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Personalien Umbau bei der Commerzbank: Firmenkundenchef Boekhout geht

Der Niederländer geht nach einem Streit mit dem Aufsichtsrat um Hans-Jörg Vetter. Der Chefkontrolleur will genauso wie der neue Vorstandschef hart durchgreifen.
27.11.2020 Update: 27.11.2020 - 17:12 Uhr Kommentieren
Ursprünglich wollte Deutschlands zweitgrößte Privatbank ihre neue Ausrichtung bereits im Sommer 2020 beschließen. Quelle: dpa
Commerzbank-Schriftzug an einer Filiale in Frankfurt

Ursprünglich wollte Deutschlands zweitgrößte Privatbank ihre neue Ausrichtung bereits im Sommer 2020 beschließen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Noch vor gut einem Jahr ist die Commerzbank für die Verpflichtung von Roland Boekhout gefeiert worden. Der langjährige Chef der Direktbank ING Deutschland genießt in der Branche einen exzellenten Ruf und gilt als Vorreiter beim Thema Digitalisierung. Doch nun wirft der Niederländer als Firmenkundenchef der Gelben bereits nach elf Monaten wieder hin.

Boekhouts Abgang ist ein Zeichen dafür, dass bei der Commerzbank unter dem erst vor vier Monaten gekürten Chefkontrolleur Hans-Jörg Vetter hart durchgegriffen wird – und dass sich der Aufsichtsrat stärker einmischt, als dies in der Vergangenheit üblich war. Denn ausschlaggebend für die Trennung von Boekhout war ein Streit mit dem Kontrollgremium über die Strategie der Firmenkundensparte.

Der neue starke Mann in der Commerzbank heißt im Moment Vetter. Gemeinsam mit dem neuen Vorstandschef Manfred Knof muss er nicht nur die neue Strategie auf den Weg bringen, sondern nach der Massenflucht aus dem Top-Management auch wieder für mehr Ruhe sorgen. Viel Zeit bleibt den beiden nicht, denn die Investoren sind nach den Chaoswochen bei der Commerzbank sichtlich verstört. Klar ist: Auf die zweitgrößte deutsche Privatbank werden noch härtere Einschnitte zukommen, denn Knof und Vetter werden die Umbaupläne des alten Top-Managements noch einmal kräftig überarbeiten.

Boekhout wird dabei keine Rolle mehr spielen. Vetter verkündete am Freitag nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung, dass der 57-Jährige das Geldhaus „aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen“ zum Jahresende verlassen wird. Von seinem noch bis Ende 2024 laufenden Vertrag bekommt der Manager nach Informationen des Handelsblatts noch zwei weitere Jahre ausbezahlt – sofern er in dieser Zeit keinen anderen Job antritt.

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    Sein Nachfolger bei der Commerzbank wird Michael Kotzbauer – ein bodenständiger Mittelstandsexperte, der bereits seit über 30 Jahren für die Commerzbank arbeitet.

    Der Mittelstandsexperte ist seit 30 Jahren ein Commerzbanker. Quelle: Commerzbank
    Michael Kotzbauer

    Der Mittelstandsexperte ist seit 30 Jahren ein Commerzbanker.

    (Foto: Commerzbank)

    Finanzkreisen zufolge wollte Boukhout das Auslandsnetz weniger stark eindampfen, als viele Kontrolleure es für nötig halten. Darüber hinaus wollte der Niederländer bei der Betreuung kleiner Firmen stärker auf Callcenter und digitale Kanäle setzen als große Teile des Aufsichtsrats, die eine persönliche Beratung auch für diese Kundengruppe weiter als wichtig erachten.

    Boekhout ist ein charismatischer Manager, der mit seinem frischen Blick von außen und seiner lockeren Art bei vielen Mitarbeitern beliebt war. Im Aufsichtsrat und auch innerhalb der Bank monieren jedoch viele, der Niederländer sei nie wirklich angekommen, habe im Firmenkundengeschäft wenig Akzente gesetzt und dann schnippisch auf Kritik an seinen Umbauplänen reagiert.

    Grafik

    Bei Chefkontrolleur Vetter kam das nicht gut an. Der 68-Jährige hat als Vorstandsvorsitzender einst die Bankgesellschaft Berlin und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mit harter Hand restrukturiert. Nun hinterfragt er bei der Commerzbank die Planungen des Managements kritisch und scheut dabei keine Auseinandersetzungen. „Die Diskussionen sind viel detaillierter und tiefergehend als in der Vergangenheit“, berichtet ein Beteiligter.

    Härtere Einschnitte erwartetet

    Vetter ist aktuell die entscheidende Instanz bei der Commerzbank – auch weil der neue Vorstandschef Manfred Knof erst im Januar anfängt. Beide eint aber offenbar die Diagnose, dass es beim Frankfurter Institut „fünf nach zwölf“ ist und dass nun schnell und entschlossen durchgegriffen werden muss. Es sei zu lange zu viel geredet und zu wenig gehandelt worden.

    Der neue Commerzbank-Chef ist bekannt für seine direkte Art. Als charismatischer Redner fällt er dagegen nicht auf. Quelle: mario-andreya/Deutsche Bank
    Manfred Knof

    Der neue Commerzbank-Chef ist bekannt für seine direkte Art. Als charismatischer Redner fällt er dagegen nicht auf.

    (Foto: mario-andreya/Deutsche Bank)

    Knof steht aktuell noch bei der Deutschen Bank unter Vertrag. Der 55-Jährige darf sich zwar in Commerzbank-Themen einarbeiten, aber noch nicht operativ eingreifen. Einige Aufsichtsräte erwarten, dass Knof die Strategiepläne des alten Vorstands, die den Abbau von rund 10.000 Stellen vorsehen, noch einmal verschärfen wird.

    Davon betroffen sein könnte gerade die Zentrale in Frankfurt, wo bisher mit einem Abbau von rund 20 Prozent der Arbeitsplätze geplant wurde. Bei der Deutschen Bank hat Knof in seinem Bereich jedoch etwa 50 Prozent der Verwaltungsstellen gestrichen. In diese Richtung könnte es bei der Commerzbank auch gehen.

    Vertraute Knofs berichten aber, dass der neue Chef seine Prioritäten nicht nur bei einer Restrukturierung, einem schnelleren Personalabbau und einer verbesserten Kapitaleffizienz sieht. Er wolle auch viel deutlicher machen, wofür die Commerzbank stehe: für den deutschen Mittelstand, für digitale Massenmarktfähigkeit und ein leistungsstarkes Vermögensmanagement.

    Im Auslandsgeschäft will Knof, dass sich die Commerzbank auf die Produkte und Standorte konzentriert, die für den deutschen Mittelstand wichtig sind und mit denen das Geldhaus auch auskömmliche Gewinnmargen erzielen kann, zitieren ihn Gesprächspartner übereinstimmend. Im Konditionen-Wettbewerb im Geschäft mit Großkonzernen und lokalen Auslandskunden mitzumischen, ergibt aus seiner Sicht dagegen keinen Sinn.

    Hitzige Debatte über Filialen

    Auch im Privatkundengeschäft soll es deutliche Veränderungen geben. Über deren Details wird hinter den Kulissen allerdings noch hitzig debattiert. Die Strategie des alten Vorstands sah vor, dass die Bank statt 1000 künftig nur noch 200 Filialen betreibt sowie 300 bis 400 sogenannte Service-Points, in denen nur wenige Mitarbeiter arbeiten.

    Im Aufsichtsrat und innerhalb der Bank plädieren nun jedoch viele für einen anderen Mix – mit mehr Filialen und deutlich weniger Service-Points. Manche machen sich sogar dafür stark, auf die Service-Points ganz zu verzichten – und dafür an mehr als 400 Filialen festzuhalten.

    Die Commerzbank hat angekündigt, ihre neue Strategie im ersten Quartal 2021 vorzulegen. Insider rechnen mit der Entscheidung auf einer für den 10. Februar angesetzten Aufsichtsratssitzung.

    Dass die Zeit drängt, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Im laufenden Jahr erwartet die Commerzbank wegen Umbaukosten sowie Belastungen durch die Coronakrise und die Wirecard-Pleite erstmals seit 2012 wieder rote Zahlen. Analysten gehen 2020 im Schnitt von einem Verlust von 323 Millionen Euro aus und im kommenden Jahr von einem Minus von 111 Millionen Euro.

    Viele Mitarbeiter sind wegen der unklaren Strategie und der Wechselspiele an der Spitze verunsichert. Im Juli hatten zunächst Chefkontrolleur Stefan Schmittmann und Vorstandschef Martin Zielke ihren Rücktritt angekündigt. Im September warf dann Privatkundenchef Michael Mandel hin. Darüber hinaus kehrten die Chefin der inzwischen geschluckten Onlinetochter Comdirect, Frauke Hegemann, und mehrere Bereichsvorstände dem Institut den Rücken.

    „Grenzwertig und chaotisch“

    Investoren sind über das seit Monaten andauernde Stühlerücken verärgert. An der Spitze der Commerzbank habe es zweifellos Veränderungsbedarf gegeben, sagt ein Großaktionär. „Aber die Bank hätte dann schnell ein neues Vorstandsteam benennen müssen, dass den Umbau vorantreiben und an Bord bleiben will. Dass das Institut jetzt scheibchenweise den alten Vorstand verliert, ist grenzwertig und wirkt chaotisch.“
    Bankanalyst Andreas Thomae von Deka Investment hatte bereits Anfang des Monats gefordert, dass bei der Commerzbank wieder Ruhe einkehren muss. „Ich fände es gut, wenn die verbliebenen Vorstandsmitglieder an Bord bleiben – auch Roland Boekhout“, sagte der Deka-Manager. Erhört wurde sein Wunsch nicht.

    „Ich bin aber Schwabe und uns wird nachgesagt, hart zu arbeiten und sparsam zu sein“, sagt der ehemalige LBBW-Chef. Quelle: dpa
    Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter

    „Ich bin aber Schwabe und uns wird nachgesagt, hart zu arbeiten und sparsam zu sein“, sagt der ehemalige LBBW-Chef.

    (Foto: dpa)

    Aus Sicht von Investoren baut Vetter durch den Abgang von Boekhout seine ohnehin starke Position bei der Commerzbank weiter aus. Der Chefkontrolleur hat nicht nur den neuen Vorstandschef Knof ausgewählt, sondern er bekommt mit dem ehemaligen HSBC-Trinkhaus-Chef Andreas Schmitz demnächst auch einen langjährigen Weggefährten an seine Seite gestellt.

    Mitte September hatte Vetter in einem Interview im Intranet der Bank gefordert, das Institut müsse althergebrachte Strukturen aufbrechen und deutlich schrumpfen. „Wie das genau geschieht, muss der Vorstand entscheiden“, sagte Vetter. Der Aufsichtsrat sei nur ein Kontrollorgan. „Ich bin aber Schwabe und uns wird nachgesagt, hart zu arbeiten und sparsam zu sein. In meiner Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender werde ich alles tun, um dieses Klischee zu bedienen.“

    Knof will unabhängige Commerzbank

    Parallel zum Umbau der Commerzbank steht die Frage im Raum, ob das Institut früher oder später von einem anderen Geldhaus übernommen wird. Europaweit wird seit Monaten vor und hinter den Kulissen über mögliche Zusammenschlüsse diskutiert.

    „Es gibt praktisch kein europäisches Konsolidierungsszenario, in dem die Commerzbank nicht irgendeine Rolle spielt“, sagt ein Beteiligter. Dass es kurzfristig zu einem Fusionsanlauf komme, sei jedoch unwahrscheinlich, weil die meisten Banken derzeit mit den Corona-Folgen beschäftigt seien.

    Der neue Commerzbank-Chef Knof hat in mehreren Gesprächen deutlich gemacht, dass er antritt, um die Commerzbank als unabhängiges Institut weiterzuentwickeln. Er ist überzeugt, dass Deutschland eine starke Mittelstandsbank braucht. Allerdings – das sagt einer, der ihn gut kennt – werde Knof sich sicher professionell verhalten, wenn es ein Angebot gebe. Gleichzeitig sei ihm aber bewusst, wie abschreckend so ein Verkaufsprozess auf Kunden wirke.

    Viele Experten halten eine Übernahme der Commerzbank auch deshalb für wahrscheinlich, weil die Europäische Zentralbank (EZB) kürzlich noch einmal schriftlich festgehalten hat, dass sie großen Zusammenschlüssen nicht im Weg steht. Die EZB sagte dabei zu, dass Banken bei Übernahmen den sogenannten „Badwill“ nutzen dürfen. Ein solcher negativer Firmenwert ergibt sich, wenn Institute mehr Kernkapital in der Bilanz haben als sie an der Börse wert sind.

    Einen Teil der Differenz zwischen dem Kaufpreis, der sich meist am Börsenwert orientiert, und dem Eigenkapital können Käufer bei Übernahmen als bilanziellen Einmalgewinn verbuchen und damit anstehende Belastungen – etwa Restrukturierungsaufwendung oder den Abbau fauler Kredite – finanzieren. Bei einer Übernahme der Commerzbank ginge es hier um gewaltige Summen. Das Institut verfügte zuletzt über fast 25 Milliarden Euro an hartem Kernkapital - ist an der Börse aktuell aber nur knapp sieben Milliarden Euro wert.

    Mehr: Finanzchefin Bettina Orlopp bekennt sich zur Commerzbank.

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