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Neue Aufsichtsräte Helaba-Chef Grüntker soll künftig die NordLB kontrollieren

Die Sparkassen wollen den Schrumpfkurs der NordLB sicherstellen – und schicken deshalb neben Grüntker einen Restrukturierungsexperten in den Aufsichtsrat.
14.01.2020 - 17:28 Uhr Kommentieren
Die Rettung der angeschlagenen Landesbank ist beschlossen, aber hinter den Kulissen gibt es weiter große Unstimmigkeiten. Quelle: dpa
NordLB-Zentrale in Hannover

Die Rettung der angeschlagenen Landesbank ist beschlossen, aber hinter den Kulissen gibt es weiter große Unstimmigkeiten.

(Foto: dpa)

Frankfurt Kurz vor Weihnachten hat die EU-Kommission grünes Licht für das Fortbestehen der Norddeutschen Landesbank (NordLB) gegeben. Doch unter den Rettern gibt es nach Handelsblatt-Informationen weiter Unstimmigkeiten.

Viele Sparkassen und Landesbanken sind der Ansicht, dass die NordLB eigentlich noch stärker schrumpfen sollte, und sie zweifeln an der dauerhaften Überlebensfähigkeit der Bank. Das Land Niedersachsen lehnt noch stärkere Einschnitte dagegen ab und hält den beschlossenen Rückbau für ausreichend.

Um ihrer Meinung Nachdruck zu verleihen, hat die Sparkassen-Finanzgruppe einen Restrukturierungsexperten in den NordLB-Aufsichtsrat entsandt: Matthias Wargers, bis Ende 2019 Chef der WestLB-Abwicklungsbank EAA, ist am 23. Dezember in das Kontrollgremium eingezogen, bestätigte ein NordLB-Sprecher.

In den kommenden Monaten solle zudem der scheidende Chef der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Herbert Hans Grüntker, in den Aufsichtsrat einziehen, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen dem Handelsblatt. Die Helaba, die NordLB und der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) äußerten sich dazu nicht.

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    Soll künftig sicherstellen, dass es keine bösen Überraschungen mehr aus Hannover gibt. Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt
    Herbert Hans Grüntker

    Soll künftig sicherstellen, dass es keine bösen Überraschungen mehr aus Hannover gibt.

    (Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt)
    Ist am 23. Dezember 2019 in den Aufsichtsrat der NordLB eingezogen. Quelle: dpa
    Matthias Wargers

    Ist am 23. Dezember 2019 in den Aufsichtsrat der NordLB eingezogen.

    (Foto: dpa)

    Grüntker hat bereits in den Verhandlungen über das 3,6 Milliarden Euro schwere Rettungspaket für die NordLB eine wichtige Rolle gespielt – und soll künftig sicherstellen, dass es keine bösen Überraschungen mehr aus Hannover gibt. Denn viele öffentlich-rechtliche Institute sehen die NordLB kritisch.

    Sie haben Zweifel, ob das Geschäftsmodell des Instituts funktioniert. Dass die Hannoveraner Landesbank wie anvisiert eine Kapitalrendite von acht Prozent erreicht, halten viele in der Sparkassen-Finanzgruppe für völlig unrealistisch, schließlich gelingt dies aktuell kaum einem Finanzinstitut in Deutschland.

    Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) sieht die Zukunft der Bank deutlich positiver. „Ich bin davon überzeugt, dass wir ein Konzept für eine wirtschaftlich starke und gesunde Bank entwickelt haben, sodass sich unser Investment auszahlen wird“, erklärte er im Dezember. Eine Sprecherin von Hilbers erklärte am Dienstag: „Alle Eigentümer haben sich auf einen Businessplan geeinigt, der jetzt umgesetzt wird.“

    Bis Ende 2024 soll sich die Bilanzsumme der NordLB von 147 Milliarden Euro auf 95 Milliarden Euro verringern, die Mitarbeiterzahl in etwa halbieren. Derzeit sind noch 5.450 Mitarbeiter beschäftigt, Ende 2024 sollen es rund 2.800 sein.

    Erfahrung bei der WestLB-Abwicklung

    Zur Rettung der NordLB steuerte die Sparkassen-Finanzgruppe 1,1 Milliarden Euro bei, weitere rund 200 Millionen Euro kamen vom Land Sachsen-Anhalt. Den größten Beitrag leistete mit 2,3 Milliarden Euro das Land Niedersachsen. Die NordLB war durch erhebliche Wertberichtigungen auf Schiffskredite bereits 2018 in Schieflage geraten.

    Einige Sparkassen haben der Rettung der NordLB nur zugestimmt, weil andernfalls das gemeinsame Haftungssystem von Sparkassen und Landesbanken in Gefahr gewesen wäre. Doch viele haben die Sorge, dass die NordLB früher oder später wieder Probleme bekommen könnte. Den Rückbau der Bank sollen Grüntker und Wargers deshalb künftig im Aufsichtsrat eng begleiten.

    Grüntker hört bei der Helaba Ende Mai auf und übergibt den Chefposten an Vizechef Thomas Groß. Dann erst könnte Grüntker, der seit 2015 an der Helaba-Spitze steht, Aufsichtsrat der NordLB werden. Der 64-Jährige gilt als bestens vernetzt in der Sparkassen-Organisation. Grüntker arbeitet bereits seit 1993 für die Helaba, zwischenzeitlich war er Vorstandschef ihrer Tochter, der Frankfurter Sparkasse.

    Wargers gehörte zehn Jahre lang dem Vorstand der EAA (Erste Abwicklungsanstalt) an, die für die Abwicklung von Krediten und komplexen Wertpapieren der Düsseldorfer WestLB zuständig ist. Die einst größte deutsche Landesbank hatte sich im Zuge der Finanzkrise verspekuliert und wurde Mitte 2012 zerschlagen.

    Sparkassenfunktionär verlässt wutschnaubend die Sitzung

    Doch nicht nur zwischen dem Land Niedersachsen und vielen Sparkassen gibt es einen Dissens, die Rettung der Hannoveraner Landesbank hat auch erneut die Zerrissenheit innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe gezeigt. Im November 2019 hat es nach Informationen des Handelsblatts einen heftigen Streit über die Lastenverteilung bei der NordLB-Stützung gegeben, der bis heute nachwirkt und künftige Rettungsaktionen erschweren dürfte.

    Der Hintergrund: Im Januar 2019 verständigten sich die Sparkassen grundsätzlich darauf, dass diejenigen Institute etwas mehr zur Stützung des Instituts beisteuern sollten, die überdurchschnittlich viel Geld in NordLB-Anleihen investiert haben. Denn sie profitierten besonders von der Rettung der Bank, weil dadurch die Gefahr gebannt wurde, dass NordLB-Anleihen ausfallen.

    Verbindlich festgeschrieben wurde das Ganze damals jedoch nicht. Und als es dann im November bei einer Sitzung hochrangiger Sparkassenvertreter zum Schwur kam, legten sich die stark in NordLB-Anleihen investierten Verbände aus Ostdeutschland und Bayern quer. Sie lehnten einen höheren Rettungsbeitrag ab – und brachten damit andere Regionalverbände gegen sich auf.

    Mindestens ein Sparkassenfunktionär verließ wutschnaubend den Sitzungsaal, wie Insider berichten. Da Einstimmigkeit nötig war und das Rettungspaket dringend auf den Weg gebracht werden musste, beschlossen die Sparkassen am Ende Hilfen ohne Berücksichtigung des Anleiheengagements.

    Die ostdeutschen Sparkassen haben Finanzkreisen zufolge intern argumentiert, dass sie nun mal viel überschüssige Liquidität hätten – und es gut sei, diese Landesbanken zur Verfügung zu stellen und nicht privaten Banken oder Unternehmen. Außerdem könne man nicht im Nachhinein die Regeln ändern. Der Ostdeutsche Sparkassenverband und der Sparkassenverband Bayern äußerten sich dazu nicht.

    Als Konsequenz aus dem Vorfall wollen sich einige Sparkassen nun Gedanken über neue Regeln machen, die festlegen, wie Engagements bei Landesbanken bei künftigen Rettungsaktionen berücksichtigt werden. Denn sonst haben die Sparkassen tendenziell einen Anreiz, in die Anleihen der Landesbank mit dem riskantesten Geschäftsmodell zu investieren, weil diese meist auch die höchsten Anleihezinsen bieten.

    Mehr: In der vergangenen Woche haben Hacker erneut eine Attacke auf deutsche Institute gestartet. Die Attacke auf die Sparkassengruppe zeigt, wie groß die Gefahr für deutsche Banken ist.

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