Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Railsbank-Chef Nigel Verdon „Nicht jeder bei Wirecard ist ein Krimineller“

Das Londoner Fintech Railsbank kauft das Geschäft der britischen Wirecard-Tochter WDCS. Gründer Nigel Verdon erklärt, warum sich das Vorhaben lohnt.
03.09.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Railsbank-Chef Verdon über Kauf der britischen Wirecard-Tochter WCDS Quelle: Reuters
Passanten im Finanzdistrikt von London

Bei dem Deal des Fintechs Railsbank geht es ausschließlich um das Kartengeschäft, nicht um die Zahlungsabwicklung für Händler.

(Foto: Reuters)

London Wirecard-Kritiker wie der Shortseller Chris Hohn hatten behauptet, bei dem Skandalkonzern aus Aschheim gebe es nichts zu retten. Der britische Finanzdienstleister Railsbank sieht das anders: Er verkündete vergangenen Freitag den Kauf des Vermögens der britischen Wirecard-Tochter Wirecard Card Solutions (WDCS).

Bei dem Deal gehe es ausschließlich um das Kartengeschäft, nicht um die Zahlungsabwicklung für Händler, betont Railsbank-Gründer Nigel Verdon. Die Zahlungsabwicklung, bei der Wirecard mit dubiosen und erfundenen Kunden die Umsätze aufgeblasen hatte, fasse man nicht an. Das Kartengeschäft hingegen sei solide. Man habe sich auch andere Wirecard-Töchter angeschaut, sagt der Vorstandschef. Aber abgesehen von WDCS gebe es kein nennenswertes Kartengeschäft im Wirecard-Reich.

Die im englischen Newcastle beheimatete WDCS gibt seit 2011 Prepaid-Kreditkarten für eine Reihe bekannter Marken heraus. Je größer die Zweifel an der deutschen Mutter wurden, desto mehr Firmen kappten ihre Bande zu WDCS. Zu den ehemaligen Kunden zählen die Fintech-Unternehmen Transferwise, Revolut, Monzo und Curve.

Kampf um die verbliebenen Kunden

„Einige Kunden sind gegangen, aber es ist immer noch ein gutes Portfolio, das es lohnenswert macht“, sagt Verdon. Seine erste Aufgabe ist es, einen weiteren Exodus zu verhindern. Den Imageschaden, der mit dem Namen Wirecard verknüpft ist, will er durch den guten Ruf von Railsbank wettmachen. „Wir nutzen die Sicherheit unserer Marke, um dies in Ordnung zu bringen“, sagt er. Railsbank ist eine Open-Banking-Plattform, die eine Vielzahl von Finanzdienstleistungen ermöglicht.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Über den Kaufpreis und andere Details hüllt Verdon sich noch in Schweigen, solange die Verträge nicht final unterschrieben sind. Railsbank kauft nur das Kundenportfolio und die Technologie von WDCS. Die Firmenhülle bleibt im Besitz der Wirecard Aquiring and Issuing GmbH, die wiederum der Wirecard AG gehört.

    Railsbank-Chef Nigel Verdon über Kauf der britischen Wirecard-Tochter WCDS Quelle: Railsbank
    Railsbank-Gründer Nigel Verdon

    „Einige Kunden sind gegangen, aber es ist immer noch ein gutes Portfolio.“

    (Foto: Railsbank)

    Als Teil des Deals wird Railsbank auch einige der 150 Mitarbeiter von WDCS übernehmen. „Wirecard hatte eine Menge guter Leute“, sagt Verdon. „Es waren nur ein paar schwarze Schafe, die das Geschäft zerstört haben.“ Railsbank hat zudem 25 ehemalige Mitarbeiter der Wirecard AG eingestellt und ein Büro in München eröffnet.

    „Der Enron-Moment für Fintechs“

    „Ich appelliere an die Branche: Lasst uns vernünftig sein, nicht jeder bei Wirecard ist ein Krimineller“, sagt Verdon. Die große Mehrheit sei gut ausgebildet, kenne das Geschäft und arbeite hart. „Als Branche müssen wir sie unterstützen.“ Er zieht einen Vergleich zu den Pleiten des US-amerikanischen Energiekonzerns Enron und der US-Investmentbank Lehman Brothers: Deren Mitarbeiter seien ja auch weiterhin gefragt gewesen.

    Der Wirecard-Skandal sei „der Enron-Moment des Fintech-Sektors“, sagt Verdon. Das gelte besonders für das Kartengeschäft, weil viele bekannte Marken die Plattform von WDCS genutzt hätten. Das führte Ende Juni dazu, dass Hunderttausende Kunden in Großbritannien ihre Kreditkarten zeitweise nicht mehr nutzen konnten, nachdem die Finanzaufsicht FCA der Wirecard-Tochter den Betrieb untersagt hatte. Das Vertrauen der Kunden in die Fintech-Branche sei erschüttert, sagt Verdon. „Wir müssen nun hart arbeiten, um es wiederzugewinnen.“

    Stärkere Regulierung des Sektors notwendig

    Zunächst will er sicherstellen, dass die Migration der Konten von WDCS zu Railsbank glattläuft. Bis November will er sie abgeschlossen haben, die Kartenbesitzer sollen nichts davon merken. Die Kartenfirmen Visa und Mastercard hätten spezielle Teams bereitgestellt, um den Prozess zu beschleunigen, sagt Verdon. Man suche mit jedem Kunden das Gespräch, um eine individuelle Lösung zu finden. Die Migration der Kunden sei in diesem Jahr die größte Herausforderung, sagt Verdon. Damit hätten seine 150 Mitarbeiter alle Hände voll zu tun.

    Langfristig fordert er die Branche auf, für eine bessere Regulierung einzutreten. Man brauche feste Abwicklungspläne wie im Bankensektor, damit eine Insolvenz künftig geordnet ablaufen könne. Der Wirecard-Skandal sei nicht das Ende des Fintech-Booms, aber er sei eine gute Gelegenheit, um die Regulierung auf einen angemessenen Standard zu bringen.

    Einen nachhaltigen Schaden für den Finanzstandort Deutschland sieht Verdon nicht. „Wir waren alle schockiert, weil wir so etwas in Deutschland nicht erwartet hätten“, sagt der Ire. Das Image des Landes habe nun eine Delle, aber die Institutionen würden sich davon erholen.

    Mehr: Was Wirecard-Investoren jetzt machen können.

    Startseite
    Mehr zu: Railsbank-Chef Nigel Verdon - „Nicht jeder bei Wirecard ist ein Krimineller“
    0 Kommentare zu "Railsbank-Chef Nigel Verdon: „Nicht jeder bei Wirecard ist ein Krimineller“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%