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Neue Strategie So baut Vorstandschef Zielke die Commerzbank um

Einer Million Privatkunden droht die Kündigung. Zudem kassiert der Vorstand sein Ertragsziel für 2019. Die sechs wichtigsten Punkte zum Umbau der Commerzbank.
26.09.2019 - 21:39 Uhr 1 Kommentar
Commerzbank: So baut Chef Martin Zielke die Bank um Quelle: Reuters
Martin Zielke

Im Privatkundengeschäft setzt die Commerzbank auf den Ausbau des Mobile Bankings.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Es ist geschafft. Nach zweitätigen Beratungen mit dem Aufsichtsrat hat der Commerzbank-Vorstand am Donnerstagabend den nächsten Großumbau von Deutschlands zweitgrößter Privatbank beschlossen.

„Mit Commerzbank 5.0 machen wir die Bank wetterfest“, sagte Vorstandschef Martin Zielke. „Wir stellen sie so auf, dass sie auch in einem schwierigen Marktumfeld mit ihren Kunden erfolgreich ist.“ Die Bank senke ihre Kosten deutlich und investiere gleichzeitig kräftig in den Vertrieb und eine schnellere Digitalisierung.

Insgesamt sollen 4300 Stellen und 200 Filialen wegfallen. Zudem soll die Online-Tochter Comdirect in den Konzern integriert und die polnische Tochter M-Bank verkauft werden. Durch den Verkauf reduziere die Commerzbank die Risikoposition in der eigenen Bilanz und setzte Kapital frei, erklärte Finanzvorstand Stephan Engels. „Damit können wir unsere Strategie schneller umsetzen.“

Die Eckpunkte der Strategie hatte die Commerzbank nach einem Handelsblatt-Bericht über den geplanten Verkauf der M-Bank bereits am vergangenen Freitag veröffentlichen müssen. Nun gab das Institut zusätzlich noch viele Details des Umbaus preis.

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    Die sechs wichtigsten Punkte im Überblick:

    1. Umdenken im Privatkundengeschäft

    Die Commerzbank drosselt ihr Tempo bei der Gewinnung neuer Privatkunden und legt dafür einen stärkeren Fokus darauf, mit der bestehenden Kundschaft mehr Geld zu verdienen. Im Rahmen der letzten Strategie hatte sich das Institut das Ziel gesetzt, zwei Millionen neue Privatkunden zu gewinnen. Im Rahmen von „Commerzbank 5.0“ peilt es nun bis Ende 2023 netto nur noch eine Million Neukunden an. Ausgangspunkt sind dabei 11,1 Millionen aktive Kunden. Von rund einer Million inaktiven Kunden will sich die Bank trennen.

    Um bei den bestehenden Kunden „zusätzliche Ertragspotenziale“ zu erschließen, führt die Bank „eine neue Preisstrategie ein und gibt den Kunden dadurch beim Leistungs- und Preisangebot mehr Wahlmöglichkeiten“, erklärte die Commerzbank. „Konkret wird das Basisangebot durch ein modulares Angebot ergänzt.“ Bei kostenlosen Basisprodukten werde künftig auch Inaktivität bepreist.

    Übersetzt heißt das wohl: Das Girokonto bleibt kostenlos, wenn es sich beispielsweise um das Gehaltskonto handelt und es regelmäßig Geldflüsse gibt. Kunden, auf deren Konten kaum Bewegung ist, werden dagegen vor die Tür gesetzt oder zur Kasse gebeten. Darüber hinaus könnte es sein, dass bestimmte Dienstleistungen, etwa Abhebungen im Ausland oder händisch eingereichte Überweisungen in der Filiale, künftig anders bepreist werden.

    2. Mehr Digitalisierung, weniger Filialen

    Im Privatkundengeschäft setzt die Commerzbank auf den Ausbau des Mobile Bankings. Schon heute entfielen 1,2 Millionen der täglich insgesamt 1,7 Millionen Kundenkontakte auf die Kanäle mobil und online, erklärte die Bank. Das Institut will künftig die Daten seiner Kunden noch intensiver analysieren und ihnen dann – auch mit Hilfe von Algorithmen – individuell zugeschnittene Angebote unterbreiten.

    Das Filialnetz wird im Gegenzug um rund 200 auf 800 Geschäftsstellen eingedampft. Damit legen Zielke und sein Privatkundenvorstand Michael Mandel eine Kehrtwende hin. Beide hatten das Netz aus 1000 Filialen bisher stets verteidigt.

    Grafik

    3. Comdirect bleibt nur als Produktname

    Beschleunigt werden soll die Digitalisierung auch durch die Integration von Comdirect, an der die Commerzbank bisher 82 Prozent hält. Der MDax-Konzern will den übrigen Comdirect-Eignern 11,44 Euro je Aktie bieten. Das entspricht einer Prämie von 25 Prozent auf den Kurs von Comdirect, bevor die geplante Komplettübernahme verkündet wurde.

    Eine Nachbesserung der Offerte werde es nicht geben, erklärte die Commerzbank. „Das ist und bleibt das einzige Angebot.“ Ziel der Frankfurter ist es, über die Schwelle von 90 Prozent zu kommen. Dann könnten sie die übrigen Aktionäre im Rahmen eines Squeeze-outs aus dem Unternehmen drängen. Die Angebotsunterlagen sollen im Oktober veröffentlich werden. Bis Jahresende soll das ganze abgeschlossen sein.

    Für Comdirect-Kunden soll das bisherige Angebot erhalten bleiben. Zudem können sie künftig die Filialen der Commerzbank nutzen. Commerzbank-Kunden erhalten im Gegenzug Zugang zum Angebot von Comdirect im Wertpapierhandel. Nur in diesem Bereich soll auch die Produktmarke Comdirect weitergeführt werden.

    4. Expansion im Firmenkundengeschäft

    Im Rahmen der letzten Strategie wurde besonders das Firmenkundengeschäft umgebaut und zusammengestutzt. Nun soll die Sparte wieder dosiert expandieren und stellt deshalb allein in Deutschland mehr als 150 neue Vertriebskräfte ein. „Auch in ausgewählten europäischen Märkten soll der Vertrieb gezielt ausgebaut werden“, erklärte das Institut.

    Die Firmenkundensparte war einst die Ertragsperle der Commerzbank. In den vergangenen Jahren hat sich das Segment wegen des harten Wettbewerbs und des Margenverfalls jedoch zum Sorgenkind des Konzerns entwickelt. Im vergangenen Jahr fiel der Vorsteuergewinn um 23 Prozent auf 614 Millionen Euro.

    Der zuständige Vorstand Michael Reuther nimmt Ende des Jahres seinen Hut. Nachfolger wird der bisherige ING-Manager Roland Boekhout. Er soll die Sparte effizienter machen, neue Kunden gewinnen und zudem „das Potenzial bestehender Kundenverbindungen besser ausschöpfen“.

    5. Mini-Gewinn geplant, Ertragsziel kassiert

    In der Vergangenheit hat die Commerzbank ihre Gewinnziele regelmäßig verfehlt. Ex-Chef Martin Blessing erreichte die angepeilte Eigenkapitalrendite von zehn Prozent nicht. Und auch sein Nachfolger Zielke musste Anfang des Jahres einräumen, dass das für 2020 ausgegebene Ziele einer Eigenkapitalrendite von mehr als sechs Prozent nicht zu schaffen ist.

    Dieses Mal legt die Commerzbank die Latte deshalb noch tiefer – und peilt für 2023 lediglich eine Eigenkapitalrendite von mehr als vier Prozent an. Viele Analysten finden das enttäuschend. Aber die Commerzbank will offenbar nicht erneut zu viel versprechen. „In einem Marktumfeld, das sich absehbar weiter verschärfen wird, setzen wir uns realistische Renditeziele“, sagt Finanzchef Engels.

    Und weil er gerade schon dabei war, kassierte Engels auch noch das bisherige Ziel, die bereinigten Erträge im laufenden Jahr zu steigern. Als Grund nannte Engels die weitere Verschärfung des Marktumfelds im Jahresverlauf – vor allem durch die EZB-Zinspolitik und die Konjunkturabkühlung in Deutschland. Das mache sich insbesondere beim Firmenkundengeschäft bemerkbar.

    6. Der Vorstand wird weiblicher

    Die neue Strategie geht die Commerzbank mit einer neuen personellen Aufstellung an. Bettina Orlopp, die im Vorstand bisher für Recht, Compliance und Personal zuständig ist, tritt die Nachfolger von Finanzchef Engels an, der zur dänischen Danske Bank wechselt. Orlopps Position als Arbeitsdirektorin übernimmt Sabine Schmittroth. Über beide Personalien hatte das Handelsblatt vorab berichtet.

    Orlopp soll Engels spätestens Ende März als Finanzchef ablösen. Damit übernimmt die 49-jährige auch die Zuständigkeiten für die Ressorts Steuer, Investor Relations und Treasury. Schmittroth, bisher als Bereichsvorständin für private Kunden zuständig, ist ab Januar für die Ressorts Personal sowie Prozesse und Datenmanagement zuständig. Spätestens Ende März kommt dann auch Compliance dazu. Um das Ressort Recht kümmert sich künftig Vorstandschef Zielke.

    Orlopp war im November 2017 als erste Frau überhaupt in den Vorstand des fast 150 Jahre alten Geldhauses eingezogen. Wenn Schmittroth nun wie geplant aufrückt, sind künftig zwei von sieben Vorstandsposten mit Frauen besetzt.

    Mehr: Vorstandschef Martin Zielke erklärt in einem Schreiben an die Mitarbeiter die Kürzungen – aber auch, wie er die Bank wetterfest und digitaler machen.

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