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Negativer Kurseffekt Aktionäre sind bei Firmenübernahmen derzeit skeptisch

Wurde im ersten Halbjahr eine Übernahme angekündigt, sind die Kurse des Käufers im Schnitt gesunken. Das zeigt eine aktuelle Studie. Experten sehen dafür mehrere Gründe.
23.08.2020 - 08:27 Uhr Kommentieren
Die Aktie Medizintechniktochter von Siemens liegt seit der angekündigten Varian-Übernahme im Minus. Quelle: Reuters
MRT-Gerät von Siemens Healthineers

Die Aktie Medizintechniktochter von Siemens liegt seit der angekündigten Varian-Übernahme im Minus.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Die Mitteilung hatte es in sich. Die Siemens-Tochter Healthineers kündigte Anfang August eine Mega-Übernahme an, mit der in Zeiten der Coronakrise die wenigsten Investmentbanker gerechnet hatten: Die Medizintechniktochter von Siemens will den US-Krebstherapie-Spezialisten Varian für 16,4 Milliarden Dollar kaufen.

Allerdings stehen Investoren derartigen Übernahmen in diesen Tagen skeptisch gegenüber, wie eine Untersuchung des Beraters Boston Consulting Group (BCG) für die angekündigten Transaktionen mit deutscher Beteiligung im laufenden Jahr zeigt. „Wenn man sich die drei Tage vor und die drei Tage nach Ankündigung der Transaktionen anschaut, dann ergibt sich bei der Aktie des Käufers ein negativer Kurseffekt von minus 1,5 Prozent relativ zum Index“, sagt Jens Kengelbach, Partner von BCG. Im Falle von Siemens Healthineers gab die Aktie in diesem Zeitraum sogar um mehr als sechs Prozent nach.

Ein negativer Effekt auf Seiten des Käufers ist nach den Worten von Kengelbach nicht ungewöhnlich, wenn man sich die Jahre seit 1990 anschaut. Mit einer kurzen Ausnahme Mitte der 2010er-Jahre sei im Durchschnitt der Ankündigungseffekt zunächst negativ.

Für Kengelbach ist die Botschaft angesichts des Drucks auf die Kurse klar: „Transaktionen unter den börsennotierten Gesellschaften kreieren nicht zwangsläufig einen Mehrwert für die Aktionäre.“ Im Gegenteil, die Skepsis gegenüber neuen Deals ist schon vor Covid-19 seit 2018 stetig größer geworden, wie etwa die Übernahme von Cypress durch den deutschen Konkurrenten in der Halbleiterindustrie, Infineon Technologies, deutlich gemacht hat. Gründe für eine negative Kursreaktion seien die hohe Komplexität, Unsicherheit über die Zukunft und die erwarteten Probleme bei der Integration, meint Kengelbach.

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    Einen negativen Ankündigungseffekt gibt es aber nicht bei jedem Deal. Deutsche Wohnen habe beispielsweise bei der Übernahme von Isaria Wohnbau stark zulegen können, beobachtete BCG. Gleiches gilt für die Ankündigung des Pharma- und Laborzulieferers Sartorius, Teile des Life-Science-Geschäfts von Danaher zu erwerben.

    Ähnliche Situation wie in der Finanzkrise

    Kai Tschöke, Co-Chef Investmentbanking in Deutschland beim Bankhaus Rothschild, beobachtet im jetzigen Umfeld angesichts der Corona-Pandemie: „Das Management von Unternehmen wird nicht bestraft, wenn es keine Fusionen und Übernahmen plant.“ Die Situation sei ähnlich wie während der Finanzkrise im Jahr 2008 und 2009, als Kostenmaßnahmen und die Umstrukturierung von Konzernen im Mittelpunkt standen.

    Ein Unterschied zur Finanzkrise sieht Tschöke aber darin, dass es damals durch die niedrigeren Kurse Kaufgelegenheiten gegeben habe. „Für den Mutigen boten sich Chancen“, sagt der Rothschild-Banker. Heute müssten Übernehmer dagegen doppelt mutig sein. Die Ausblicke seien in vielen Branchen unsicher, die Kurse an der Börse stünden allerdings in der Nähe ihrer Rekordstände.

    Umso wichtiger ist es, dass die Entwicklungsperspektive des Investments klar erkennbar ist „Die Übernehmer müssen zwei, besser drei Jahre nach vorne blicken können, um Planungssicherheit zu erhalten. Das ist derzeit sehr schwierig“, sagt Tschöke. Gefragt sind deshalb Transaktionen, die wenig Risiken in sich bergen, wie das etwa für den Kauf eines Portfolios von Windkraftanlagen von Nordex durch das Energieunternehmen RWE gilt. Infrastruktur läuft nach der Beobachtung des Rothschild-Bankers „insgesamt sehr gut“ – mit Ausnahme von Flughäfen, die schwer von der Coronakrise getroffen werden. Gefragt seien auch Unternehmen aus dem Technologiebereich, der Wohnwirtschaft ohne Büroimmobilien und Firmen im Energiebereich.

    Ein Problem ist, dass die Preisvorstellungen von Käufer- und Verkäuferseite oftmals weit auseinanderliegen, stellt Joachim Ringer, Vorstandsmitglied bei Credit Suisse Deutschland, fest. Seine Hoffnung auf bessere Zeiten gründet er auf die Private-Equity-Fonds, die tendenziell größer würden. Das nicht investierte Kapital erhöhe den Anlagedruck. Finanzinvestoren suchten intensiv nach Gelegenheiten. „Aber es ist schwer, günstig bewerte Übernahmeziele zu identifizieren, gerade unter börsennotierten Gesellschaften“, sagt Ringer. Konzerne wie Healthineers greifen trotz allem zu, wenn sie von den Deals überzeugt sind.
    Mehr: Finanzinvestoren warten auf bessere Zeiten

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