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Razzia wegen Kartellverdacht EU ermittelt gegen Banken wegen Zinsmanipulationen

Als ob die europäischen Banken derzeit nicht genug Sorgen haben – jetzt kommt eine weitere Baustelle dazu. Die EU ermittelt gegen zahlreiche große Häuser. Es wurden im großen Stil Dokumente sichergestellt.
19.10.2011 Update: 19.10.2011 - 11:21 Uhr 6 Kommentare
Die Skyline der Innenstadt von Franfurt am Main. Quelle: dpa

Die Skyline der Innenstadt von Franfurt am Main.

(Foto: dpa)

Brüssel Eine weitere Hiobsbotschaft für die Finanzindustrie: Wegen des Verdachts auf Zinsmanipulationen hat die EU-Kommission mehrere auf dem Derivate-Markt tätige Unternehmen durchsucht und Dokumente zahlreicher großer Banken beschlagnahmt. Die genaue Anzahl der betroffenen Finanzinstitute ist aber noch unklar. Namen der betroffenen Unternehmen oder Länder nannte die EU-Behörde nicht.

Die Nachrichtagentur Reuters berichtet, dass die Londoner Niederlassung der Deutschen Bank ist durchsucht wurde. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte, die Ermittler seien auch beim deutschen Branchenprimus gewesen. Die Bank wollte sich dazu nicht äußern.

Die Banken sind am Dienstag durchsucht worden. Das Wall Street Journal zitiert einen Angestellten bei einer Londoner Bank mit den Worten: "Es war eher ein Besuch als ein Überfall." Unter den durchsuchten Instituten war auch eine deutsche Großbank.

Die Ermittler gingen dem Verdacht nach, dass die Finanzhäuser möglicherweise versucht haben, den Euribor-Zinssatz zu ihren Gunsten zu manipulieren. Es werde vermutet, dass es zu einem Marktkartell gekommen sei, teilte die Kommission am Mittwoch mit. Falls sich herausstellt, dass die Unternehmen schuldig sind, kann die EU-Behörde hohe Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes eines Unternehmens verhängen.

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    Beim Euribor (European Interbank Offered Rate) handelt es sich um den Zinssatz, den europäische Banken untereinander beim Handel von Einlagen mit einer festgelegten Laufzeit von einer Woche bis zwölf Monate verlangen. Er ist einer der wichtigsten Referenzzinssätze. So werden die Euribor-Werte unter anderem als Berechnungsgrundlage für andere Zinsprodukte wie etwa Swaps oder Futures genutzt.

    Welche Banken am meisten Kapital brauchen
    Royal Bank of Scotland wird zerschlagen
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    Das meiste frische Kapital wird die Royal Bank of Scotland (RBS) brauchen. Da sind sich die Analysten der drei Institute einig. Um die 19 Milliarden Euro wird die Bank anhäufen müssen, schätzen die Experten.

    (Foto: dpa)
    The headquarters of Germany's largest business bank Deutsche Bank is pictured in Frankfurt
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    Auch für die Deutsche Bank sieht es nicht gut aus. Während Morgan Stanley einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 12,5 Milliarden Euro sieht, rechnet Credit Suisse sogar mit 14 Milliarden Euro zusätzlichem Kapital. Die unterschiedlichen Werte resultieren aus den verschiedenen Szenarien, die den Berechnungen zugrunde gelegt wurden. Vor allem die Höhe des Haircuts für die europäischen Krisenstaaten ist maßgeblich.

    (Foto: Reuters)
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    Der Chef der französischen BPCE, Francois Pérol, hat schwere Zeiten vor sich. Auch sein Institut braucht laut Studien rund 12 Milliarden Euro. Die französischen Volksbanken und Sparkassen sind im Sommer 2009 zu der zweitgrößten Bankengruppe Frankreichs zusammengewachsen.

    (Foto: AFP)
    Moody's downgrades french banks
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    Mit der Société Générale braucht eine weitere französische Bank über 11 Milliarden Euro Kapital. Während Morgan Stanley einen Bedarf von 11,4 Milliarden Euro sieht, schätzt Credit Suisse diesen sogar auf 13 Milliarden Euro. Die Landesbank Baden-Württemberg liegt mit ihren Berechnung im gleichen Rahmen.

    (Foto: dpa)
    A man hires a Barclays sponsored bicycle from a cycle rack in London
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    Auch beim britischen Institut Barclays gehen die Meinungen etwas auseinander. Während Credit Suisse von einem Kapitalbedarf in Höhe von 13 Milliarden Euro ausgehen, halten die Landesbank Baden-Württemberg und Morgan Stanley rund 11 Milliarden Euro für nötig.

    (Foto: Reuters)
    File photo of a man walking past the entrance of the French BNP Paribas bank headquarters in Paris
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    Im Ranking der Credit Suisse schneidet die BNP Paribas am drittschlechtesten ab. Sie soll 14 Milliarden Euro brauchen. Weit weniger schlecht schätzen Morgan Stanley und die Landesbank Baden-Württemberg die Lage des französischen Instituts ein. Sie rechnen mit einem Kapitalbedarf von 9,8 bis knapp 12 Milliarden Euro.

    (Foto: Reuters)
    huGO-BildID: 21378890 FILE - This Sept. 21 2010 file photo shows the Unicredit Bank headquarters in Milan, Italy. Unicredit, Italy's largest bank, sa
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    Die italienische Unicredit wird ebenfalls unterschiedlich bewertet. Die Landesbank Baden-Württemberg hält Unicredit nach der Royal Bank of Scotland für am kapitalbedürftigsten. Auch die Analysten von Credit Suisse schätzen immerhin noch einen Kapitalbedarf von rund 12 Milliarden Euro. Morgan Stanley geht von 9,5 Milliarden Euro aus.

    (Foto: dapd)

    Preisabsprachen zum Schaden von Konkurrenten oder Verbrauchern sind in der EU verboten. Allerdings betonte die Kommission, dass bisher nur ein Anfangsverdacht vorliege und Durchsuchungen noch kein Beleg für die Schuld der Firmen seien. „Die Kommission hat den Verdacht, dass die Unternehmen EU-Recht verletzt haben, das Kartelle und unlautere Geschäftspraktiken verbietet“, schrieben die Kartellwächter.

    Nicht zum ersten Mal geraten Europas Banken ins Visier der Kommission. Im April ging die EU-Kommission Manipulationsvorwürfen bei der Ermittlung des Londoner Interbankensatzes Libor nach. Mehrere europäische Banken wurden damals von Brüssel aufgefordert, über ihre Teilnahme an der Libor-Berechnung Auskunft zu erteilen, nachdem der Verdacht aufgekommen war, dass Banken auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008 ein Interesse gehabt haben könnten, den Satz zu manipulieren. Auch die Deutsche Bank und die West LB wurden damals überprüft.

    • rtr
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    6 Kommentare zu "Razzia wegen Kartellverdacht: EU ermittelt gegen Banken wegen Zinsmanipulationen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das ist nur ein weiteres Manöver der EU-Politik, um "den Banken" die Schuld zuzuschieben und weiter zu schwächen, um sie besser zur weiteren Kreditvergabe erpressen zu können. Typischer Ablauf: spektakuläre öffentliche Beschuldigung, die Medien glauben es (weil es zur Volksstimmung, die von Politik und Medien aufgebaut wurde, gut passt) und verbreiten es weiter. Wenn es sich als Unsinn herausstellt, ist der Schaden schon angerichtet. Da die Zinssätze realistisch nie zu hoch waren (eher zu niedrig), besagt schon die simpelste Logik, das die Vorwürfe Unsinn sind.

    • Die harten Bandagen, mit denen die Banken und Politiker gegen das Volk kämpfen, müssen durch das Volk mit noch härteren Bandagen beantwortet werden.

    • Die Politik bescheißt uns, die Banken verarschen uns, die EU erpresst uns! Wann wacht das deutsche Volk auf? Veränderung sind nur über die Straße zu erreichen, es
      wird kein ehrlicher Politiker kommen, der uns rettet...

    • Das Bankenbashing geht mir zu weit! Bei allem Ärger über durchgeknallte Finanzjongleure oder Kreditbürokraten. Ich denke, dass jetzige Getue geht zu weit. Ja, auch ich habe mich die letzten Jahre schon mal über kleinliche "Finanzierungsexperten" oder niedrige FG-Konditionen geärgert aber Leute, lasst mal die Kirchen - die Bank im Dorf! Seit vielen vielen Jahren leisten die meisten deutschen Banken sehr gute Arbeit, sind guter Ausbilder, grosszügige Arbeitgeber und haben bis 2008 noch gute FG-Zinsen von 5 % gezahlt! Das haben wir alles gern angenommen,oder! Ich habe zumindest nie nachgefragt wie die das gemacht haben. Die aktuelle Schelte, insbesondere der Linken (und da muss man die Merkel ja wohl mitzählen auch wenn sie es nie zugeben würde) im Lande ist widerlich und verschleiert, dass gerade politiknahe Institute Verursacher der Krise 2008 (USA) und 2011, (EU) sind. Mir ist es immer sehr suspekt wenn ausgerechnet die Bildzeitung, die Linke, die Regierung und das "Volk" ein und denselben Buhmann auserkoren haben! Da stimmt was nicht!

    • Viele Gründe sprechen gegen die Trennung, wie man lesen kann. Die meisten könneten aus einem PR-Prospekt von Banken stammen und sind für den normalen Geschäftsalltag akzeptabel.

      Ein wichtger Grund spricht aber dafür. Die Risikentrennung. Die Realwirtschaft soll bei zu hohen Risiken im Investmentbanking wenig in Mitleidenschaft gezogen werden.

      Das gesellschaftliche Interesse muß über dem der Banken stehen. Persönlich gehe ich noch einen Schritt weiter. Das Interesse der Banken muß dem der Realwirtschaft untergeordnet werden.

      Die Börse muß wieder ein Handelsplatz werden und darf nicht länger ein Wettbüro sein.

    • 9% sind lächerlich angesichts der Risiken. Mindestens 30% wären angemessen!

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