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Neue Strategie Brisanter Beraterwechsel: Commerzbank-Aufsichtsrat lässt sich von BCG helfen

Zuerst hat die Boston Consulting Group die Commerzbank für die Bundesregierung durchleuchtet. Nun arbeiten die Berater für den Coba-Aufsichtsrat. Das kommt bei vielen nicht gut an.
09.12.2020 - 19:19 Uhr Kommentieren
Zahlreiche Mitarbeiter und Manager finden, dass sich viele Vorschläge von BCG auf dem Papier vielleicht gut anhören, sich aber nicht umsetzen lassen. Quelle: Bloomberg
Commerzbank

Zahlreiche Mitarbeiter und Manager finden, dass sich viele Vorschläge von BCG auf dem Papier vielleicht gut anhören, sich aber nicht umsetzen lassen.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Der Aufsichtsrat der Commerzbank mischt sich intensiv in die Debatte über eine neue Strategie ein – und greift dabei auf die Unterstützung der Boston Consulting Group (BCG) zurück. Das geht aus einem Schreiben von BCG an den Commerzbank-Aufsichtsrat vor, das dem Handelsblatt und anderen Medien vorliegt.

In dem als vertraulich eingestuften Brief kritisiert BCG die geplante Strategie vom scheidenden Firmenkundenvorstand Roland Boekhout für dessen Ressort scharf. Die Pläne seien nicht geeignet, um Kritikpunkte auszuräumen, schreibt BCG. Die Bank müsse deshalb ein „zusammenhängendes Alternativmodell“ entwickeln.

Statt auf Wachstum im Ausland müsse sich das Institut auf eine „Marktanteilssteigerung im Kerngeschäft“ konzentrieren, heißt es in dem Schreiben, über das zuerst die „Wirtschaftswoche“ berichtet hatte. Zudem müssten nicht zum Markenkern zählende Geschäftsaktivitäten „in Markets oder bei Non-Bank-Financial Institutions“ kritisch hinterfragt werden.

Da viele Aufsichtsräte die Einschätzung von BCG teilen, hat Boekhout kürzlich angekündigt, Deutschlands zweitgrößte Privatbank nach nur einem Jahr schon wieder zu verlassen. Grund seien unterschiedliche Vorstellungen über die künftige strategische Ausrichtung des Firmenkundengeschäfts, erklärte Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter.

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    Unabhängig von der Personalie Boekhout finden es in der Commerzbank viele unglücklich, dass sich der Aufsichtsrat bei der neuen Strategie ausgerechnet von BCG beraten lässt. Denn Boston Consulting hatte das Institut zuvor bereits im Auftrag der Finanzagentur durchleuchtet. Diese verwaltet die Beteiligung der Bundesregierung, die nach der staatlichen Rettung der Bank in der Finanzkrise gut 15 Prozent an dem Geldhaus hält.

    „Dann fährt die Bank vor die Wand“

    Das vom Staat in Auftrag gegebene Gutachten halten die Finanzagentur und das Bundesfinanzministerium unter Verschluss. Der Commerzbank sind daraus jedoch einige Auszüge bekannt. In einer Präsentation für eine Aufsichtsratssitzung im Juli 2020, die dem Handelsblatt vorliegt, sind die Eckpunkte von zwei BCG-Zukunftsszenarien für die Commerzbank aufgeführt.

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    Im radikalsten Szenario, das in der Präsentation „Digital private bank with Mittelstandsbank“ genannt wird, schlägt BCG den Abbau von 14.000 bis 17.000 Arbeitsplätzen vor. Dadurch lasse sich eine Eigenkapitalrendite (RoTE) von acht Prozent und ein Verhältnis von Kosten zu Einnahmen (Cost-Income-Ratio) von 55 bis 59 Prozent erzielen. Die Implementierungsrisken bei dieser Strategie stuft die Commerzbank allerdings als „hoch“ ein.

    In einem zweiten BCG-Szenario, das den Titel „radical cost reduction“ trägt, ist von einem Abbau von 10.000 bis 12.000 Stellen, einer Eigenkapitalrendite von sieben bis acht Prozent und einer Cost-Income-Ratio von 52 bis 55 Prozent die Rede. Die Implementierungsrisiken hierbei seien „mittel“.

    Zahlreiche Commerzbank-Mitarbeiter und Manager finden, dass sich viele Vorschläge von BCG auf dem Papier vielleicht gut anhören, sich aber nicht realisieren lassen. „Wenn man eins zu eins umsetzt, was BCG vorschlägt, dann fährt die Bank vor die Wand“, warnt ein Commerzbank-Insider. Viele von BCG vorgeschlagene Maßnahmen würden „enormen Kollateralschaden verursachen und wären schlicht verantwortungslos“ – gerade mit Blick auf die Betreuung von Unternehmen.

    Die Commerzbank wollte zu dem Thema keine Stellungnahme abgeben. Ein BCG-Sprecher erklärte, man äußere sich grundsätzlich nicht zu potenziellen oder bestehenden Kundenbeziehungen.

    Institut warnt vor hohe Umsetzungsrisiken

    In der Präsentation für die Aufsichtsratssitzung im Juli sind neben den BCG-Szenarien auch Vorschläge des Beratungsunternehmens Bain und des Finanzinvestors Cerberus aufgeführt. Letztere entsprechen nach Informationen des Handelsblatts allerdings nicht den tatsächlichen Forderungen von Cerberus.

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    Das Commerzbank-Management hat bei der Aufsichtsratssitzung im Sommer eine Strategie vorgestellt, die den Abbau von rund 10.000 Stellen vorsah. Dabei peilte das Frankfurter Geldhaus laut der Präsentation eine Eigenkapitalrendite von rund sieben Prozent und eine Cost-Income-Ratio von 55 Prozent an. Die Implementierungsrisiken dieser Strategie bezifferte die Bank selbst allerdings als „hoch“.

    Dass diese Pläne so vermutlich niemals umgesetzt werden, war jedoch bereits im Sommer absehbar, schließlich wollte das Institut zunächst auf die Berufung eines neuen Vorstandschefs warten. Dieses Amt soll Anfang nächsten Jahres nun Manfred Knof übernehmen, der aktuell noch bei der Deutschen Bank unter Vertrag steht.

    Knof und auch Aufsichtsratschef Vetter haben in mehreren Gesprächen bereits deutlich gemacht, dass sie die Umbaupläne des alten Top-Managements noch einmal kräftig überarbeiten wollen.

    Einige Aufsichtsräte erwarten, dass Knof die Strategiepläne des alten Vorstands noch einmal verschärfen wird. Besonders in der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt könnte es härtere Einschnitte geben als bisher geplant.

    Mehr: Große Sorgen wegen Kreditausfällen: EZB schreibt Brandbrief an Großbanken.

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