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Quartalszahlen US-Banken vom Virus infiziert: Gewinne bei JP Morgan und Wells Fargo brechen ein

Die Zahlen von Branchenführer JP Morgan und Wells Fargo liefern einen ersten Einblick in die Schäden, die das Virus in der Wirtschaft und an der Wall Street verursacht.
14.04.2020 - 17:59 Uhr Kommentieren
Die US-Bank hat wegen des Coronavirus einen Gewinneinbruch erlitten. Quelle: AFP
JP Morgan

Die US-Bank hat wegen des Coronavirus einen Gewinneinbruch erlitten.

(Foto: AFP)

Denver, Frankfurt Das Coronavirus hat die Erfolgsserie der US-Banken beendet. Nach Jahren mit Rekordgewinnen befinden sich die großen Institute nun im Krisenmodus. Der Gewinn von JP Morgan Chase, Amerikas größter Bank, brach im ersten Quartal um 69 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar ein, der tiefste Wert seit 2013. Bei Wells Fargo, dem Institut mit den meisten kleinen und mittelständischen Unternehmenskunden, fiel der Gewinn um 89 Prozent auf 653 Millionen Dollar.

Die beiden Institute eröffneten am Dienstag die Bilanzsaison der Banken und gaben einen ersten Eindruck, wie sich die Coronakrise auf die Ergebnisse der Wall-Street-Häuser auswirken wird.

Verglichen mit der Konkurrenz aus Europa hatten die US-Banken bislang einen entscheidenden Vorteil: Sie haben die Finanzkrise deutlich schneller hinter sich gelassen und gerade unter US-Präsident Donald Trump von Steuersenkungen und einem boomenden Arbeitsmarkt profitiert. Das füllte ihnen die Kassen: JP Morgan machte allein 2019 einen Gewinn von gut 36 Milliarden Dollar – so viel wie noch nie eine Bank zuvor.

Doch weil das soziale Netz in den USA viel dünner ist als in Europa, schlägt die Coronakrise nun auch deutlich schneller durch: Die Anträge auf Arbeitslosengeld sind seit Mitte März so stark gestiegen wie noch nie zuvor. Die 22 Millionen Arbeitsplätze, die seit der Finanzkrise geschaffen wurden, könnten in den vergangenen vier Wochen wieder zunichtegemacht worden sein, glaubt Torsten Slok, Chefökonom der Deutschen Bank.

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    Das bekommen auch die Banken zu spüren. Sie werden von der Coronakrise gleich dreifach getroffen: von der stillstehenden Wirtschaft, von hohen Rückstellungen für Kreditausfälle und von niedrigeren Leitzinsen, die die US-Notenbank Federal Reserve im März auf fast null senkte.

    JP Morgan musste die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite jetzt deutlich anheben. Sie stieg auf 8,3 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr lag sie noch bei 1,5 Milliarden. Die Eigenkapitalrendite, ein wichtiges Maß für die Profitabilität von Banken, fiel von 16 auf vier Prozent.

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    „Ob die Risikovorsorge ausreichen wird, ist extrem schwer vorherzusagen“, gibt Octavio Marenzi von der Kapitalmarktberatung Opimas zu bedenken. Schließlich steht eine weitere Welle an Entlassungen bevor – mit dem Risiko, dass immer weniger Amerikaner oder auch Firmen in Existenznot ihre Kredite bedienen können. „Das könnte für die Bank einen Verlust im zweiten Quartal bedeuten“, glaubt Marenzi. Es wäre der erste Quartalsverlust seit der Finanzkrise 2008.

    Angst vor einer schweren Rezession

    JP-Morgan-Chef Jamie Dimon hatte bereits Anfang April in einem Brief an die Aktionäre gewarnt, dass die Bank nicht immun gegen die schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise sein werde. Am Dienstag ging er von einer „ziemlich schweren Rezession“ aus und sprach von „nie dagewesenen Herausforderungen“ im Auftaktquartal, das normalerweise das stärkste für die Banken im Jahresverlauf ist.

    Dimon, der nach einer Notoperation am Herzen Anfang März wieder voll arbeitet, plädierte dafür, die US-Wirtschaft möglichst schnell wieder zu öffnen, „aber es muss auf eine Art und Weise passieren, die sicher ist“, stellte er in einer Telefonkonferenz mit Journalisten klar.

    Wie stark sich die Krise auf die Kreditqualität auswirken werde, hänge auch davon ab, wie schnell die vielen Rettungsprogramme der Regierung greifen, betonte JP Morgans Finanzchefin Jennifer Piepszak. Erste Konsumschecks in Höhe von 1200 Dollar sind an Verbraucher verschickt worden, wie die Steuerbehörde IRS am Wochenende mitteilte.

    Aus dem 350 Milliarden Dollar schweren „Paycheck Protection Program“ (PPP), über das Banken vom Staat gedeckte Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen vergeben, habe JP Morgan derzeit neun Milliarden Dollar ausgezahlt. Doch überall kommt es zu Verzögerungen und die Zeit drängt. Selbst gesunde Mittelständler in den USA haben kaum Reserven, um schwere Umsatzeinbußen über mehr als zwei Monate zu verkraften.

    Viele Unternehmenskunden haben im ersten Quartal ihre Kreditlinien ausgereizt, insgesamt im Wert von 50 Milliarden Dollar, erklärte Dimon. Im März vergab die Bank mehr als 25 Milliarden Dollar an zusätzlichen Krediten an Unternehmen. Auch die Nachfrage nach neuen Kreditkarten zog an. „Allein im März haben wir eine halbe Million neue Konten für unsere Kreditkartenkunden eröffnet“, erklärte Dimon. Aber für das stark gewachsene Kreditkartengeschäft ist eine hohe Risikovorsorge nötig. Deshalb brach der Gewinn im Konsumentengeschäft mit 95 Prozent besonders stark ein.

    Die Krise bringt die Banken in ein Dilemma. Sie betonen, für ihre Kunden gerade in schwierigen Zeiten da zu sein. Gleichzeitig wollen sie sich nicht zu hohe Risiken aufladen. Schließlich ist das Ausmaß des Einbruchs immer noch nicht abzusehen.

    Gewinn bei Wells Fargo bricht ein

    Auch Wells Fargo steht vor diesem Problem und spürt die Folgen der Coronakrise bereits deutlich. Der Gewinn schrumpfte auf 653 Millionen Dollar nach 5,9 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Erträge brachen um 18 Prozent ein auf 17,7 Milliarden Dollar. Auch das Institut aus San Francisco erhöhte deutlich die Risikovorsorge, um für eine Welle an Kreditausfällen gerüstet zu sein: Sie beträgt nun rund vier Milliarden Dollar, ein Plus von mehr als drei Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahr. Weitere 950 Millionen Dollar fielen für Abschreibungen auf Wertpapiere an.

    „Wir haben umfassende Schritte unternommen, um Kunden, Mitarbeitern und Kommunen zu helfen. Für unsere Kunden haben wir unter anderem Zwangsvollstreckungen für Wohnimmobilien ausgesetzt, Gebühren gestrichen und Zahlungsaufschübe gewährt“, betonte Bankchef Charlie Scharf, der das krisengeplagte Institut seit Ende Oktober führt.

    Allein von den Gebührenaussetzungen profitierten mehr als 1,3 Millionen Privat- und Firmenkunden. Letztere hätten zudem allein im März über 80 Milliarden Dollar an Kreditzusagen in Anspruch genommen. Die bankeigene Stiftung spende daneben 175 Millionen Dollar für Lebensmittel, Wohnraum und Gesundheitsleistungen an Opfer der Krise, erklärte Scharf.

    Wells Fargo zeigt sich mit den aktuellen Zahlen besonders anfällig für den von US-Ökonomen erwarteten heftigen Konjunktureinbruch. Wie stark die Bank die Erwartungen der Analysten im ersten Quartal verfehlt hat, zeigt ein Blick auf die Schätzungen. So hatten die Analysten im Schnitt einen Gewinn von 38 Cent je Aktie erwartet – am Ende lag der Wert bei einem Cent.

    Die Westküstenbank trifft die Krise zu einem besonders heiklen Zeitpunkt. Wells Fargo kämpft immer noch mit den Folgen eines gigantischen Reputationsskandals. Über Jahre hinweg hatten Angestellte Scheinkonten für Kunden ohne deren Wissen angelegt, um interne Wachstumsvorgaben zu erfüllen und Prämien einzustreichen. CEO Tim Sloan stürzte 2019 über den Skandal; als externen Aufräumer heuerte die Bank Scharf an. Erst im Februar einigte sich Wells Fargo mit den ermittelnden Behörden auf eine drei Milliarden Dollar schwere Strafzahlung, um den Großteil des Skandals abzuschließen.

    Gerade Wells Fargo, die Bank mit der größten Anzahl von kleinen und mittelständischen Unternehmen, ist von der Flut von Anfragen nach den Krediten von der Regierung überwältigt. Zwar milderte die Fed einen bestehenden Wachstumsstopp für die Bank, der es ihr nun ermöglicht, deutlich mehr staatlich gestützte Kredite zu vergeben. Doch Wells Fargo forderte ihre Kunden bereits mehrfach auf, sich auch bei anderen Häusern um die Kredite zu bewerben, weil die Kapazitäten der Bank schlicht überlastet seien.

    Nur der Wertpapierhandel boomt

    An diesem Mittwoch legen Goldman Sachs, Bank of America und Citigroup ihre Quartalsergebnisse vor. Analysten erwarten ein ähnliches Bild: Gewinneinbrüche und hohe Risikovorsorgen. Die Institute werden jedoch – wie auch JP Morgan – von einem starken Wertpapierhandel profitieren. Der Branchenführer meldete Rekordumsätze in Höhe von 7,2 Milliarden Dollar. Die Umsätze aus dem Aktienhandel steigen in den turbulenten Märkten um 28 Prozent, der Anleihehandel legte sogar um 34 Prozent zu.

    Auch bei den Neuemissionen von Anleihen mit hoher Bonität verbuchte JP Morgan einen Rekord. Unternehmen seien sehr bedacht darauf, sich mit ausreichend Liquidität zu versorgen, erklärte Dimon. Daher hätten viele nicht nur ihre Kreditlinien gezogen, sondern sich auch zusätzlich am Kapitalmarkt frisches Geld besorgt.

    JP Morgan hält, wie andere Institute auch, vorerst an der Dividende fest, und kaufte bis Mitte März Aktien im Wert von sechs Milliarden Dollar zurück. Die großen Banken hatten danach gemeinsam angekündigt, bis zum Ende des zweiten Quartals auf Aktienrückkäufe zu verzichten.

    Sheila Bair, die ehemalige Chefin der US-Einlagensicherung, hatte auch einen Verzicht auf Boni und Dividenden gefordert. Das steht derzeit in den USA jedoch noch nicht zur Debatte, auch wenn eine Reihe von Instituten in Europa die Dividende bereits ausgesetzt haben. Die CEOs von Goldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of America und Citigroup haben zuletzt versichert, nicht an der Dividende rütteln zu wollen.

    JP Morgan-Chef Dimon räumte in seinem Brief an die Aktionäre zumindest ein, dass die Ausschüttung in „einer extremen Situation“, wie einem Einbruch der Wirtschaftsleistung von 35 Prozent, gestrichen werden könnte. Derzeit rechnen die Ökonomen der Bank jedoch eher mit einem weniger schlimmen Szenario.

    Insgesamt gab sich Dimon, der am längsten amtierende Chef einer großen US-Bank, voller Tatendrang. Seine Notoperation habe nichts an seinen Plänen geändert, die Bank noch mehrere Jahre führen zu wollen, betonte er. Ihm gehe es „blendend“, er arbeite gern, und er hoffe mit Blick auf die Corona-Pandemie, dass „wir als Gesellschaft lernen, was wir besser machen können“.

    Mehr: US-Ökonom Rogoff warnt vor „Krise einer neuen Dimension“.

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