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Ralph Hamers Dieser Mann soll die Großbank UBS in die digitale Zukunft führen

Der neue UBS-Chef gilt als Visionär. Sein bisheriges Haus ING hat er auf die Zukunft ausgerichtet. Doch im Alltagsgeschäft unterliefen ihm einige Fehler.
20.02.2020 - 18:20 Uhr Kommentieren
Der Niederländer gilt als Visionär und starker Redner. Quelle: Bloomberg
Ralph Hamers

Der Niederländer gilt als Visionär und starker Redner.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Es war ein Auftritt, wie er zu Ralph Hamers passt: Mit Einstecktuch und Smartphone in der Hand präsentierte sich der ING-Vorstandschef auf dem Handelsblatt-Bankengipfel – und präsentierte sich als dem Tagesgeschäft bereits enteilter Vordenker.

„Wovon andere reden, das machen wir längst“, lobte der Niederländer die Digitalisierungsstrategie seiner ING. „Die Zukunft des Bankings ist nicht nur digital“, so Hamers, „sondern mobil. Banken müssen sich dem anpassen.“ Jeder könne heute Bankprodukte anbieten, vor allem auch Digitalkonzerne wie Amazon und Google. Aber nur wenige könnten das schnell, einfach, an jedem Ort und zu jeder Zeit. Ihne gehöre die Zukunft.

Hamers, 53, verheiratet und Vater von Zwillingen, stammt aus dem Dorf Simpelveld an der Grenze zu Aachen. Er studierte BWL an der Universität Tilburg, arbeitete kurz als Logistikmanager für General Motors und fing 1989 ein Traineeprogramm bei ABN Amro an, der in der Finanzkrise beinahe untergegangenen niederländischen Investmentbank. Seit 1991 ist er bei ING, seit 2013 Konzernchef. Im Herbst übernimmt er den CEO-Posten bei der Schweizer Großbank UBS, wie am späten Mittwochabend bekannt wurde.

ING-Insider äußern Bedauern über seinen Weggang. Hamers sei ein Visionär und starker Redner, vor allem habe er früher als andere verstanden, worauf es im Bankgeschäft der Zukunft ankomme: die Eroberung der digitalen Welt. Diese Überzeugung habe er gelebt und auch nach außen verkauft, so die weitverbreitete Meinung.

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Standort erkennen

    Während sich manche Bankchefs in den Zahlen verlieren, blüht Hamers im Kontakt mit Menschen auf, wirkt sympathisch und nahbar. Den großen Auftritt beherrscht er, erhält bei Konferenz lauten Applaus. Ein Hauch von Zukunft weht durch den Saal, jedes Mal, wenn Hamers sein Smartphone auspackt und gut gelaunt die Zukunft erklärt.

    In der europäischen Finanzszene genießt Hamers als Digitalvorreiter folgerichtig einen ausgezeichneten Ruf. Doch in seinem Heimatland ist der Niederländer sehr viel umstrittener. Ein Grund dafür ist der in aller Öffentlichkeit ausgetragene Streit um sein Gehalt.

    2018 sollte Hamers Vergütung von rund zwei auf drei Millionen Euro steigen – ein Plus von 50 Prozent, aber nur ein Zehntel dessen, was Bankchefs an der Wall Street verdienen und auch deutlich unter dem Durchschnitt in Europa. Nach heftigen Protesten in den Niederlanden kassierte der Aufsichtsrat den Plan wieder. Hamers signalisierte damals im Handelsblatt-Interview Verständnis für die Empörung: Der Aufsichtsrat müsse bei seiner Entscheidung über ein Gehaltspaket alle Interessengruppen berücksichtigen, dabei seien „klar Fehler begangen“ worden. In Finanzkreisen hieß es allerdings, dass Hamers mehr und mehr mit dem Standort Niederlande fremdle.

    Dazu trugen auch die lebhaften Diskussionen um einen Geldwäscheskandal bei, in den die ING verwickelt war, und der die Bank 775 Millionen Euro und ihren Finanzchef den Job kostete. Auch in diesem Fall räumte Hamers Versäumnisse ein. Die Bank habe ihre „Rolle als Wächter, der verhindert, dass Kriminelle das Finanzsystem missbrauchen, nicht gut genug erfüllt.“ Der Skandal belastet den Ruf von ING, aber auch Hamers Reputation, in der Heimat bis heute. Und auch in anderen Ländern gab es Geldwäscheprobleme: In Italien gilt bis heute ein Aufnahmestopp für Neukunden.

    Nicht sehr entscheidungsfreudig

    Ein ING-Topbanker nennt Vorfälle wie diese denn auch die Hauptschwäche Hamers: „Er ist distanziert und interessiert sich eher fürs Visionäre als fürs Tagesgeschäft.“ Zwar habe er die Macht der Zentrale gegenüber den Ländereinheiten ausgebaut. Doch zu oft sei Hamers dann „nicht sehr entscheidungsfreudig“ aufgetreten und habe in schwächelnden Märkten wie etwa Frankreich die Dinge laufen lassen.

    „Hamers ist dem Plattformgedanken hinterhergelaufen“, erzählt der Topbanker. „Viel erreicht hat er dabei aber nicht.“ Die Plattformidee ist so etwas wie das Herzstück von Hamers Zukunftskonzept.

    „Dank der Digitalisierung können wir ohne klassische Filialen zur Hausbank werden, weil jeder Kunde seine Filiale in der Hosentasche hat, im Smartphone“, sagte Hamers 2019 dem Handelsblatt. Dort biete die Bank dem Kunden ihre Plattform an: „Und dann können wir weitere Produkte an den Mann bringen.“ Beispielsweise will ING gemeinsam mit dem französischen Branchenriesen Axa Versicherungen anbieten. Real kam es aber nur zu Testläufen. Aus der Idee eines großen ING-Portals für viele Lebenslagen ist bis heute nichts geworden.

    „Hamers hat das perfekte Timing für seinen Abgang gewählt“, glaubt denn auch der Topmanager. Die großen Linien sind vorgezeichnet – die mühsame Umsetzung müssen andere besorgen. Bei UBS könne Hamers jedoch viel bewegen: „Auch die Vermögensverwaltung für Reiche braucht dringend die Digitalisierung.“ Der Kostendruck sei aufgrund des hohen Wettbewerbs hoch, die Prozesse müssten effizienter werden, so der Insider.

    Klingt nach einem Job für Hamers. Leicht wird er nicht. Die Schweizer UBS gilt als verschlossene Bank, als traditionsbewusst, die Zentrale am Züricher Paradeplatz manchen sogar als „Schlangengrube“. Hamers weiß: Mit luftigen Visionen allein wird er dort nicht lange überleben. Ein Mitglied des UBS-Führungszirkels spricht denn auch gleich eine Mahnung an „den Holländer“ aus, was die Zukunftsplanung angeht: „Hamers braucht jeden von uns. Ohne Hilfe kann er das nicht. Sonst müsste er die Bank neu erfinden.“

    Mehr: Der CEO der niederländischen ING-Gruppe spricht im Interview über neue Filialen in Deutschland, nachhaltiges Banking – und seine Gespräche mit der Commerzbank.

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