Quartalszahlen: Credit-Suisse-Kunden ziehen weiter Geld ab
Es sind wohl die letzten Quartalszahlen, die die Schweizer Notenbank vor der Übernahme durch die UBS vorlegt.
Foto: dpaZürich. Neue Zahlen zeigen, wie dramatisch die Lage der Schweizer Großbank Credit Suisse vor der Notfusion mit der UBS war: In den ersten drei Monaten dieses Jahres flossen Kundengelder im Wert von umgerechnet 62 Milliarden Euro ab, teilte das Institut am Montag mit.
Das meiste Geld zogen die Kunden in den Tagen vor der dramatischen Rettungsaktion und der Notfusion mit der UBS Mitte März ab. Doch die Abflüsse gehen auf niedrigerem Niveau weiter, „eine Trendumkehr wurde bis am 24. April nicht beobachtet“, schreibt die Bank in ihrer Mitteilung.
Die Credit Suisse musste Mitte März von der Schweizer Nationalbank (SNB) mit umfassenden Liquiditätshilfen gestützt werden. Per Ende März beliefen sich die ausstehenden Kredite auf 108 Milliarden Franken. Weitere 70 Milliarden an Liquiditätshilfen hat die Credit Suisse bereits zurückgeführt.
Anke Reingen, Analystin bei RBC Capital Markets, schrieb in einer am Montag veröffentlichten Kurzstudie: „Die Resultate zeigen, in welch herausfordernder Situation sich die Gruppe befindet, und wie viel Arbeit der UBS bei der Übernahme bevorsteht.“
Andreas Venditti, Analyst bei Vontobel ergänzt: „Die UBS steht zweifellos vor der großen und dringenden Aufgabe, den einstigen Konkurrenten tiefgreifend umzubauen.“
Unter dem Strich stand nach drei Monaten ein Nettogewinn von 12,4 Milliarden Franken. Dieser Sondergewinn geht jedoch fast ausschließlich auf die Abschreibung nachrangiger Zinspapiere zurück, sogenannte AT1-Anleihen. Die Investoren wehren sich jedoch gegen die Finma-Entscheidung und haben daher vergangene Woche eine Beschwerde bei Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen eingereicht.
Ohne diese von der Finanzaufsicht Finma angeordnete Maßnahme wäre ein Verlust vor Steuern in Höhe von 1,3 Milliarden Franken angefallen. Die verwalteten Vermögen schmolzen auf 1,253 Billionen Franken zusammen von 1,294 Billionen Ende 2022. Besonders das Kerngeschäft, die Vermögensverwaltung, leidet unter dem Vertrauensverlust der Kunden. Innerhalb von drei Monaten zogen Kunden dort neun Prozent des per Ende 2022 verwalteten Vermögens ab.
Das Kerngeschäft erodiert
Das trübt auch die weiteren Aussichten für das Geschäft, das künftig in der UBS aufgehen soll. Die wiederkehrenden Kommissions- und Gebührenerträge, eine der wichtigsten Kennziffern in der Vermögensverwaltung, gingen um 17 Prozent zurück. Vor dem Hintergrund schrieb die Credit Suisse immaterielle Firmenwerte in der Sparte in Höhe von 1,3 Milliarden Franken ab.
Die Investmentbank konnte im Vergleich zu den Vorjahresquartalen ihre Verluste etwas begrenzen, verbrannte jedoch in den ersten drei Monaten des Jahres weiter rund 337 Millionen Franken. Zudem hat die Credit Suisse bekannt gegeben, dass die geplante Ausgliederung und Fusion mit der Boutique-Investment des einstigen Verwaltungsrats Michael Klein abgesagt wird.
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Einzig die Schweizer Universalbank lieferte ein positives Vorsteuerergebnis in Höhe von 313 Millionen Franken ab. Die Sparte ist der mit Abstand krisenresistenteste Geschäftsbereich und hat trotz der jahrelangen Dauerkrise stets weitgehend stabile Erträge abgeworfen.
Für das zweite Quartal und das gesamte Jahr stellte die Bank einen erheblichen Vorsteuerverlust in Aussicht. Die UBS will ihr Quartalsergebnis am Dienstag veröffentlichen.
Die größte Schweizer Bank hat am Montag bereits die erste Personalentscheidung in Verbindung mit der Fusion bekannt gegeben. Risikovorstand Christian Bluhm wird nicht wie geplant das Unternehmen verlassen, sondern auf seiner Position bleiben. Sein designierter Nachfolger, Damian Vogel, der Anfang Mai hätte übernehmen sollen, wird stattdessen der verantwortliche Risikomanager für die Credit-Suisse-Integration, wie die UBS mitteilte.