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Restrukturierungen Finanzmanager für den Ausnahmezustand sind gefragt wie nie zuvor

Die Coronakrise verändert das Beratungsgeschäft und das Investmentbanking. Jetzt sind wieder Experten gefragt, die Firmen durch schwierige Zeiten steuern.
27.03.2020 - 19:12 Uhr Kommentieren
In der Krise suchen Firmen wieder Beratung bei Spezialisten für Restrukturierung. Quelle: dpa
Dunkle Wolken über Frankfurts Bankentürmen

In der Krise suchen Firmen wieder Beratung bei Spezialisten für Restrukturierung.

(Foto: dpa)

Frankfurt Gut ein Jahrzehnt lang hatten sie kaum etwas zu tun: Experten für die Restrukturierungen von Unternehmen in Schieflage waren in den wirtschaftlich goldenen Zeiten mit lockeren Kreditkonditionen und stetigem Wachstum in den meisten Branchen fast überflüssig geworden.

Mit der Coronakrise sind die Spezialisten in den Unternehmensberatungen und Investmentbanken aber über Nacht wieder in den Fokus gerückt. Sie wissen, was in Ausnahmesituationen zu tun ist.

Einer der erfahrensten ist Ralf Moldenhauer, Senior Partner bei der Unternehmensberatung BCG. Er glaubt, dass zunächst pragmatische Finanzierungslösungen gefragt sind. Das seien zum Beispiel einfache Kreditverlängerungen oder eine bessere Ausnutzung bestehender Kreditlinien. Es würden alle klassischen Instrumente gefragt sein. „Aktuell stehen vor allem liquiditätssichernde und -freisetzende Maßnahmen im Vordergrund. In sechs bis acht Wochen sind es dann eher die ergebnisverbessernden Maßnahmen“, sagt Moldenhauer.

Liquidität stellen Finanzinstitute sowohl über Vergabe von Krediten auf eigenes Risiko als auch durch die Koordination von staatlichen Hilfsangeboten zur Verfügung. „Der Fokus der Aktivitäten liegt daher eindeutig im Bereich Finanzierung. Das Geschäft der Investmentbanker mit Börsengängen und der Begebung von Anleihen wird dagegen voraussichtlich erstmal deutlich zurückgehen“, erwartet Robert Urtheil, Managing Director und Financial-Services-Experte beim internationalen Beratungsunternehmen Alix Partners.

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    Notverkäufe von Firmen und Konzernteilen

    Im Investmentbanking wird es ebenfalls tiefgreifende Veränderungen geben. Notleidende Firmen und Konzernteile werden im Rahmen von Fusionen und Übernahmen (M&A) in Notverkäufen abgestoßen. „Es ist davon auszugehen, dass Distressed M&A und Firesales eine höhere Bedeutung haben werden.

    Denn ein ‚Durchschleppen‘ von notleidenden Tochtergesellschaften und Beteiligungen aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel wird nicht möglich sein“, meint der BCG-Experte. Ergänzend dazu seien die von der Politik aktuell auf den Weg gebrachten Maßnahmen ein wichtiger Bestandteil für Finanzierungslösungen.

    In dieser Woche hat der Bund ein beispielloses Hilfspaket auf die Beine gestellt, mit dem er Familien, Mieter, Beschäftigte, Selbstständige und Unternehmen unterstützt. Bundestag und Bundesrat beschlossen gleich mehrere große Schutzschirme und umfangreiche Rechtsänderungen. Mit einem Nachtragshaushalt von 156 Milliarden Euro will die Bundesregierung den Konjunktureinbruch abmildern.

    Das Coronavirus hat die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession gestoßen. Jan Hatzius, Chefvolkswirt von Goldman Sachs, erwartet, dass das Bruttosozialprodukt weltweit um rund ein Prozent fallen wird. „Das wäre stärker als in dem Jahr nach der Weltfinanzkrise“, analysiert der Experte. Für ihn wird das Ausmaß dieses „plötzlichen Stopps“, den die Weltwirtschaft erleidet, beim Anschauen der Quartalsvergleiche deutlicher. Es zeige sich, dass es sich nicht nur um eine globale Rezession handele.

    Auf der Basis von harten Daten für die Monate Januar und Februar in China rechnet Goldman Sachs damit, dass das Sozialprodukt im annualisierten Quartalsvergleich um 42 Prozent einbricht. In den USA sagt die Bank einen Einbruch um 24 Prozent im zweiten Quartal in den USA aus. Das wäre zweieinhalb Mal stärker als im bisher schlechtesten Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg.

    Konsolidierung wird in Zukunft beschleunigt

    „Voraussichtlich lässt sich im zweiten oder dritten Quartal besser beurteilen, wie sich die Pandemie auf die Wirtschaft und damit auf die erzeugten Güter und Dienstleistungen, also das Sozialprodukt, auswirken wird und wie zügig eine Erholung vonstatten gehen wird“, sagt Tibor Kossa, Co-Chef M&A für den deutschen Markt bei Goldman Sachs.

    Unabhängig davon würden die Folgen der Pandemie die Konsolidierung in den verschiedenen Industrien sicherlich beschleunigen. Auch bei Unternehmen, bei denen der Umbau noch nicht so weit fortgeschritten war, dürfte sich die Krise als Beschleuniger für eine Neuausrichtung erweisen.

    Das könnte dann auch wieder verstärkt für Aktivisten attraktiv sein, die die niedrigen Bewertungen nutzen werden, sobald sich das Umfeld stabilisiert habe. Notkapitalerhöhungen, wie man sie in der Finanzkrise 2008/2009 im Bankensektor gesehen habe, stünden aktuell nicht an.

    Ein längerfristiges Einfrieren der Unternehmen – mit Ausnahme bestimmter Branchen wie zum Beispiel Luftverkehr oder Touristik – ist laut BCG-Analyse nicht möglich. „Es ist eher zu erwarten, dass sich die Unternehmen nach einer Schockstarre und den kurzfristig überlebenssichernden Maßnahmen darauf konzentrieren, ihre Geschäftsmodelle nachhaltig zu restrukturieren“ , sagt Moldenhauer.

    Für die angesprochenen Kurzfristmaßnahmen sind Spezialisten für Cash-Management oder kurzfristiges Kostenmanagement gefragt. Die kontinuierliche Beobachtung und Steuerung des Geschäftskapitals stehe neben der Sicherung von neuen Finanzierungsquellen im Vordergrund, beobachtet Alix-Partners-Berater Urtheil.

    Hohe Bewertungen sind vorbei

    Neben den klassischen Restrukturierungsexperten werde es einen deutlichen Bedarf an Arbeitsrechtlern und Beihilfeexperten geben. Sehr wahrscheinlich würden auch die Preise für Unternehmen fallen. „Sicherlich ist kurzfristig in den kommenden vier bis acht Wochen keine starke M&A-Aktivität zu erwarten“, sagt Moldenhauer. Das Distressed-M&A-Volumen werde zunehmen.

    Allerdings werden in den Krisen auch die Weichen für den Erfolg danach gestellt. „Die letzte Finanzkrise hat gezeigt, dass in solchen Phasen die künftigen Marktführer entstehen. Die Sondierung von strategischen Opportunitäten, die sich durch solche Disruptionen ergeben, sollte also gerade im Krisenmodus nicht zu kurz kommen“, sagt Berater Urtheil.

    Sinn machten zum Beispiel Transaktionen, die auf einem Aktientausch basierten, vor allem wenn sich die Aktienkurse der Unternehmen ähnlich entwickelt haben, heißt es bei Goldman.

    Mehr: M&A-Experte: „Rückabwicklung von Käufen wegen Covid-19 ist schwierig“

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