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Neil Smith im Interview Der letzte Analyst, der die Deutsche-Bank-Aktie empfiehlt

Das Ansehen der Deutschen Bank bei Analysten befindet sich im Keller. Nur Neil Smith von der Lampe Bank rät zum Kauf. Im Interview erklärt er seine Empfehlung.
31.05.2019 - 15:33 Uhr Kommentieren
Von 32 bei Bloomberg aufgelisteten Analysten rät eine Mehrheit von 19 Profis zum Verkauf, weitere 12 sind neutral. Quelle: dpa
Deutsche Bank

Von 32 bei Bloomberg aufgelisteten Analysten rät eine Mehrheit von 19 Profis zum Verkauf, weitere 12 sind neutral.

(Foto: dpa)

Die Aktie der Deutschen Bank hat nicht viele Freunde. Von 32 bei Bloomberg aufgelisteten Analysten rät eine Mehrheit von 19 Profis zum Verkauf, weitere 12 sind neutral. Einzig und allein Neil Smith von der Lampe Bank hält an seiner Kaufempfehlung fest – und das schon seit dem Jahr 2014.

Weder Kapitalerhöhungen noch diverse Chefwechsel und die neuen Rekordtiefstände der Aktie haben daran etwas geändert. Das Handelsblatt hat ihn gefragt, warum er der Aktie nun schon so lange die Treue hält.

Herr Smith, ist Ihnen eigentlich bewusst, dass Sie laut Bloomberg mittlerweile der letzte Analyst sind, der die Aktie der Deutschen Bank zum Kauf empfiehlt?
Ja, das weiß ich. Das ist aber schon seit einer Weile so.

Lässt Sie das gelegentlich an Ihrem Anlageurteil zweifeln?
Nein, wieso? Das ist mein Standpunkt, andere haben eben einen anderen Standpunkt.

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    Was sehen Sie in der Aktie, was die anderen nicht sehen?
    Ich kann nur für mich und nicht für andere sprechen, aber in meinen Augen hat die Bank in den vergangenen Jahren enorm viel getan. Es ist richtig, dass noch immer viel zu tun ist, aber die Fortschritte werden meines Erachtens noch nicht vollständig berücksichtigt.

    Wo sehen Sie denn die großen Fortschritte?
    Zum einen hat die Bank viel Aufräumarbeiten bei den Rechtsrisiken geleistet und muss weniger neue Rückstellungen für Rechtsrisiken bilden als so einige andere europäische Banken. Zum anderen sind die bereinigten Kosten in den vergangenen drei Jahren um fünf Prozent gesunken. Außerdem ist die Kapitalausstattung im Vergleich zu anderen europäischen Banken mittlerweile überdurchschnittlich hoch.

    Die Kostensenkungen haben die Profitabilität allerdings nicht groß verbessert, denn die Erträge sind ebenfalls deutlich gesunken. Glauben Sie, die Bank erreicht in diesem Jahr ihr selbst gestecktes Renditeziel von vier Prozent auf das materielle Eigenkapital?
    Es ist richtig, Kostensenkungen alleine sind keine Lösung. Und die Erträge sind ein weit kniffligeres Thema als die Kosten. Das geht allerdings auch anderen Banken angesichts der niedrigeren Zinsen so. Die Bank betont allerdings auch selbst, dass es Faktoren gibt, die sie selbst in der Hand hat und andere, bei denen sie von der Marktentwicklung abhängig ist – so wie andere Banken auch. Wenn sich das Umfeld ungünstig entwickelt, trifft das alle Banken und das hat dann nichts mit schlechtem Management zu tun.

    Das klingt jetzt aber nicht sehr zuversichtlich mit Blick auf die Rentabilität der Bank.
    Ich bin zuversichtlich, dass sich die Erträge der Deutschen Bank schrittweise verbessern werden. Die Bank ändert die Zusammensetzung ihrer Erträge zugunsten von stabilen Ertragsquellen. In den vergangenen Jahren ist der Anteil der schwankungsanfälligen Einnahmen kontinuierlich gesunken. Im Geschäftsjahr 2018 hat sich die Ertragsentwicklung – wenn man das volatile Handelsgeschäft außen vor lässt – erstmals stabilisiert. Im ersten Quartal sind die Erträge ohne den Wertpapierhandel sogar um vier Prozent gestiegen. Das ist ein großer Schritt für die Deutsche Bank.

    Noch ist das Handelsgeschäft für die Bank aber sehr wichtig – und dort schrumpfen die Erträge nach wie vor erheblich.
    Dieses Jahr wird sicherlich noch einmal schwierig werden für das Wertpapierhandelsgeschäft der Bank. JP Morgan hat ja bereits angedeutet, dass das zweite Quartal schwierig verlaufen dürfte und das ist auch ein schlechtes Vorzeichen für das Handelsgeschäft der Deutschen Bank. Doch die Bank will bald weitere strategische Anpassungen ankündigen. Wenn man von einer Umsetzungsdauer von zwölf Monaten ausgeht, dann haben wir es 2019 noch einmal mit einem schwierigen Jahr zu tun, bei dem die Erträge im Wertpapierhandel noch einmal um 15 Prozent schrumpfen können, und dann könnte sich die Lage erholen.

    Sie raten seit 2014 zum Kauf der Aktie. In der Zeit gab es mehrere Strategie- und Vorstandswechsel, macht Sie das nicht grundsätzlich stutzig?
    Das lässt außer Acht, dass es Fortschritte gegeben hat. Ich würde sagen, dass die Erwartungen, wie schnell eine Wende erreicht werden kann, falsch waren. Es war schlicht unrealistisch zu glauben, dass die Probleme der Bank innerhalb von zwölf Monaten behoben werden können. Im Übrigen hat die Bank nie eine strategische 180-Grad-Wende vollzogen, sie hat ihre Strategie nur angepasst. Und Anpassungen werden auch durch neue Regulierungsvorschriften immer wieder nötig, gerade im Investmentbanking. Ändern sich die Regeln, lohnen nicht mehr alle Geschäfte, gerade im Investmentbanking. Das trifft alle Banken. Insofern ist es logisch, dass die Bank immer wieder etwas geändert hat, das Gegenteil wäre besorgniserregend. Sicher gab es auch Fehleinschätzungen, aber das kommt überall vor.

    Was muss eigentlich passieren, damit Sie Ihren Glauben an die Deutsche-Bank-Aktie verlieren?
    Mein Anlageurteil basiert nicht auf blindem Glauben, sondern auf rationale Analyse. Ich halte die Kostenpläne für realistisch und ich halte weitere strategische Anpassungen für vernünftig. Vielleicht wird die Bank ein wenig ihr US-Geschäft zurückfahren. Auch das wäre vernünftig. Man muss fair bleiben und zwischen den Faktoren unterscheiden, die das Management selbst beeinflussen kann und denen, die nicht beeinflussbar sind. Das Handelsgeschäft wird immer schwankungsanfällig bleiben.

    Mit was für strategischen Anpassungen rechnen sie eigentlich dieses Mal?
    Ich könnte mir vorstellen, dass die Bank ihr Kostenziel noch einmal verschärft und schon ein Jahr früher die Kostenbasis auf unter 21 Milliarden Euro senkt. Die Bank könnte außerdem Aktivitäten, die sie aufgibt, in eine Abwicklungseinheit verschieben. Das würde ihr die Möglichkeit geben zu zeigen, wie sich das Geschäft ohne die aufgegebenen Aktivitäten entwickelt. Außerdem sollte die Bank die Dividende in den nächsten Jahren auf niedrigem Niveau belassen. Deutsche-Bank-Aktien kauft niemand wegen der Dividende.

    Herr Smith, vielen Dank für für das Interview.

    Mehr: Die Deutsche Bank stellt sich auf den Abschied ihres Investmentbanking-Chefs Garth Ritchie ein. Die Spitze sieht sich nach alternativen Kandidaten um.

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