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Privatbanken Die zwielichtigen Methoden der Sutor-Bank-Vertriebspartner

Finanzmakler, von denen auch die Sutor Bank profitierte, hielten sich nicht immer ans Gesetz. Bankchef Freitag kannte die Risiken, unternahm aber nichts.
17.06.2020 - 10:32 Uhr 1 Kommentar
Die geschäftsführenden Gesellschafter der Hamburger Sutor Bank setzen auf umstrittene Vertriebspartner. Quelle: Johannes Arlt für Handelsblatt
Robert Freitag (r.) und Thomas Meier

Die geschäftsführenden Gesellschafter der Hamburger Sutor Bank setzen auf umstrittene Vertriebspartner.

(Foto: Johannes Arlt für Handelsblatt)

Frankfurt Sutor-Bank-Chef Robert Freitag hatte von Anfang an ein schlechtes Gefühl. Sein Geschäftspartner Bernd Walleczek vom Finanzvertrieb Multi-Invest aus Eschborn bei Frankfurt wollte die Sutor Bank im Jahr 2010 für eine neuartige Form gewinnen, Anlegergeld einzusammeln: den Ankauf von Lebensversicherungen.

Der Clou: Anleger sollten einer von Walleczek neu gegründeten Firma, der DPAG, das Recht einräumen, ihre Lebensversicherungen zu kündigen. Die DPAG würde die Rückkaufswerte der Lebensversicherung unter anderem bei der Vermögensverwaltung der Sutor Bank anlegen und nach mehreren Jahren ein Vielfaches des Rückkaufwertes ausbezahlen. So sollten Anleger eine Rendite zwischen sechs und acht Prozent pro Jahr erzielen können.

Doch dem Chef der Hamburger Privatbank war dieses Modell offenbar zu heiß: In einer E-Mail an Walleczek schrieb Freitag, die Renditeversprechen seien „aus heutiger Sicht unerfüllbar“. Das würden die Kunden „schmerzlich zu spüren bekommen“. Daher sein Fazit: „Ich fühle mich mit diesem Geschäftskonzept nicht wohl.“ Die Sutor Bank solle im Prospekt und allen weiteren Unterlagen unerwähnt bleiben.

Das Geld der Anleger nahm Freitag jedoch gern. Insgesamt sammelte die DPAG rund vier Millionen Euro bei Anlegern ein, wovon knapp 40 Prozent von der Sutor Bank gemanagt werden sollten, wie aus einem Urteil des Landgerichts Frankfurt hervorgeht, das dem Handelsblatt vorliegt. Die Sutor Bank bestätigte auf Anfrage, zwischen 2011 und 2012 Gelder der DPAG verwaltet zu haben. Doch das Geschäftsmodell scheiterte krachend – und hinterließ bei Hunderten betroffenen Anlegern einen Millionenschaden.

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    Der Ankauf von Lebensversicherungen brockte Walleczek eine elfmonatige Freiheitsstrafe wegen Verstoß gegen das Kreditwesensgesetz ein, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Sein Sohn, Alexander Walleczek, der nun die Multi-Invest führt, verweist auf Anfrage darauf, dass das entsprechend lautende Urteil des Landgerichts Frankfurt noch nicht rechtskräftig ist. „Die Feststellungen insbesondere hinsichtlich der Strafbarkeit der zugrunde liegenden Handlungen können somit nicht als zutreffend beziehungsweise bewiesen angesehen werden.“

    Kritik von Verbraucherschützern

    Mit einer Bilanzsumme von zuletzt rund 5,3 Milliarden Euro ist die Sutor Bank vergleichbar mit einer mittelgroßen Sparkasse – allerdings mit nur einem Bruchteil der Mitarbeiter. Denn anders als eine Sparkasse lebt die Hamburger Privatbank hauptsächlich vom Provisionsgeschäft. Das Zinsgeschäft, also Einnahmen aus Einlagen und Krediten, spielt bei der Sutor Bank kaum eine Rolle.

    Um die Wertpapierdepots, Riester-Produkte und Edelmetallsparpläne an die Anleger zu bringen, arbeitet die Sutor Bank hauptsächlich mit freien Vertriebspartnern zusammen. Einer der wichtigsten ist die Multi-Invest. Sutor-Bank-Chef Freitag ist persönlich mit rund acht Prozent an der Multi-Invest Gesellschaft für Vermögensbildung beteiligt.

    Der Eschborner Finanzvertrieb steht seit Jahren in der Kritik von Verbraucherschützern und Anlegeranwälten. Gerichtsurteile aus Frankfurt und München zeigen nun, dass Bernd Walleczek selbst sowie einzelne Makler auch nicht vor Methoden zurückschreckten, die sie in den Konflikt mit dem Gesetz brachten. Dennoch hält die Sutor Bank bis heute an dem umstrittenen Vertriebspartner fest, wie eine Sprecherin betont: „Bisher gab es weder für die Sutor Bank noch für Herrn Freitag Veranlassung, die Kooperation mit der Multi-Invest zu überdenken.“

    Daran änderte auch das Urteil gegen den langjährigen Multi-Invest-Chef nichts. Die Sprecherin der Sutor Bank versichert: „Eine Kooperation mit der DPAG hat es nicht gegeben. Die Sutor Bank war lediglich als Vermögensverwalter tätig.“ Doch das Frankfurter Urteil legt nahe, dass der Bankchef früh eingebunden war.

    So holte sich Freitag die Expertise eines Hausjuristen der Sutor Bank zum Policenankauf der DPAG ein. Dessen Warnungen hätten nicht deutlicher ausfallen können: Das Geschäftsmodell sei ein „rotes Tuch“ für die Finanzaufsichtsbehörde Bafin. Freitag solle sich vergewissern, ob er mit seiner Vermögensverwaltung keine Beihilfe zu einer Straftat leiste. Doch die Warnungen blieben offenbar weitgehend folgenlos. In mehreren Broschüren warb die DPAG mit dem Partner Sutor Bank, wie das Urteil festhält.

    Kriminelle Energie

    Am Ende traten die Befürchtungen von Bankchef Freitag ein: Weder die Sutor Bank noch die DPAG konnten die Renditeversprechen erfüllen. Und so entschloss sich Walleczek zu einem verhängnisvollen Schritt: Er verkaufte 2012 die noch laufenden Verträge an die S-&-K-Gruppe – jenes Schneeballsystem, das wenig später spektakulär scheiterte und 240 Millionen Euro Anlegergeld verbrannte, darunter auch zwei Millionen der DPAG.

    Doch nicht nur Multi-Invest-Chef Walleczek setzte auf fragwürdige Methoden, um Anlegergelder einzuwerben. Einige der für ihn tätigen Vermittler offenbarten in der Vergangenheit eine erstaunliche kriminelle Energie, wie der Fall von Herbert Schmidt* zeigt. Er wurde vom Landgericht München zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er ein „totlaufendes Schneeballsystem“ entwickelt hatte.

    Als Geschäftsführer mehrerer Vertriebsfirmen warb Schmidt über 3000 Menschen mit dem Versprechen an, sie könnten als Immobilienvermittler in München bis zu 5000 Euro monatlich von zu Hause aus verdienen. Den versprochenen Zugang für ein Online-Tool zur Immobilienvermittlung sowie Kontakte zu Interessenten erhielten die angeworbenen „Mitarbeiter“ jedoch nie. Die Geschädigten seien Verpflichtungen in Höhe von 7,2 Millionen Euro eingegangen, denen keine Einkünfte in annähernd gleicher Höhe gegenüberstanden, heißt es in dem Urteil.

    Stattdessen hatten sie in vielen Fällen einen Sparplan bei der Sutor Bank abgeschlossen und verpflichteten sich dafür, tausende Euro Provision in monatlichen Raten an die Multi-Invest zu zahlen, wie aus einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft München hervorgeht.

    Multi-Invest-Chef Alexander Walleczek bestätigt, dass eine Firma von Schmidt zeitweise als Vertriebspartner der Multi-Invest tätig war. Es sei ihm nicht bekannt, dass Schmidt „ein illegales Schneeballsystem betrieb“, sagt er. Die Multi-Invest habe die Zusammenarbeit mit Schmidts Firma beendet, unter anderem, weil dessen Vermittler die Kunden nicht korrekt über die Risiken der Investmentprodukte aufgeklärt hatten. Verträge von Kunden, die Schmidts Mitarbeiter getäuscht hatten, seien rückerstattet worden, inklusive der Provisionen. „Insofern war die Multi-Invest selbst geschädigt worden“, so Walleczek.

    Die Sutor Bank erklärt: „Wir können nicht ausschließen, dass eine Person mit diesem Namen Investmentsparpläne der Sutor Bank vermittelt hat.“ Beschwerden über den Untervermittler lägen jedoch nicht vor.

    Zwielichtige Vermittler, hohe Abschlussprovisionen und Millionenschäden für die Anleger: Über solche Altlasten redet Sutor-Bank-Chef Freitag nur ungern. Stattdessen sollen innovative Fintechs den Absatz der Sutor-Bank-Produkte ankurbeln. „Unser Ziel ist es, jedes Jahr bis zu zwei Fintech-Unternehmen an unser Haus zu binden, um damit mittelfristig die Geschäftsneuproduktion zu steigern“, heißt es im jüngsten Geschäftsbericht für das Jahr 2018. Mehr Technologie, weniger Trickserei ist die Devise.
    *Name geändert.

    Mehr: Die Sutor Bank setzt auf umstrittene Finanzmakler.

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    1 Kommentar zu "Privatbanken: Die zwielichtigen Methoden der Sutor-Bank-Vertriebspartner"

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    • Ich staune immer wieder, wie es dem Handelsblatt gelingt, entscheidende Zusammenhänge nicht sehen zu wollen. Dieser Skandal beruht zuallererst auf der Gier vieler Menschen, die sich im Bereich der Finanzanlageberate tummeln. Und die Liste dieser Skandale ist lang.
      Und parallel berichtet das Handelsblatt ab und an über die Versuche der Finanzanlageberater weiter von den Gewerbeaufsichtsämtern kontrolliert werden zu wollen und nicht von der BaFin, wie Banken und Versicherungen auch. So sieht es - sinnvollerweise - der Koalitionsvertrag der Groko vor. Aber findige Lobbyisten nutzen die Coronakrise um "Unsicherheiten" von der Branche fernzuhalten!

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