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Quartalszahlen JP Morgan und Goldman Sachs überraschen positiv – Boom im Investmentbanking

Zum Auftakt der Berichtsaison melden die US-Banken große Gewinnsprünge. Dennoch blicken die Manager nur verhalten optimistisch nach vorn.
13.07.2021 - 17:54 Uhr Kommentieren
Für die großen Institute der Wall Street zeichnet sich eine neue Phase nach der Coronakrise ab. Quelle: E+/Getty Images
Blick auf das Bankenviertel

Für die großen Institute der Wall Street zeichnet sich eine neue Phase nach der Coronakrise ab.

(Foto: E+/Getty Images)

New York Die Investmentbanker sind wieder die Stars an der Wall Street. Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen boomt in diesem Jahr. Nach der durch die Coronakrise bedingten Flaute gibt es in Amerikas Unternehmenswelt einiges aufzuholen. Amerikas größte Bank, JP Morgan Chase, hat in der Sparte das beste Ergebnis aller Zeiten erzielt, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Die Gebühren aus dem Beratungsgeschäft sowie aus der Emission von Aktien und Anleihen lagen bei 3,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auch beim US-Rivalen Goldman Sachs glänzten die Investmentbanker, die an den größten Deals des vergangenen Quartals beteiligt waren. Dazu zählen der Zusammenschluss von Warner Media mit Discovery und Microsofts 16 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Nuance Communications.

Für die großen Institute der Wall Street zeichnet sich damit eine neue Phase nach der Coronakrise ab. Die Banken sind deutlich besser durch die Pandemie gekommen als zunächst angenommen, was auch an den billionenschweren Hilfsprogrammen lag, die die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und die Regierung in Washington auf den Weg gebracht haben.

Nun müssen sich die Institute auf eine neue Normalität einstellen. Die Erträge aus dem Handel mit Aktien und Anleihen waren im vergangenen Jahr ein wichtiger Gewinntreiber. Doch die Lage an den Märkten hat sich seitdem beruhigt, was auch an dem erfolgreichen Start der Impfkampagne und der damit verbundenen Öffnung der Wirtschaft lag. Bei JP Morgan brachen die Handelseinnahmen um 30 Prozent ein, bei Goldman lag das Minus bei 32 Prozent. Die gute Lage im Investmentbanking konnte diese Einbrüche nur zum Teil abfedern.

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Goldman Sachs profitierte auch vom starken Wachstum in der Vermögensverwaltung, zu der auch das Geschäft mit Private-Equity-Investments gehört. Der Bereich meldete Rekorderträge im Wert von 5,1 Milliarden Dollar – ein Plus von 144 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und deutlich mehr, als Analysten erwartet hatten.

Goldman konnte damit sowohl den Gewinn als auch die Erlöse im zweiten Quartal steigern. Der Nettogewinn lag mit 5,5 Milliarden Dollar fast doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor, als die Bank wie andere Institute Rückstellungen für ausfallgefährdete Kredite bilden musste. Diese kann die Bank nun nach und nach abbauen, was die Gewinne zusätzlich steigert. Die Erträge legten um 16 Prozent auf 15,2 Milliarden Dollar zu.

Goldman-CEO David Solomon lobte die „strategischen Fortschritte“ der Bank und gab sich verhalten optimistisch. „Obwohl sich die Wirtschaft erholt, haben unsere Kunden und Gemeinden Probleme, die Pandemie zu überwinden“, gab er zu bedenken.

JP Morgan Chase konnte den Quartalsgewinn im Vergleich zum Vorjahr insgesamt mehr als verdoppeln, auf 11,95 Milliarden Dollar. Auch hier war es vor allem der Abbau der Risikovorsorge, der die Gewinne so stark nach oben schnellen ließ.

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Diese Effekte sind jedoch nicht von Dauer. Amerikas größte Bank konnte den Einbruch im Handelsgeschäft anders als Goldman nicht so einfach abfedern. Die Erträge sanken um acht Prozent auf 30,5 Milliarden Dollar.

Universalbanken in Übergangsphase

Gerade die Universalbanken wie JP Morgan befinden sich in einer Übergangsphase. Verbraucher und Unternehmen „sind in außergewöhnlich guter Verfassung, während die Wirtschaft weiterwächst“, sagte JP-Morgan-CEO Jamie Dimon. Das sei positiv, weil dadurch deutlich weniger Kredite ausfielen als zunächst angenommen. Die Ausfallraten seien besser als erwartet, mit einem Minus von 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die US-Regierung, zunächst unter dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump und nun unter Joe Biden, hat die Bürger immer wieder gestützt, unter anderem mit Konsumschecks, aber auch mit einem Mietmoratorium, das das Aufschieben von Mietzahlungen ermöglichte. Kleine und mittelständische Unternehmen profitierten von großzügigen Hilfsprogrammen, um Arbeitsplätze zu sichern. Die Verbraucher hätten dies genutzt, um ihre Schulden abzubezahlen, wie JP Morgans Finanzchef Jeremy Barnum im Gespräch mit Journalisten erläuterte.

Zugleich drückt das jedoch auf die Kreditnachfrage. Immerhin: Die Zahlungen mit Kredit- und Debitkarten ziehen wieder an, wie die Bank am Dienstag ebenfalls mitteilte. Gerade für Reisen und Unterhaltung würden Amerikaner wieder deutlich mehr ausgeben. Analysten gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Krediten erst in einigen Quartalen wieder steigen wird.

Auch bei Unternehmen ist der Bedarf derzeit nicht besonders groß, wie CFO Barnum einräumte. „Viele Konzerne haben sich schon zu Beginn der Pandemie an den Kapitalmärkten mit neuer Liquidität eingedeckt und sind nun in guter Verfassung“, erklärte er.

JP Morgan will auch bei IPOs in Hongkong helfen

Dass Peking die Regeln für Börsengänge chinesischer Firmen in den USA verschärft, hält Barnum unterdessen für kein großes Problem. JP Morgan könne Firmen auch bei künftigen Börsengängen in Hongkong helfen, falls IPOs in den USA künftig schwieriger würden.

JP Morgan war maßgeblich an dem Börsengang des chinesischen Fahrdienstanbieters Didi beteiligt. Die Papiere waren kurz nach dem Börsengang deutlich eingebrochen, nachdem die chinesische Regierung den Vertrieb der App online verboten hatte. Medienberichten zufolge hatten die Behörden in China bereits vor dem Handelsstart Ende Juni ihre Widerstände zum geplanten Börsengang geäußert. Das Unternehmen wollte jedoch nicht von seinen Plänen abweichen.

Ob JP Morgan im Vorfeld von den Bedenken der Behörden wusste, wollte die Bank am Dienstag nicht kommentieren. Nur so viel: „Unser Due-Diligence-Prozess ist robust“, stellte Barnum klar.

Die Aktie von JP Morgan lag zum Handelsstart in New York im Minus. Das Goldman-Papier gab in einem schwachen Markt um 1,7 Prozent nach. Insgesamt jedoch gehören die Bankaktien zu den großen Gewinnern in diesem Jahr. JP Morgan legte seit Anfang Januar 23 Prozent zu, Goldman sogar über 40 Prozent. Der breit gefasste Leitindex S&P 500 stieg dagegen nur um 18 Prozent.

Für Anleger waren die Papiere also lukrativ. Zumal die großen Wall-Street-Häuser in den kommenden Quartalen deutlich mehr Kapital an die Aktionäre ausschütten werden. Nach bestandenen Stresstests Ende Juni hatte die Fed als wichtiger Bankenregulierer den Weg für höhere Dividenden und üppige Aktienrückkaufprogramme frei gemacht. Während der Coronakrise hatte die Fed den Banken Beschränkungen auferlegt, um sicherzugehen, dass sie mit genügend Kapital durch die Krise kommen.

Mehr: Starke Gewinne, schrumpfende Erträge: US-Banken müssen sich auf neue Realitäten einstellen.

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