten Privatbanken ist. Doch der jahrelange Streit um die Cum-Ex-Geschäfte Sarasins in Deutschland belasten den Ruf der Bank bis heute. Vor vier Jahren gab die Schweizerische Bundesanwaltschaft bekannt, dass sie bei der Untersuchung im brasilianischen Korruptions- und Geldwäscherei-Skandal auch gegen die in Basel ansässige Privatbank ermittelte.

    Es ist deshalb zu vermuten, dass Safra mit der Schweizer Investition nicht wirklich zufrieden war: Es gab vermutlich nichts, was Joseph Safra mehr hasste, als wenn seine Bank in den Schlagzeilen stand.

    Mehr: Schweizer Bank Sarasin muss Schadensersatz an Clemens Tönnies zahlen

    Startseite
    0 Kommentare zu "Nachruf: Brasiliens reichster Mann ist tot: Joseph Safra war ein Bankier aus einer anderen Zeit"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%