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Quartalszahlen HSBC sendet Krisensignale – Bank steht vor harten Einschnitten

Schwache Zahlen zwingen Europas größte Bank HSBC, ihre Umbaupläne zu verschärfen. Das ist auch für den Rest der Branche ein Warnsignal.
28.10.2019 Update: 28.10.2019 - 17:04 Uhr Kommentieren
Der Gewinn des Geldhauses ist deutlich eingebrochen. Quelle: Eric TSCHAEN/REA/laif
HSBC-Zentrale in London

Der Gewinn des Geldhauses ist deutlich eingebrochen.

(Foto: Eric TSCHAEN/REA/laif)

Frankfurt Noel Quinn, der Interimschef des britischen Bankriesen HSBC, kann seinen Frust kaum verbergen. Für die guten Nachrichten in den Zahlen für das dritte Quartal von Europas noch immer mächtigstem Finanzhaus reicht ihm ein einziger Satz in der am Montagmorgen versendeten Pressemitteilung: „Teile unseres Geschäfts, vor allem in Asien hielten sich trotz des herausfordernden Umfelds gut“.

Doch danach folgen ungewöhnlich offene Worte, die zeigen, dass sich die 240 000 HSBC-Banker wohl oder übel auf harte Einschnitte gefasst machen müssen. In einigen Teilen der Bank sei die Leistung schlicht „nicht akzeptabel“, schimpft Quinn. Das betreffe vor allem die Aktivitäten in Kontinentaleuropa, Teile des Geschäfts in Großbritannien und die Vereinigten Staaten.

Im dritten Quartal brach der Vorsteuergewinn von HSBC um 18 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar ein. Das war deutlich stärker als von den Analysten erwartet, die lediglich mit einem Rückgang auf 5,3 Milliarden Dollar gerechnet hatten.

Quinn musste außerdem das Ziel für eine Eigenkapitalrendite von elf Prozent für das kommende Jahr kassieren. Entsprechend verschnupft reagierten die Investoren: HSBC-Aktien gehörten an der Börse in London zu den größten Verlierern. Sie fielen um bis zu 4,3 Prozent auf ein Zwei-Monats-Tief von 590 Pence und steuerten auf den größten Tagesverlust seit rund zweieinhalb Jahren zu.

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    Als Bank mit britischem Hauptsitz, die aber den Löwenanteil ihrer Erlöse in Asien erzielt, leidet HSBC besonders unter den geopolitischen Spannungen. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China, die Unruhen in Hongkong und das Brexit-Chaos brachten das Geldhaus in diesem Jahr ins Schlingern.

    Doch die Probleme von HSBC gehen deutlich tiefer als ein oder zwei schwache Quartale. Deshalb verordnet Interimschef Quinn dem Geldhaus auch einen deutlich härteren Umbau als bislang erwartet: „Unsere bisherigen Pläne reichen nicht mehr aus, um das Geschäft auf Vordermann zu bringen“, räumt der Manager ein.

    Grafik

    Auch wenn HSBC sich stark auf die Märkte in Asien konzentriert, ist Quinns Ankündigung ein schlechtes Omen für andere europäische Großbanken. Die gesamte Branche steckt tief in der Strukturkrise. Einer der wichtigsten Gründe dafür sind die chronisch niedrigen Zinsen mit negativen Sätzen im Euroraum und der Erwartung weiterer Zinssenkungen in den Vereinigten Staaten, wahrscheinlich bereits in dieser Woche.

    Zu Beginn dieses Jahres hatten die meisten Experten mit einer Normalisierung der ultralockeren Geldpolitik gerechnet. Doch stattdessen hat der scheidende Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario-Draghi, die Minuszinspolitik noch einmal verschärft und klargemacht, dass die Sätze noch weiter sinken könnten, sollte die befürchtete Abkühlung der Konjunktur in der Eurozone das nötig machen.

    Furcht vor faulen Krediten

    Die Verschlechterung der Aussichten für die Unternehmen in der Währungsunion wird die Banken nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg auch noch an einer anderen Stelle treffen. Die Analysten rechnen mit einer sukzessiv steigenden Risikovorsorge im Kreditgeschäft, die den Rentabilitätsdruck in der gesamten Branche weiter verstärken würde.

    Das Fazit der Experten: „Die Institute stehen in den kommenden Jahren vor großen strukturellen Herausforderungen.“ Der Spardruck werde anhalten, der Filialabbau weitergehen, und die Konsolidierung sich beschleunigen.

    Das sieht die Ratingagentur Standard & Poor‘s genauso. Die Bonitätswächter erwarten, dass der anhaltende Druck auf die Einnahmen Europas Banken dazu zwingt, endlich ihre chronischen Effizienzprobleme anzugehen.

    Allerdings befürchtet Richard Barnes von S&P, dass die Institute mit ihren Anstrengungen nur langsam vorankommen werden, und die Profitabilität der Geldhäuser auf absehbare Zeit viele Wünsche offen lassen wird. Deshalb droht die Ratingagentur damit, die Bonitätsnote von Banken herabzustufen, die sich nicht schnell genug an das deutlich schwierigere Umfeld anpassen.

    S&P warnt, dass Europas Banken im Schnitt 2020 lediglich eine Eigenkapitalrendite von rund sieben Prozent erreichen werden, das wäre weniger als ihre Kapitalkosten, die die Experten auf acht bis zehn Prozent schätzen.

    Dabei gibt es bei der Profitabilität der Geldhäuser enorme Unterschiede. Während die besten Banken auf Renditen von zwölf bis 14 Prozent kommen, kümmern die Renditen der schlechtesten Institute in der Nähe der Nulllinie vor sich hin, wenn sie nicht ohnehin Verluste machen.

    So wie die Deutsche Bank, die im ersten Halbjahr 2019 wegen ihres tiefgreifenden Umbauplans einen Verlust von 3,2 Milliarden Euro gemeldet hat. Das Frankfurter Geldhaus wird am kommenden Mittwoch seine Zahlen für das dritte Quartal vorlegen.

    Für das Gesamtjahr 2019 erwarten die Analysten von Independent Research einen Verlust von knapp drei Milliarden Euro. Die Commerzbank verdiente in den ersten sechs Monaten dieses Jahres unter dem Strich zwar 390 Millionen Euro. Aber auch das reichte nur für eine Eigenkapitalrendite von 3,1 Prozent.

    Auch Commerzbankchef Martin Zielke hat inzwischen eine neue Strategie verkündet. Trotz des Umbaus verspricht er den Investoren bis 2023 nur eine Eigenkapitalrendite von vier Prozent.

    In Deutschland droht bei HSBC der Wegfall von zehn Prozent der Stellen
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