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Quartalszahlen Die Coronakrise wird die US-Banken gleich dreifach belasten

Den US-Instituten droht der „Triple Whammy“: Stillstehende Wirtschaft, Rückstellungen für Kreditausfälle und niedrigere Leitzinsen drücken die Gewinne.
13.04.2020 - 12:55 Uhr Kommentieren
Das Covid-19-Virus wütet im Finanzzentrum der USA. Die Folgen werden auch die Wall-Street-Banken treffen. Quelle: AFP
Corona-Warnschild vor der Skyline von Manhattan

Das Covid-19-Virus wütet im Finanzzentrum der USA. Die Folgen werden auch die Wall-Street-Banken treffen.

(Foto: AFP)

Denver Die bevorstehende Bilanzsaison der US-Banken könnte für große Überraschungen sorgen. Mehrmals haben Analysten in den vergangenen Wochen ihre Prognosen nach unten korrigiert und dann wieder auf Lichtblicke verwiesen. „Dieser Quartalsausblick ist der schwerste unserer Karriere, weil es einfach keinen Präzedenzfall gibt“, räumte Chris Kotowski von Oppenheimer ein.

Die Coronakrise sei weder mit dem Markt-Crash von 1987 noch mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001, noch mit der globalen Finanzkrise vergleichbar. Die Analystenschätzungen könnten dieses Mal daher besonders ungenau sein und für weitere Korrekturen bei den Prognosen sorgen.

Klar ist jedoch: Amerikas Banken sind in der Coronakrise einem sogenannten „Triple Whammy“ ausgesetzt, wie es an der Wall Street umgangssprachlich heißt. Sie leiden gleich dreifach: unter dem Einbruch der Wirtschaft, die in Großteilen praktisch zum Stillstand gekommen ist. Unter Kreditausfällen und hohen Rückstellungen, die sie für künftige Ausfälle zurücklegen müssen. Unter dem Leitzins, den die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) im ersten Quartal in einer Notfallmaßnahme zurück auf die Spanne von 0 bis 0,25 Prozent gesetzt hatte, um die Wirtschaft, so gut es geht, zu stützen.

Investoren haben prompt reagiert: Der KBW-Bankenindex brach im ersten Quartal um 43 Prozent ein. Der breiter gefasste S&P-500-Index dagegen fiel mit einem Minus von 20 Prozent deutlich weniger stark. Zuletzt haben sich die Kurse jedoch wieder etwas erholt.

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    Analysten haben sich längst auf eine anhaltende Rezession eingestellt. Eine schnelle Erholung, auf die die US-Regierung zunächst gehofft hatte, ist immer unwahrscheinlicher geworden. Brian Kleinhanzl, Analyst der Investmentbank Keefe Bruyette & Woods, rechnet damit, dass die Gewinne für Universalbanken wie Branchenführer JP Morgan Chase und Bank of America in diesem Jahr um 58 Prozent sinken werden. Für 2021 erwartet er ein Minus von 50 Prozent.

    Die Auswirkungen im ersten Quartal dagegen werden vermutlich noch nicht ganz so stark sein, da sich die Coronakrise in den USA erst im März wirklich bemerkbar gemacht hat. Langfristig glaubt Kleinhanzl, dass vor allem JP Morgan und Goldman Sachs stärker aus der Krise hervorgehen könnten.

    „JP Morgan ist gut positioniert, um eine Rezession zu überstehen und danach stärker als viele andere Banken daraus hervorzugehen“, schrieb er in einer aktuellen Analyse. Die Bank könnte ihre Bilanzsumme nutzen, um Marktanteile zu gewinnen. Daher sei die Aktie des größten US-Finanzinstituts eine günstige Gelegenheit für Investoren, ihr Portfolio aufzubessern.

    Selbst im besten Fall, wenn die Erholung bereits nach sechs Monaten eintritt, werden globale Universal- und Investmentbanken in diesem Jahr keine Gewinne machen, geht aus einem Bericht von Morgan Stanley und der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman hervor. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sich die Banken auf hohe Verluste einstellen müssen. Denn die Institute, vor allem in den USA, sind besser kapitalisiert als vor der Finanzkrise 2008.

    „Doch die Profitabilität vor einer Krise war noch nie so niedrig“, heißt es in dem Bericht. Daher könnten die Folgen von Corona auch Schwachstellen in den Geschäftsmodellen einiger Banken offenlegen.

    Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass die Eigenkapitalrendite einiger Institute auf unter fünf Prozent rutschen könnte, deutlich unter die Marke von zehn Prozent oder mehr, die Investoren als gesundes Maß ansehen. Große Institute, die auf Skaleneffekte setzen können, würden daher besser durch die Krise kommen und vermutlich als Gewinner hervorgehen.

    JP Morgan startet die Quartalssaison am Dienstag, gemeinsam mit Wells Fargo. Am Mittwoch folgen Goldman Sachs, Bank of America und Citi. Morgan Stanley legt am Donnerstag Zahlen vor. Dabei könnten auch diese Themen wichtig werden:

    1. Das Handelsgeschäft und Anleiheemissionen boomen

    Trotz aller schlechten Nachrichten, eine Reihe von Banken wird Analystenschätzungen zufolge auch neue Rekorde verkünden können – vor allem im Handelsgeschäft. „Die Handelsumsätze der Investmentbanken sind aufgrund des hohen Transaktionsvolumens und höherer Spreads zwischen Angebot und Nachfrage stark gestiegen“, heißt es in einem neuen Report der Ratingagentur Standard & Poor’s.

    Die volatilen Märkte sorgten für eine Orderflut. Branchenschätzungen zufolge haben Goldman Sachs, Morgan Stanley, JP Morgan und Citi Rekordumsätze bei vielen Produkten verbucht, vor allem bei Aktien und Derivaten. Das sollte im Investmentbanking Schwächen beim Geschäft mit Fusionen und Übernahmen mehr als wettmachen.

    Auch die Anleiheemissionen waren stark gefragt. JP-Morgan-CEO Jamie Dimon ließ bereits am Montag in seinem Brief an die Aktionäre durchblicken, dass die Bank im ersten Quartal so viele Bonds für Unternehmen mit hoher Bonität emittiert habe wie noch nie. Jason Goldberg, Analyst von Barclays, geht davon aus, dass auch andere Institute in diesem Bereich stark sein werden. Um sich gegen ausbleibende Umsätze zu rüsten, haben Unternehmen neue Anleihen platziert und ihre Kreditlinien gezogen.

    Doch angesichts der Rekordumsätze fühlen sich einige Händler von JP Morgan und der Bank of America offenbar von ihren Vorgesetzten unter Druck gesetzt, früher zurück ins Büro zu kommen, berichten US-Medien. Die Arbeit funktioniere in den Handelssälen eben doch besser als von zu Hause, daher wittern einige Abteilungsleiter offenbar Wettbewerbsvorteile, wenn möglichst viele Mitarbeiter zurück an ihre Desks kommen.

    Wer nicht pariert, der fürchtet Einkommenseinbußen oder einen Jobverlust im kommenden Jahr, wenn die Arbeitsplatzgarantie der Institute aufgehoben wird. Das widerspricht jedoch der Ansage ihrer CEOs, die noch vergangene Woche versicherten, Mitarbeiter wann immer möglich von zu Hause arbeiten zu lassen.

    2. Wie gut funktioniert die Kreditvergabe an den Mittelstand?

    Die Banken spielen in der Coronakrise eine zentrale Rolle, um möglichst viele Kredite möglichst schnell in die Wirtschaft zu pumpen. Zum einen, indem sie ihre eigene Bilanzsumme verstärkt einsetzen. Und zum anderen als Mittler für die Programme des Finanzministeriums und der Notenbank. Die Zeit drängt, längst haben Unternehmen angefangen, in großem Stil ihre Mitarbeiter zu entlassen.

    Die Anträge auf Arbeitslosengeld schossen seit Mitte März auf mehr als 16 Millionen in die Höhe – so schnell verloren die Menschen in keiner anderen Krise ihre Jobs. Janet Yellen, die frühere Fed-Chefin, geht davon aus, dass die Arbeitslosenquote derzeit schon bei zwölf bis 13 Prozent liegen könnte und damit höher wäre als in der Finanzkrise 2008.

    Seit Anfang April können sich kleine und mittelständische Unternehmen nun für von der Regierung garantierte Kredite bewerben. Das 350 Milliarden Dollar schwere „Paycheck Protection Program“ (PPP) soll Unternehmen animieren, Mitarbeiter zu behalten und Mieten weiter zu zahlen. Wer sich an die Regeln hält, bekommt die Kredite später erlassen. Die Federal Reserve legte am Donnerstag noch einmal nach und brachte Programme im Umfang von 2,3 Billionen Dollar auf den Weg, um neben kleineren Gemeinden dem Mittelstand zu Hilfe zu kommen.

    Denn der Start des PPP verlief holprig, weshalb es verstärkt zu Spannungen zwischen der Wall Street und Washington kommt: Banken sind immer noch überwältigt von den vielen Anfragen. Sie verweisen auf die schlechte Vorbereitung und das schlechte System der Mittelstandsbehörde SBA, die die Gelder letztlich verteilt. Immer wieder stürzt das veraltete System der SBA ab, klagen Banker, was den ohnehin schon langwierigen Bearbeitungsprozess weiter verzögert.

    Der SBA zufolge wurden bis Freitagnachmittag 661.000 Kredite im Wert von 168 Milliarden Dollar bewilligt. Doch wie viele davon tatsächlich ausgezahlt wurden, ist nicht bekannt. Unternehmer und Verbände klagen, dass sie entweder nicht zu ihrer Bank durchkommen und wenn doch, immer noch keine Gelder bekommen haben.

    Mitarbeiter der SBA wiederum beschuldigen Banken, sie würden sich nicht genug für das Programm engagieren. Doch aufgrund des großen Andrangs könnte PPP schon bald um weitere 250 Milliarden Dollar ausgeweitet werden.

    Am Mittwoch milderte die Fed zudem eine Strafe gegen Wells Fargo ab, um die Kreditversorgung von Kleinunternehmen zu beschleunigen. Die Notenbank hatte dem Geldhaus 2018 einen Wachstumsstopp verordnet, bis die vielen Complianceverstöße um gefälschte Konten behoben seien. Seitdem darf die Bilanzsumme nicht über das Volumen von zwei Billionen Dollar steigen – jener Größe, die die Bank Ende 2017 hatte.

    Das Institut zählt jedoch die meisten kleinen und mittelgroßen Unternehmen zu seinen Kunden und ist daher in einer wichtigen Position, um die 350 Milliarden Dollar schweren Kredite aus Washington zu vergeben. Für Darlehen, die über das staatliche Programm vergeben werden, sei die Beschränkung vorübergehend aufgehoben, teilte die Fed mit.

    Doch auch auf eigene Initiative haben einige Banken die Kreditvergabe für den Mittelstand ausgeweitet. Goldman-Sachs-Chef David Solomon kündigte an, die verfügbaren Mittel in der Bilanzsumme auf 500 Millionen Dollar zu verdoppeln. Die Banken befinden sich allerdings in einem Dilemma. Sie wollen gerade jetzt für ihre Kunden da sein, aber andererseits nicht zu hohe Risiken eingehen, die später zu hohen Verlusten führen können.

    3. Wie steht es um die Dividende?

    Die großen Banken hatten Mitte März bereits gemeinsam angekündet, bis zum Ende des zweiten Quartals auf Aktienrückkäufe zu verzichten. Sheila Bair, die ehemalige Chefin der US-Einlagensicherung, hatte zudem einen Verzicht auf Boni und Dividenden gefordert.

    Das steht derzeit in den USA jedoch noch nicht zur Debatte, auch wenn eine Reihe von Instituten in Europa die Dividende bereits ausgesetzt hat. Die CEOs von Goldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of America und Citigroup haben zuletzt versichert, an der Dividende festhalten zu wollen.

    JP Morgan-CEO Dimon räumte in seinem Brief an die Aktionäre zumindest ein, dass die Ausschüttung in „einer extremen Situation“ wie einem Einbruch der Wirtschaftsleistung von 35 Prozent gestrichen werden könnte.

    Mehr: Welche Banken in der Coronakrise die Vorstandsvergütung kürzen – und welche nicht

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