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Quartalsausblick Starke Gewinne, schrumpfende Erträge: US-Banken müssen sich auf neue Realitäten einstellen

Die Wall-Street-Institute sind erstaunlich gut durch die Pandemie gekommen. Nun jedoch zeichnen sich neue Probleme ab, die auf das Ergebnis drücken.
13.07.2021 - 04:03 Uhr Kommentieren
Viele US-Großbanken stellen in dieser Woche ihre Bilanzen vor. Quelle: dpa
Wall Street

Viele US-Großbanken stellen in dieser Woche ihre Bilanzen vor.

(Foto: dpa)

New York Auf den ersten Blick strotzen amerikanische Banken nur so vor Stärke. Besser als erwartet sind die großen Institute der Wall Street durch die Pandemie gekommen. Das wird sich auch in den Quartalsergebnissen widerspiegeln, die die Geldhäuser ab Dienstag vorlegen. Der Gewinn pro Aktie könnte bei den sechs US-Großbanken im Schnitt um 116 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigen, wie Analysten von Factset berechnet haben.

Ein Großteil davon geht jedoch auf den Abbau der Risikovorsorge zurück und ist damit ein kurzzeitiger Effekt. Denn vor einem Jahr, als die Coronakrise sich voll entfaltete, mussten die Institute Milliarden für ausfallgefährdete Kredite zurücklegen.

Doch die meisten Verluste haben sich nicht materialisiert, dank billionenschwerer Hilfsprogramme der US-Notenbank Federal Reserve und der Regierung in Washington, die sowohl Unternehmen als auch Haushalte mit verschiedenen Maßnahmen stützte und somit indirekt auch den Banken half.

Das wird wie bereits im ersten Quartal die Gewinne stützen. Analysten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass JP Morgan, die Bank of America, Citigroup und Wells Fargo im zweiten Quartal insgesamt acht Milliarden Dollar an Risikovorsorge freigeben könnten. Im ersten Quartal lag der Wert bei 14 Milliarden Dollar.

Gleichzeitig beginnt für die Banken mit der Öffnung der Wirtschaft eine neue Phase, die sich nicht nur positiv auf die Ergebnisse auswirken wird. Der Boom beim Wertpapierhandel, der die Gewinne der Institute im vergangenen Jahr deutlich gestützt hat, ist abgeflaut. Manager von JP Morgan Chase und Citigroup haben bereits durchblicken lassen, dass ihre Handelsumsätze um gut 30 Prozent oder mehr eingebrochen sind. Das könnte Branchenschätzungen zufolge zu Ertragseinbrüchen von zehn Prozent pro Bank führen.

Investmentbanking schwächelt

Die starke Nachfrage nach Anleiheemissionen hat ebenfalls abgenommen. Auch der Boom bei den Börsenmänteln, sogenannten Spacs, ist in den vergangenen Monaten abgeflaut. Die Umsätze aus dem Investmentbanking werden für die meisten Institute unter dem Vorjahresniveau liegen, glauben Analysten.

Einziger Lichtblick: das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen, das nach dem Krisenjahr 2020 wieder deutlich an Schwung gewonnen hat. Die Beratungsgebühren könnten branchenweit um 30 Prozent gestiegen sein. „Doch der Bereich ist nicht groß genug, um die Schwäche an anderer Stelle auszugleichen“, gibt Betsy Graseck, Analystin von Morgan Stanley, zu bedenken.
Die Erträge könnten daher im Schnitt um fünf Prozent fallen, so die Factset-Prognose.

Auch die Nachfrage nach Krediten könnte weiterhin schwach bleiben. Viele Unternehmen hatten sich bereits zu Beginn der Pandemie Kredite besorgt. Große Konzerne können sich an den Kapitalmärkten günstig refinanzieren. Haushalte sind dank staatlicher Hilfen deutlich besser durch die Krise gekommen als erwartet. Der Job-Markt ist längst heiß gelaufen. Viele Unternehmen bieten auch für Positionen am unteren Ende der Einkommensspanne Einstellungsboni und höhere Löhne, um neue Mitarbeiter für sich zu gewinnen.

Die Nettozinsspanne, eine wichtige Kennzahl für die Profitabilität der Kreditvergabe, lag im ersten Quartal auf einem historischen Tief. Jason Goldberg, Analyst von Barclays, geht davon aus, dass sich im zweiten Quartal nicht viel verändern wird.

Das Kreditwachstum sei „klitze klein“, gab JP Morgan Chase-CEO Jamie Dimon im Juni zu bedenken. Goldberg geht jedoch davon aus, dass „das Kreditwachstum sich im Laufe des Jahres und ins nächste Jahr hinein verbessern wird.“ Branchenführer JP Morgan und Goldman Sachs legen am Dienstag ihre Quartalszahlen vor. Bank of America, Citigroup und Wells Fargo folgen am Mittwoch. Morgan Stanley kommt am Donnerstag.

Wettbewerb auch um Arbeitsbedingungen

Stärker als vor der Pandemie konkurrieren die Institute auch bei einem anderen Thema: Arbeitsbedingungen. Eine Powerpoint-Präsentation von jungen Goldman-Bankern hatte im Frühjahr für einen Aufschrei in der Branche gesorgt. Die Mitarbeiter beklagten die brutalen Arbeitsbedingungen, mit einem Arbeitspensum von gut 100 Stunden pro Woche, das keine Zeit für genügend Schlaf, Erholung und soziale Kontakte lasse. Ein Mitarbeiter hatte die Arbeitsbedingungen als „unmenschlich und missbräuchlich“ bezeichnet.

Seit dem hat sich ausgerechnet bei der Konkurrenz viel getan. Denn auch bei anderen Instituten ist das Arbeitspensum extrem hoch. Citigroup hat das Grundgehalt der jungen Talente angehoben, von 75.000 auf 100.000 Dollar und will durch flexiblere Arbeitsbedingungen Top-Manager von anderen Instituten abwerben, die nicht wieder fünf Tage die Woche im Büro verbringen wollen.

Andere Banken versuchen, ihre Mitarbeiter mit Boni, bezahlten Urlaubsreisen, mehr Freizeit und höheren Grundgehältern zu halten. Goldman indes zögert, weil Manager nicht von dem Grundsatz abweichen wollen, gute Leistung am Ende eines Jahres zu belohnen, wie aus einem Bericht der „Financial Times“ hervor geht.

Die Wall-Street-Institute sind für ihre hohen Boni bekannt, die jedoch je nach Geschäftslage stark schwanken können. Wenn die Grundgehälter angehoben werden, lassen sich diese dagegen nicht wieder so schnell reduzieren.

Kritiker drängen die Banken dazu, die Arbeitsbedingungen für junge Banker zu verbessern, sonst würden immer mehr Mitarbeiter zu Fintechs, Risikokapitalgebern und anderen Arbeitgebern abwandern.

Bankaktien gehören indes zu den großen Gewinnern in diesem Jahr. Der KBW Nasdaq Bank-Index stieg seit Anfang Januar um 27 Prozent, deutlich stärker als der breit gefasste S&P 500, der 16 Prozent zulegte. Allerdings schwächelten die Titel in den vergangenen Wochen, was auch mit der Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen zu tun hat, die zuletzt wieder deutlich gesunken ist.

Immerhin: Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat die Institute Ende Juni für überkapitalisiert erklärt und damit den Weg frei gemacht, für Dividendensteigerungen und üppige Aktienrückkäufe, was die Kurse mittelfristig weiter stützen könnte.

Mehr: Milliarden für die Aktionäre: US-Banken schütten großzügig Kapital aus

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