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Quartalszahlen Glückliche Investoren, murrende Manager: UBS-Chef Hamers überzeugt nicht jeden

Die Gewinne sprudeln, die Kosten sinken: Ralph Hamers entwickelt sich zum Liebling der Investoren. Doch innerhalb der UBS erntet er Kritik.
20.07.2021 Update: 20.07.2021 - 14:58 Uhr Kommentieren
Die Schweizer Großbank hat glänzend verdient. Quelle: Reuters
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Die Schweizer Großbank hat glänzend verdient.

(Foto: Reuters)

Zürich Ralph Hamers weiß, was Investoren in diesen Tagen gern hören: „Wir wollen zur ersten Adresse bei Investitionen in die Energiewende werden“, sagte der Chef der Schweizer Großbank UBS am Dienstag bei der Präsentation der Quartalszahlen. Gleichzeitig betonte er, die Kosten weiter im Auge behalten zu wollen. „Wir steigern die Erlöse, wir steigern die Volumina.“ Aber er stelle sich immer wieder die Frage, wie er die Kosten zumindest konstant halten könne.

Doch intern trifft Hamers nach Handelsblatt-Recherchen nicht immer den Ton. Kritik entzündet sich etwa an dem eher vagen Unternehmenszweck, dem „Purpose“, den Hamers der UBS verordnet hat, wie mehrere Insider unabhängig voneinander bestätigen. „Wir bei UBS denken das Potenzial von Menschen und Investments neu, um gemeinsam eine bessere, faire und nachhaltige Welt für uns alle zu schaffen“ – so fasst die Bank ihren neuen Unternehmenszweck zusammen.

Bei Top-Managern löst die vielfache Wiederholung des Mottos mitunter Augenrollen aus. „Bei Hamers geht es immer nur um Purpose, Purpose, Purpose“, sagt ein hochrangiger Banker. Ansonsten bewege der seit knapp einem Jahr amtierende CEO wenig.

Die Kritik zeigt: Hamers hat zwar in den Augen der Aktionäre einen Einstand nach Maß geliefert. Doch mitunter fällt es dem Niederländer schwer, die gesamte Belegschaft der Bank vom eigenen Kurs zu überzeugen. Angesichts rekordverdächtiger Gewinne wird es zudem nicht leichter, weitere Kostensenkungsprogramme durchzusetzen. Der strategische Fokus auf die Wachstumsmärkte Asien und USA schürt zudem die Sorge, dass dies auf Kosten anderer Märkte, etwa Europa, gehen könnte.

Die Zahlen, die Hamers am Dienstag seinen Aktionären präsentierte, hätten jedoch kaum besser ausfallen können: Die UBS hat im zweiten Quartal die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Der Nettogewinn legte 63 Prozent auf zwei Milliarden Dollar zu. Analysten hatten gemäß einer Umfrage der Bank mit einem Überschuss von 1,34 Milliarden Dollar gerechnet.

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Der Vorsteuergewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 64 Prozent auf knapp 2,6 Milliarden Dollar. Die operativen Erlöse lagen mit knapp neun Milliarden Dollar 21 Prozent über dem Vorjahresniveau. Hauptgrund für den Gewinnsprung waren starke Zuwächse im Kerngeschäft: der Vermögensverwaltung und dem Geschäft mit Privat- und Unternehmenskunden. Ebenfalls enthalten in dem Ergebnis sind aufgelöste Rückstellungen für faule Kredite in Höhe von 80 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum musste die Bank noch 272 Millionen Dollar zurückstellen.

Gleichzeitig hält die Bank die Kosten niedrig: Das Verhältnis von Aufwand und Ertrag sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozentpunkte auf 71,8 Prozent – und fiel damit deutlich unter den selbst gesteckten Zielkorridor von 75 bis 78 Prozent. Die Eigenkapitalrendite lag mit 19,3 Prozent ebenfalls deutlich höher als die bankeigenen Ziele.

Die Analysten zeigten sich hochzufrieden: „Sehr starke Resultate über alle Bereiche hinweg“, kommentierte Andreas Venditi von der Bank Vontobel das Halbjahresergebnis. Anke Reingen, Analystin bei der Investmentbank RBC Capital Markets, ergänzte: „Die Kontrolle der Kosten ist ebenfalls ermutigend.“

Auch Hamers selbst sieht sich in seinem Kurs bestätigt: „Unsere Geschäftsentwicklung nimmt immer mehr an Fahrt auf, und unsere strategischen Entscheidungen und Initiativen tragen Früchte.“ So verweist er auf den Fokus auf nachhaltige Finanzanlagen: Allein acht Milliarden Dollar flossen im vergangenen Halbjahr in Investmentmandate, die sich Nachhaltigkeitskriterien verpflichten, ein substanzieller Anteil der insgesamt 25 Milliarden Dollar an Nettozuflüssen von Kundengeldern, die regelmäßige Gebühreneinnahmen generieren.

Große Hoffnungen setzt Hamers auch in die Digitalplattform „MyWay“, mit der wohlhabende Privatkunden ab 250.000 Dollar investiertem Vermögen ihr Portfolio mit wenigen Klicks anpassen können und einen direkten Überblick über erwartete Renditen im Verhältnis zum Risiko erhalten. Hamers hat zudem mit Mike Dargan einen Digitalexperten in den Rang eines Vorstands erhoben.

Dennoch kritisieren Insider, der CEO reiße viele Themen nur an und kündige Veränderungen an, betraue aber keinen konkreten Manager mit der Umsetzung. Am Rande eines Termins von Hamers mit Top-Managern sollen die Worte gefallen sein: „Er fliegt immer auf 30.000 Fuß Höhe. Das Problem ist, er landet nie.“

Der seit fast einem Jahr amtierende UBS-Chef hat der Bank einen neuen Unternehmenszweck verordnet. Quelle: AFP
Ralph Hamers

Der seit fast einem Jahr amtierende UBS-Chef hat der Bank einen neuen Unternehmenszweck verordnet.

(Foto: AFP)

Hamers war im September 2020 nach Zürich gewechselt und hatte nach einer Übergangsphase im November den CEO-Posten von Sergio Ermotti übernommen. Der Niederländer profitiert davon, dass sich die UBS bereits zu seinem Amtsantritt in guter Verfassung befand. Auch das günstige Marktumfeld gibt der Bank Rückenwind. „Das verschafft ihm Luft“, sagt ein Insider. Trotzdem mahnen Topmanager, dass die Zeit nicht ungenutzt bleiben dürfe. Ralph Hamers müsse jetzt Tempo machen. „Es muss bald etwas geschehen“, sagt ein Top-Banker.

Andere hochrangige Manager widersprechen dem Eindruck, dass bei der UBS eiliger Reformbedarf besteht. So sagt Roland Koch, ehemaliger hessischer Ministerpräsident und bis Ende Juni rund zehn Jahre Aufsichtsratschef der UBS Europe SE: „Die UBS ist so erfolgreich, dass sie nicht auf den Kopf gestellt werden muss.“ Die Erträge in der Vermögensverwaltung seien nach wie vor hoch. Daher sei der Fokus des UBS-Chefs klar: „Hamers wird vielmehr die Digitalisierung vorantreiben und konsequent Kosten herausnehmen.“

Auch deutet nichts darauf hin, dass sich Hamers auf den glänzenden Zahlen ausruht. Für das vierte Quartal kündigte er weitere strategische Updates und eine mögliche Anpassung der Zielkorridore etwa für Wachstum und Profitabilität an. Aus dem Unternehmenszweck hat Hamers die Strategie abgeleitet, die UBS zur einer führenden Plattform für nachhaltige Investments und Finanzierung umzubauen. Ein klarer Leitfaden, wie diese Strategie umgesetzt werden soll, dürfte ebenfalls bis Ende des Jahres fertiggestellt werden.

Auch sonst wird knapp ein Jahr nach seinem Amtsantritt Hamers’ Handschrift deutlicher erkennbar, etwa bei der Aufstellung der IT-Budgets. Auf einer Konferenz der US-Investmentbank Goldman Sachs im Juni verriet der UBS-Chef, dass er den Umbau der IT-Infrastruktur vorantreiben will, ohne die rund drei bis vier Milliarden Dollar IT-Budget steigern zu müssen.

Neuerdings entscheidet das Top-Management nicht mehr nur einmal pro Jahr, sondern einmal im Quartal, in welche IT-Projekte Geld fließen soll. So solle die Bank „agiler“ werden, sagt Hamers. Auch setzt er auf abteilungsübergreifende Teams, bei denen Hierarchien eine untergeordnete Rolle spielen, was für manche Banker noch immer ungewohnt ist.

Geschäft mit den reichen Privatkunden floriert

Fest steht: Die finanzielle Basis für den Reformprozess ist gesichert. Dazu trägt nicht zuletzt der wichtigste Geschäftsbereich, das Global Wealth Management, bei. In der Division ist das Geschäft mit reichen Privatkunden gebündelt. Dort stieg der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 47 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Dollar. Damit macht die Division die Hälfte des gesamten Vorsteuergewinns für die Bank aus.

Allerdings bekommt die UBS den Margendruck in der Vermögensverwaltung zu spüren: Die Gewinnspanne sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fünf Prozentpunkte auf 0,82 Prozent des verwalteten Vermögens. Bislang schlägt das jedoch noch nicht auf das Ergebnis der Vermögensverwaltung durch, da die UBS im großen Stil neue Kundengelder einwirbt. So steigerte die Sparte das verwaltete Vermögen, das wiederkehrende Gebühreneinnahmen abwirft, auf 1,4 Billionen Dollar.

Zudem stemmt sich die Sparte gegen den Verfall des Zinsergebnisses, indem sie im großen Stil Kredite ausreicht, die mit Wertpapieren der Kunden besichert sind. Das Investmentbanking der UBS liefert ebenfalls stabile Gewinne. Einen Rückgang im Handelsgeschäft im Vergleich zum extrem volatilen zweiten Quartal 2020 konnte die UBS mit starken Zuwächsen in der Beratung bei Fusionen und Übernahmen sowie im Geschäft mit Börsengängen kompensieren.

Setzt die UBS den Trend fort, könnte 2021 zu einem Rekordjahr werden. Es wäre der schnellste Weg für Hamers, seine internen Kritiker verstummen zu lassen.

Mehr: UBS und das Geschäft mit den Spacs: Die Bank gewinnt (fast) immer

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