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Quartalsergebnisse Commerzbank rutscht wegen Corona tief in die roten Zahlen

Hohe Rückstellungen für Kreditausfälle setzen dem Institut zu. Nun will die Bank ihren Sparkurs verschärfen - und könnte dabei mehr Filialen schließen als bisher geplant.
13.05.2020 Update: 13.05.2020 - 13:13 Uhr 2 Kommentare
Das Geldhaus ächzt unter der Belastung durch die Krise. Quelle: dpa
Commerzbank in Frankfurt

Das Geldhaus ächzt unter der Belastung durch die Krise.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Coronakrise hat die Commerzbank zum Jahresauftakt tief in die roten Zahlen gedrückt. Das Frankfurter Geldhaus musste wegen der Pandemie deutlich mehr Geld für Kreditausfälle zurücklegen und machte im ersten Quartal deshalb einen Verlust von 295 Millionen Euro.

Auch im Gesamtjahr könnte die zweitgrößte deutsche Privatbank erstmals seit 2012 wieder rote Zahlen schreiben. Das ursprüngliche Ziel, 2020 einen Gewinn auszuweisen, sei angesichts der Entwicklung im ersten Quartal „sehr ambitioniert“, warnte die Bank.

Die Zahlen von Januar bis Ende März fielen noch schlechter aus als von Analysten erwartet. Die Commerzbank-Aktie brach deshalb zeitweise um mehr als fünf Prozent auf 2,99 Euro ein. Damit näherte sich das Papier seinem Allzeittief von 2,80 Euro aus dem März diesen Jahres.

Wegen Corona und des damit verbundenen Konjunktureinbruchs wird die Zahl der Firmenpleiten und Kreditausfälle deutlich steigen. Bei der Commerzbank hat sich die Risikovorsorge von Januar bis Ende März deshalb mehr als vervierfacht auf 326 Millionen Euro. Der Anstieg fiel damit noch höher aus als beim Konkurrenten Deutsche Bank, bei dem die Risikovorsorge um 261 Prozent auf 506 Millionen Euro gestiegen war.

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    Von der Risikovorsorge der Commerzbank ist gut die Hälfte auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Neben tatsächlichen Verlusten von 74 Millionen Euro hat die Bank 111 Millionen Euro für erwartete künftige Kreditausfälle zurückgelegt. Im Gesamtjahr rechnet sie nun mit einer Risikovorsorge zwischen 1,0 und 1,4 Milliarden Euro. Vor dem Ausbruch der Pandemie hatte das Institut lediglich mit gut 650 Millionen Euro kalkuliert.

    Insgesamt geht Finanzchefin Bettina Orlopp jedoch davon aus, dass die Bank die Auswirkungen der Krise abfedern kann. „Wir haben ein gesundes Kreditbuch, und der Anteil gefährdeter Kredite liegt seit Jahren unter dem deutschen und europäischen Durchschnitt“, sagte sie. „Dank der sehr weitreichenden Maßnahmen der Bundesregierung rechnen wir damit, dass deutsche Unternehmen, die einen Großteil unseres Geschäfts ausmachen, vergleichsweise gut durch die Krise kommen werden.“

    Mehr Filialschließungen zu erwarten

    Orlopp bekräftigte, dass die Commerzbank ihren Sparkurs im laufenden Jahr verschärfen will. Details dazu will sie bei der Vorlage der Halbjahreszahlen im August nennen. „Selbstverständlich werden wir bei allem, was wir tun, die Konsequenzen und Erfahrungen aus der Coronakrise berücksichtigen“, sagte die Finanzchefin. „Dazu gehört zum Beispiel, dass das Kundenverhalten sich schneller Richtung digitales Banking verändert.“ Das werde sich auch bei Entscheidungen über das Filialnetz widerspiegeln.

    Die bisherigen Planungen der Commerzbank sehen vor, bis 2023 rund 200 der insgesamt 1000 Niederlassungen zu schließen. Doch Orlopps Äußerungen machen deutlich, dass die Bank das Filialnetz nun vermutlich noch stärker ausdünnen wird. Auch in anderen Bereichen sollen die Kosten noch deutlicher gesenkt werden.

    Bei der Verkündung der Strategie „Commerzbank 5.0“ im September 2019 hatte das Institut bis 2023 lediglich Einsparungen von 600 Millionen Euro und eine Eigenkapitalrendite von mehr als vier Prozent in Aussicht gestellt.

    Nachdem viele Investoren und die Bankenaufsicht diese Ziele als wenig ambitioniert kritisierten, hat die Commerzbank Nachbesserungen angekündigt. Ein Projektteam sucht deshalb seit Monaten nach weiteren Einsparpotenzialen. Zusätzlich sind mit Bain und McKinsey zwei Berater an Bord.

    Orlopp bekräftigte, dass die Bank nach der Anpassung der Strategie im Sommer eine höheres Renditeziel anpeilen will als noch im September 2019. Investoren wie Andreas Thomae von der Fondsgesellschaft Deka fordern eine Eigenkapitalrendite von mindestens sechs Prozent.

    Große Nachfrage von Firmenkunden

    Im Kundengeschäft lief es bei der Commerzbank in den ersten drei Monaten des Jahres gut. Der Zinsüberschuss legte um sieben Prozent zu, der Provisionsüberschuss wegen des regen Wertpapierhandels sogar um 14 Prozent. Zudem gewann die Bank unter dem Strich 142.000 neue Privatkunden – vor allem durch Onlineabschlüsse.

    Ohne die Corona-bedingten Belastungen von insgesamt 479 Millionen Euro hätte die Bank nach eigenen Angaben einen operativen Gewinn von 202 Millionen Euro erzielt. Tatsächlich fiel nun aber ein operativer Verlust von 277 Millionen Euro an nach einem Plus von 246 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

    Zum Verlust trugen negative Bewertungseffekte auf Absicherungsgeschäfte für Kunden und für das eigene Geschäft in Höhe von 295 Millionen Euro maßgeblich bei. Grund dafür sei die hohe Marktvolatilität, erklärte die Bank. Sie hofft jedoch darauf, dass sich die Bewertung der Derivate bei einer Stabilisierung der Märkte wieder erholt.

    Die Kernkapitalquote der Commerzbank sank im ersten Quartal nur leicht – um 0,2 Prozentpunkte auf 13,2 Prozent. Das sei eine gute Basis, um die Krise gemeinsam mit den Kunden zu bewältigen, sagte Vorstandschef Martin Zielke. „Mit unserer starken Bilanz sowie unserer komfortablen Liquiditäts- und Kapitalposition sind wir gut aufgestellt, die deutsche Wirtschaft mit voller Kraft zu unterstützen.“

    Wegen der Krise will sich die Commerzbank – genauso wie die Deutsche Bank – nun mit etwas dünneren Kapitalpuffern zufriedengeben. Die Gelben peilen bis Jahresende nun eine Mindestkapitalquote von 12,5 Prozent an statt wie bisher von 12,75 Prozent. „Dies gibt der Bank mit Blick auf die aktuelle Kernkapitalquote von 13,2 Prozent Spielräume, um zusätzliche Geschäftschancen zu nutzen.“

    Einige ausländische Geldhäuser haben wegen der Coronakrise ihr Geschäft in der Bundesrepublik heruntergefahren. Die Deutsche Bank und die Commerzbank wollen dies nutzen, um ihr Geschäft auszubauen.

    Die Commerzbank hat ihren Firmenkunden im Zuge der Krise bis Ende April rund elf Milliarden Euro an zusätzlicher Liquidität zur Verfügung gestellt. Außerdem genehmigte sie in den ersten sieben Wochen der Krise rund 2.500 Anträge für Förderkredite der KfW mit einem Volumen von knapp vier Milliarden Euro.

    Bei der Bewältigung der Krise komme den Banken eine Schlüsselrolle zu, sagte Vorstandschef Martin Zielke auf der virtuellen Hauptversammlung des Instituts. „Seit Wochen arbeiten viele Kollegen fast pausenlos daran, die Flut der Kreditanträge so zügig wie irgend möglich zu bearbeiten – auch an den Wochenenden.“

    Die Aktionäre der Commerzbank müssen dagegen für 2019 und möglicherweise auch für das Geschäftsjahr 2020 auf eine Dividende verzichten. Die Bank wird für eine Gewinnausschüttung in diesem Jahr jedenfalls vorerst kein Geld zur Seite legen. Eine endgültige Entscheidung über eine Dividende für 2020 falle aber erst auf der Hauptversammlung 2021, betonte Finanzchefin Orlopp. „Wir haben also ein ganzes Jahr Zeit, uns Gedanken darüber zu machen, ob das sinnvoll ist oder nicht.“

    Mehr: Die Commerzbank muss nach der Coronakrise spürbare Veränderungen vornehmen, fordert Andreas Kröner.

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    • AKTIENKULTUR

      Mit einem trickreichen Aufpäppeln des Aktienkurses durch Aktienzusammenlegung im Jahr 2013 (aus zehn wird eine) steht der Kurs heute bei rd. drei Euro. Aus dem Kurslevel von mehr als 30 € vor 12 Jahren würde ohne Zusammenlegung ein heutiger Kurs von rd. 30 ct resultieren.
      Also bei etwa 1% liegt die Wahrheit. Dazwischen viel Gerede, Schall und Rauch, Kapitalerhöhungen und Kapitalvernichtung für die Aktionäre.

      Egal was heute Hr. Zielke vorträgt, die Wahrheit sagt der Kurs und den Schaden haben seit 12 Jahren die Aktionäre. Aber der Aufsichtsrat, der diesen Schaden zu verantworten hat, wird entlastet werden.
      Das werden die großen Teilhaber tun und sie werden ihre Gründe haben.

    • Hatte nicht Frau Orlopp noch Ende März den Dividendenvorschlag bestätigt und behauptet

      „Wir hatten eine sehr gesunde Kapitalposition Ende 2019. Das ist eine gute Ausgangsposition für die jetzige Situation“, sagte Orlopp. Man sei zudem gut in das Jahr gestartet. „Die ersten zwei Monate waren sehr gut – sowohl auf der Ertrags- als auch auf der Risikoseite.“

      Der Vorstand hat entweder die Situation falsch eingeschätzt oder einfach keine Ahnung. In beiden Fällen haben die handelnden Personen dort nichts zu suchen.

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