Report: Der unbequeme Herr Gottschalk: Aufsichtsratschef konfrontiert Commerzbank mit einer neuen Welt
Der Aufsichtsratschef hat sich für mehr Bodenständigkeit bei der Commerzbank eingesetzt.
Foto: dpaFrankfurt. Anzug, Krawatte, Einstecktuch, dazu ein dünnes, aber durchaus verbindliches Lächeln – Helmut Gottschalk sieht genau so aus, wie man sich den ehemaligen Chef der Volksbank Herrenberg-Nagold-Rottenburg vorstellt. Nur, dass der 70-Jährige heute nicht mehr in der schwäbischen Provinz residiert, sondern in den oberen Etagen des Commerzbank-Hochhauses, das die Skyline der Finanzmetropole Frankfurt prägt.
Und genau hier beginnen die Probleme: Als Gottschalk vor gut einem Jahr zum Aufsichtsratschef der zweitgrößten deutschen Privatbank gewählt wurde, haben ihn viele unterschätzt. Der freundliche ältere Herr aus der eher beschaulichen Welt der Genossenschaftsbanken werde das Management schon machen lassen, dachten viele Führungskräfte. Heute ist ihnen klar: Sie lagen komplett falsch.
Gottschalk kontrolliert den Commerzbank-Vorstand intensiver und kritischer als viele seiner Vorgänger. Das sei überfällig angesichts der desaströsen Entwicklung in der zurückliegenden Dekade, sagen die Unterstützer des Schwaben. Auch mehr Bodenständigkeit tue dem Institut gut. „Einige Vorstände gerieren sich hier schließlich so, als arbeiteten sie für Morgan Stanley oder Goldman Sachs“, moniert ein Insider.