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  5. Deutsche Bank Q3-Zahlen: Quartalsgewinn im dritten Quartal verdreifacht

QuartalszahlenDeutsche Bank verfünffacht Quartalsgewinn – wird beim Renditeziel aber vorsichtiger

Deutschlands größtes Kreditinstitut verdiente so viel wie seit mehr als 15 Jahren nicht. Der wachsende Kostendruck und die Wirtschaftskrisen trüben die Aussichten aber ein.Yasmin Osman, Michael Maisch 26.10.2022 - 15:59 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Das Geldhaus kann den neunten Quartalsgewinn in Folge vermelden.

Foto: dpa

Frankfurt. Trotz Energiekrise und drohender Rezession hat die Deutsche Bank im dritten Quartal überraschend viel verdient. Der Nettogewinn des Instituts stieg auf 1,1 Milliarden Euro und war damit mehr als fünfmal so hoch wie im Vorjahr mit 194 Millionen Euro. Analysten hatten im Durchschnitt nur mit einem Nettogewinn von 835 Millionen Euro gerechnet. 

Die Bruttoeinnahmen des Instituts stiegen um 15 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Dazu trugen alle wichtigen Sparten des Instituts bei, vor allem aber das Firmenkundengeschäft. Die Analysten von M.M. Warburg sprachen in einer Kurzanalyse von einem „eindrucksvollen Wachstum“.

„Wir haben die Ertragskraft der Deutschen Bank deutlich verbessert und liegen voll auf Kurs, unsere Ziele für das Jahr 2022 zu erreichen“, kommentierte Konzernchef Christian Sewing das Ergebnis. Die Bank hatte sich eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von acht Prozent sowie Erträge von 26 bis 27 Milliarden Euro zum Ziel gesetzt. In den ersten neun Monaten 2022 ist Ersteres dem Institut mit einer Rendite von 8,1 Prozent auch geglückt. 

In seinem Quartalsbericht schlug das Institut beim Blick in die Zukunft allerdings vorsichtigere Töne an. Zwar sieht die Bank aufgrund der „weiterhin guten Geschäftsentwicklung“ die Möglichkeit, ihre Ertragsprognose „für das Gesamtjahr 2022 zu übertreffen“. 

Über das zentrale Renditeziel sagt das Institut dagegen nur: „Im letzten Quartal des Jahres 2022 arbeitet der Konzern weiter darauf hin, seine Finanzziele zu erreichen.“ Das derzeitige Umfeld sei „zunehmend von Herausforderungen geprägt, und der Kostendruck hat sich verstärkt“. Im zweiten Quartal hatte das Institut seine Ertrags- und Renditeziele noch ohne größere Erläuterungen bekräftigt.

„Es sieht ganz so aus, als würde die Deutsche Bank ihr Renditeziel für 2022 erreichen“, sagte Andreas Thomae, Corporate-Governance-Experte bei Deka Investment, dem Handelsblatt. Sein Blick nach vorn ist aber zurückhaltend: „Das Jahr 2023 wird nicht einfach, weil wir in Deutschland in die Rezession abtauchen. Wir rechnen damit, dass die privaten Baufinanzierungen zurückgehen und auch das Kreditwachstum bei Unternehmensfinanzierungen rückläufig sein wird“, sagte er. Eine höhere Risikovorsorge habe die Bank bereits angedeutet. „Das Institut arbeitet aber weiter an seinen Kosten“, so Thomae.

Firmen- und Privatkunden gleichen Investmentbanking aus

Von diesen wachsenden Herausforderungen ist im Zahlenwerk des Instituts allerdings noch wenig zu sehen. Zwar schrumpfte der Vorsteuergewinn im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung. Deutlich höhere Gewinne im Firmen- und Privatkundengeschäft konnten diese Delle dafür aber mehr als ausgleichen.

Die Risikovorsorge für faule Kredite verdreifachte sich zwar auf 350 Millionen Euro. Die Bank hielt aber an ihrer Prognose fest, dass die Risikovorsorge im Gesamtjahr höchstens 0,25 Prozentpunkte des weiter wachsenden Kreditbuchs der Bank betragen wird. Im nächsten Jahr könnten die Belastungen allerdings höher ausfallen und nach Aussagen von Finanzchef James von Moltke auch ein paar wenige hundertstel Prozentpunkte über der „normalisierten Spanne“ von 0,2 bis 0,25 Prozentpunkten liegen.

Von einer Eintrübung im Geschäft ist bislang aber noch wenig zu spüren: Die Bank profitierte zum einen von den Zinserhöhungen der Notenbanken, zum anderen vom weiter wachsenden Kreditgeschäft. Beides sorgte für einen deutlichen Anstieg des Zinsüberschusses, der um ein Drittel höher ausfiel als im Vorjahr und das Ergebnis im zweiten Quartal um neun Prozent übertraf.

Die Schwäche im Investmentbanking wurde durch einen drastischen Rückgang im Emissions- und Beratungsgeschäft ausgelöst. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten ließ sich mit der Begleitung von Aktien- und Anleiheemissionen praktisch nichts mehr verdienen, mit der Beratung bei Börsengängen und anderen Kapitalmarktemissionen deutlich weniger als bislang. In diesen Bereichen hatte die Deutsche Bank Insidern zufolge zuletzt mehrere Dutzend Investmentbanker in London und New York entlassen.

Als stabiler Ertragsbringer behauptete sich dagegen der Anleihe- und Devisenhandel des Instituts, dessen Erträge deutlich über dem Vorjahreswert lagen. Mit einem Zuwachs um 38 Prozent ließ das Institut in diesem Feld auch mehrere Wall-Street-Häuser hinter sich. Im Vergleich zum zweiten Quartal nahm die Bank in dieser Sparte allerdings auch weniger ein.

IT-Projekt verzögert sich

Die Reaktion an der Börse fiel durchwachsen aus. Der Aktienkurs, der zum Monatsbeginn um rund 20 Prozent zugelegt hatte, veränderte sich nach kurzem Auf und Ab kaum. 

Zwar seien die Zahlen solide, und die Geschäfte verbesserten sich unter Vorstandschef Christian Sewing weiter, doch das sei nicht völlig überraschend, schrieb der Analyst der US-Bank JP Morgan, Kian Abouhoussein. Er verwies darauf, dass die Kosten höher als erwartet ausgefallen seien und sich der Aktienkurs in jüngerer Zeit bereits deutlich erholt habe.

Die Kosten des Instituts sanken im dritten Quartal zwar um acht Prozent auf fünf Milliarden Euro. Die um Umbaukosten und Bankabgaben bereinigten Ausgaben sind im Vergleich zum Vorjahr allerdings um vier Prozent auf 4,8 Milliarden Euro gestiegen.

350
Millionen Euro
für faule Kredite hat die Deutsche Bank im dritten Quartal zurückgelegt – dreimal so viel wie bisher.

Das lag der Bank zufolge in erster Linie an Wechselkurseffekten. Das Aufwand-Ertrag-Verhältnis lag bei 72 Prozent. Das heißt, die Bank gab 72 Cent aus, um einen Euro zu verdienen. 

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Schwieriger als geplant verläuft auch die Integration der IT-Systeme der Postbank in die Systeme der Deutschen Bank. Das „Projekt Unity“, mit dem die Bank im Privatkundengeschäft künftig 300 Millionen Euro im Jahr einsparen will, verzögert sich erneut. Nachdem die Bank den Abschluss der Integrationsarbeiten vor drei Monaten erst auf Anfang 2023 verschoben hatte, geht sie nun von einem Termin Mitte 2023 aus. 

Statt der zusätzlichen Kosten von 150 Millionen Euro ist nun von 200 Millionen Euro an Extraausgaben die Rede. Das liegt unter anderem daran, dass bis dahin die zwei getrennten Systeme sowie eine Testplattform weiterbetrieben werden müssen und zusätzliche Personalkosten anfallen.

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