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PwC-Studie Trotz Pandemie: Jede vierte Bank hat den Gewinn je Kunde im Privatkundengeschäft gesteigert

Der Gewinn pro Kunde ist im Pandemiejahr im Durchschnitt um acht Prozent gesunken, zeigt eine Studie. Doch einige Institute entziehen sich dem Trend – sogar in Deutschland.
07.06.2021 - 17:30 Uhr Kommentieren
Deutsche Banken liegen im hinteren Mittelfeld bei den Erträgen pro Kunde. Ihre wohl größte Schwäche ist allerdings die Abhängigkeit von der privaten Baufinanzierung.  Quelle: dpa
Blick auf das Bankenviertel in Frankfurt

Deutsche Banken liegen im hinteren Mittelfeld bei den Erträgen pro Kunde. Ihre wohl größte Schwäche ist allerdings die Abhängigkeit von der privaten Baufinanzierung. 

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Corona-Pandemie hat die Gewinne vieler Banken geschmälert, doch es gibt Ausnahmen – selbst im umkämpften europäischen Privatkundengeschäft. Das zeigt der aktuelle „Retail Banking Monitor“ von Strategy&, der Strategieberatung von PwC. „Bei den meisten Banken ist der Gewinn pro Kunde im vergangenen Jahr gesunken. Immerhin jeder vierten Bank ist es aber geglückt, ihn zu steigern“, sagt Andreas Pratz, Partner bei Strategy& und Hauptautor der Studie.

Strategy& hatte für die Untersuchung rund 50 Banken mit Hauptsitz in Europa, Australien und den USA in 15 verschiedenen Ländern untersucht. In Deutschland waren fünf Bankengruppen – darunter die Verbünde der Sparkassen und Genossenschaftsbanken – Teil der Studie, die einen Marktanteil von über 80 Prozent abdecken. Auch zwei der fünf deutschen Banken oder Bankengruppen konnten ihren Gewinn je Kunde im vergangenen Jahr steigern.

Das Ergebnis für Deutschland zeigt, dass sich selbst in einem hart umkämpften Markt wie Deutschland Geld im Privatkundengeschäft verdienen lässt. „Der wichtigste Faktor für Erfolg im Retailgeschäft ist das Geschäftsvolumen, gefolgt von der Bereitschaft, Basisprodukte auch zu bepreisen. Das gelingt in Italien und der Schweiz besonders gut“, betont Pratz. Die Erfolge einzelner Institute ändern aber nichts daran, dass das Pandemiejahr für Banken im Privatkundengeschäft insgesamt eher schwierig war: Denn es gibt auch viele Verlierer.

Im Durchschnitt schrumpfte der Gewinn je Kunde der Studie zufolge von 210 auf 193 Euro, das entspricht einem Rückgang von rund acht Prozent. Einzelne Banken traf es noch härter. Bei jeder zweiten Bank sank die Profitabilität zwischen null und 20 Prozent, bei jeder vierten Bank lag der Rückgang in einer Bandbreite von minus 20 bis minus 40 Prozent.

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    Der zum Teil deutliche Gewinneinbruch ist nicht allein sinkenden Umsätzen geschuldet – denn bei den Erträgen kam die Branche laut PwC Strategy& noch mit einem blauen Auge davon: „Die von uns untersuchten europäischen Banken mussten im vergangenen Jahr im Durchschnitt einen Ertragsrückgang von etwa vier Prozent im Privatkundengeschäft hinnehmen. Das liegt allerdings weit unter den Befürchtungen zu Beginn der Pandemie“, so Pratz.

    40 Prozent der Filialen könnten verschwinden

    Doch die Kosten sind nicht im gleichen Ausmaß gesunken wie die Einnahmen. „Das liegt daran, dass sich die angekündigten Sparmaßnahmen mit Verzögerungen auswirken werden. Das gilt etwa für die angekündigten Filialschließungen und den Personalabbau. Die Effekte daraus werden sich erst Anfang 2023 zeigen“, erläutert Pratz. PwC Strategy& geht davon aus, dass bis zum Jahr 2023 bis zu 40 Prozent der Filialen verschwinden könnten.

    Grafik

    Im internationalen Vergleich erreichen die deutschen Banken mit einem durchschnittlichen Ertrag von 172 Euro je Kunde nur eine Platzierung im hinteren Mittelfeld. In Spanien und Italien liegt der Durchschnittsverdienst seit Jahren höher – mit unterschiedlichen Strategien.

    „Die italienischen Institute erreichen das durch höhere Gebühren für Bankdienstleistungen, die spanischen Geldhäuser durch eine geschickte Vertriebsstrategie“, erläutert Pratz. Spanischen Banken gelingt es häufig, eine Baufinanzierung mit einem Gehaltskonto und einer Lebensversicherung zu kombinieren.

    Die Unterschiede innerhalb der deutschen Bankengruppen sind allerdings groß: In Deutschland sind laut Pratz die Verbünde – also Volksbanken und Sparkassen – die Spitzenreiter, was den Ertrag pro Kunde angeht, gefolgt von den Geschäftsbanken und den Direktbanken sowie Neobanken wie etwa N26. „Den Genossenschaftsbanken gelingt es besonders gut, ihren Kunden mehrere Produkte zu verkaufen“, sagt der PwC-Experte.
    Abhängigkeit von der Baufinanzierung
    In den vergangenen Jahren haben deutsche Banken nach Beobachtung der Strategieberatung ihre Kostenstrukturen häufig nicht konsequent genug angepasst. Mittlerweile sieht Pratz aber zahlreiche Anstrengungen der deutschen Institute, um profitabler zu werden. Die Commerzbank etwa will ihr Filialnetz fast halbieren und massiv Stellen abbauen, auch die Deutsche Bank dünnt ihr Zweigstellennetz erneut aus. Viele Institute wollen außerdem die Kontogebühren erhöhen. Durch ein Urteil des Bundesgerichtshofs sind Gebührenerhöhungen für die Branche allerdings schwieriger geworden.

    Abhängigkeit von der Baufinanzierung

    Die Achillesferse der deutschen Branche ist aus Sicht von PwC Strategy& ihre Abhängigkeit vom Baufinanzierungsgeschäft: „Das größte Risiko für das Privatkundengeschäft deutscher Banken ist ein Einbruch im Baufinanzierungsgeschäft, etwa durch eine Phase starker Preisrückgänge am Markt“, sagt Pratz.

    Aus seiner Sicht sollten die Institute „an weiteren Produkten für den Massenmarkt“ arbeiten, mit denen sie ihre Abhängigkeit von der Baufinanzierung reduzieren können.

    Ein Blick nach Großbritannien zeigt, was geschieht, wenn sich Banken zu sehr auf ein Produkt verlassen. Denn britische Banken liegen beim Gewinn pro Kunde noch unter dem Niveau der deutschen Institute – dabei gibt es in Großbritannien längst nicht so viele Banken wie in Deutschland.

    Der Grund für die vergleichsweise geringe Profitabilität der britischen Institute ist laut Pratz die Abhängigkeit der Branche vom Kreditkartengeschäft und den damit verbundenen revolvierenden Kreditlinien: „Dieses Produkt ist längst nicht mehr so profitabel wie noch vor wenigen Jahren“, sagt er.

    Mehr: Warum deutsche Geldhäuser um Fusionen nicht herumkommen

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