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Private-Equity-Branche Studie kratzt am Image der Finanzinvestoren

Eine Untersuchung zeigt, dass vielen Private-Equity-Unternehmen Kapazitäten und Kompetenzen fehlen, um den Wert ihrer Portfolios zu erhöhen.
10.03.2021 - 16:44 Uhr Kommentieren
Größter Deal in Deutschland war im vergangenen Jahr die Übernahme des Aufzugsgeschäfts von Thyssen-Krupp durch zwei Private-Equity-Fonds. Quelle: Thyssen Krupp
Aufzug von Thyssen-Krupp

Größter Deal in Deutschland war im vergangenen Jahr die Übernahme des Aufzugsgeschäfts von Thyssen-Krupp durch zwei Private-Equity-Fonds.

(Foto: Thyssen Krupp)

Frankfurt Finanzinvestoren stellen sich gern als fähige Firmenlenker dar, die den Wert eines Unternehmens durch operative Maßnahmen steigern können – ganz gleich in welcher Branche. Doch eine Untersuchung der Unternehmensberatung Kearney und der TU München sieht bei vielen europäischen Private-Equity-Unternehmen Defizite und mahnt dringenden Handlungsbedarf an, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Oftmals fehlten den Beteiligungsfonds die nötigen Kapazitäten und Kompetenzen für die operative Wertsteigerung in ihren Portfolios, so eines der Ergebnisse der Untersuchung. Veraltete Organisationsstrukturen behinderten zudem den systematischen Aufbau von Wissenspools, auch hake es vielfach an der Digitalisierung im eigenen Haus.

„Viele Private-Equity-Unternehmen sehen zwar die hohe Relevanz der operativen Wertsteigerung für den Gesamterfolg, sind dafür aber selbst noch nicht gut aufgestellt“, sagt Tobias Hartz, Partner im Private-Equity-Team von Kearney. Über die Anwendung finanzieller Hebel könnten sich Beteiligungsgesellschaften heute nicht mehr von der Konkurrenz abheben.

Deshalb rückten die Fähigkeiten zur operativen Wertsteigerung in den Fokus. Es gehe um Maßnahmen, die das Wachstum der Portfoliounternehmen sichern und die Profitabilität erhöhen.

Mehr als die Hälfte der teilnehmenden Beteiligungsmanager hält „Wertschaffung“ für die wichtigste Aufgabe von Private-Equity-Fonds. Gleichzeitig hat aber nur knapp mehr als die Hälfte der befragten Professionals in ihrem Unternehmen ein dafür spezialisiertes „Operational Value Creation Team“.

Wenn es sie gibt, seien diese Teams oft vergleichsweise klein – im Schnitt entfielen nur 18 Prozent der internen Kapazitäten wirklich auf solche Gruppen. Im Ergebnis schätzt ein Drittel der befragten Profis die Fähigkeiten ihres Private-Equity-Unternehmens zur Wertsteigerung mittelmäßig oder schlechter ein.

„Beispiele für operative Wertsteigerungen sind die Optimierung der Vertriebskanäle oder die Internationalisierung des Geschäfts“, sagt Astrid Latzel, Partnerin und Geschäftsführerin im Private-Equity-Team von Kearney.

Finanzinvestoren kaufen Konzernteile und Mittelständler, sie halten diese Beteiligungen im Mittel rund drei bis sieben Jahre. In dieser Zeit versuchen sie, durch Restrukturierungen den Wert der Firmen zu steigern. Danach veräußern sie die Unternehmen an Strategen und neue Finanzinvestoren oder bringen sie an die Börse. Größter Deal in Deutschland war im vergangenen Jahr die Übernahme des Aufzugsgeschäfts von Thyssen-Krupp durch zwei Private-Equity-Fonds.

Wissensmanagement zu wenig beachtet

Viel zu wenig Beachtung schenken manche Private-Equity-Fonds der Studie zufolge dem Bereich Wissensmanagement. Expertise verbleibt demnach oft bei einzelnen Mitarbeitern und wird nur für einen kleinen Teil der Inhalte systematisiert aufbereitet und unternehmensintern zur Verfügung gestellt.

„Das Wissensmanagement ist eine kritische Stelle in der operativen Organisation von Private-Equity-Firmen“, so Professor Reiner Braun, Co-Direktor des Center for Entrepreneurial and Financial Studies (CEFS) an der TU München. Das Wissensmanagement werde von vielen Private-Equity-Gesellschaften vernachlässigt. Senior Partner nähmen ihre Erfahrung, ihr Wissen und Teile des Netzwerks oft einfach mit, wenn sie wechselten.

Nachholbedarf beim Thema Digitalisierung

Auch bei der Digitalisierung hinkten einige Private-Equity-Fonds hinterher. Zudem werde nur rund ein Drittel des vorhandenen Wissens in Private-Equity-Firmen digital gespeichert.

Die Kritik an den operativen Fähigkeiten der Beteiligungsmanager fällt in eine Phase der Höchstbewertungen bei den Portfoliounternehmen der Private-Equity-Branche. Die von Finanzinvestoren gezahlten „Multiples“ stiegen im vierten Quartal 2020 deutlich, um mehr als 20 Prozent auf das 11,2-Fache des operativen Gewinns (Ebitda).

Das ist der höchste Stand seit Einführung des Barometers der Beteiligungsgesellschaft Argos Wityu im Jahr 2004. Damit übertreffen sie jetzt sogar die von strategischen Käufern gezahlten Multiplikatoren, die beim Elffachen des Ebitda angekommen sind. „Fast zwei Drittel der Transaktionen entfielen im vierten Quartal auf die Sektoren Technologie und Gesundheit. Das erklärt einen Großteil des Anstiegs der Bewertungen auf den Rekordwert“, sagt Frank Hermann, Managing Partner von Argos Wityu.

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