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Robuste Quartalszahlen Commerzbank warnt vor Jahresverlust – Fall Wirecard trifft Institut offenbar hart

Die Commerzbank ist bislang glimpflicher durch die Coronakrise gekommen als befürchtet. Für das Gesamtjahr rechnet die Bank aber mit roten Zahlen.
05.08.2020 Update: 05.08.2020 - 10:51 Uhr 1 Kommentar
Ein Großaktionär aus Los Angeles erhöht seinen Anteil an der Bank. Quelle: dpa
Logo der Commerzbank vor der Zentrale in Frankfurt

Ein Großaktionär aus Los Angeles erhöht seinen Anteil an der Bank.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Coronakrise und die Wirecard-Pleite wird die Commerzbank voraussichtlich in die roten Zahlen drücken. Bei der Vorstellung ihres Ergebnisses für das zweite Quartal warnt die von einem Aktionärsaufstand und einer Führungskrise erschütterte Bank vor einem Verlust für das Gesamtjahr 2020.

Bislang hatte das Geldhaus trotz der Pandemie einen Gewinn für möglich gehalten. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Nettoverlust von 320 Millionen Euro, die Bank selbst gab keine Schätzung zur Höhe des voraussichtlichen Fehlbetrags ab.

Nach all den Rückschlägen der vergangenen Wochen kann die Commerzbank aber zumindest einen kleinen Erfolg verbuchen: Im zweiten Quartal schnitt das Geldhaus besser als erwartet ab. Der Nettogewinn sank von April bis Juni zwar auf 220 Millionen Euro von 279 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, allerdings hatten die Analysten im Schnitt einen noch größeren Rückgang auf 95 Millionen Euro erwartet. Das kam bei den Anlegern gut an: Die Aktie gewann bis zu sechs Prozent.

Das operative Ergebnis sank um 34 Prozent auf 205 Millionen Euro. Die Erträge konnte die Bank um knapp sieben Prozent auf 2,3 Milliarden Euro steigern, die operativen Kosten sanken um 3,3 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro.

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    Während im Privat- und Firmenkundengeschäft ein operativer Gewinn von 112 Millionen Euro anfiel, rutschte die Commerzbank im Unternehmensgeschäft in die roten Zahlen und meldete einen Verlust von 89 Millionen Euro. Dafür war vor allem die höhere Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite verantwortlich, die von 178 Millionen Euro auf 469 Millionen Euro in die Höhe schnellte.

    Kritische Nachfragen zur Risikovorsorge

    Auslöser für die höhere Risikovorsorge war neben der Coronakrise auch die Pleite des Skandalkonzerns Wirecard. Einen 200 Millionen Euro schweren Kredit an den Konzern musste das Geldhaus, das im September 2018 von Wirecard aus dem Dax verdrängt wurde, offenbar zu großen Teilen abschreiben. In der Mitteilung zum Quartalsergebnis ist von „einem großen Einzelfall“ mit einem Volumen von 175 Millionen Euro die Rede. Der scheidende Vorstandschef Martin Zielke hatte den kollabierten Zahlungsanbieter aus Aschheim bei München einst als „guten Kunden“ bezeichnet.

    Die Finanzchefin sieht keinen Grund für mehr Vorsicht. Quelle: Reuters
    Bettina Orlopp

    Die Finanzchefin sieht keinen Grund für mehr Vorsicht.

    (Foto: Reuters)

    Die Commerzbank hob wegen des Wirecard-Kredits die Jahresprognose für die Risikovorsorge auf 1,3 Milliarden bis 1,5 Milliarden Euro an. Einigen Analysten kommt dies wohl zu optimistisch vor, wie kritische Nachfragen in einer Telefonkonferenz von Finanzchefin Bettina Orlopp mit Analysten zeigt. Denn die Risikovorsorge der Commerzbank besteht bislang zu rund 80 Prozent aus tatsächlich geplatzten Krediten, nur ein kleiner Teil wurde als pauschaler Puffer zurückgelegt.

    Orlopp verteidigte das mit dem Hinweis darauf, dass die Bank ihr Kreditbuch gründlich durchleuchtet habe und keinen Grund für mehr Vorsicht habe entdecken können.  

    Willkommene Entlastung

    Vorstandschef Zielke betonte: „Wir haben im zweiten Quartal trotz Corona ein positives Ergebnis erzielt und konnten unsere Kunden tatkräftig bei der Bewältigung der Pandemiefolgen unterstützen. Das hat in diesen Zeiten oberste Priorität.“ Dabei zahle sich für ihn aus, die Bank in den vergangenen Jahren robuster und digitaler aufgestellt zu haben. Zum befürchteten Jahresverlust äußerte sich Zielke nicht.

    Die robusten Quartalszahlen dürften eine willkommene Entlastung für die Commerzbank sein, allerdings haben die Frankfurter mitten in der Coronakrise auch noch immer alle Hände voll damit zu tun, das Vakuum an der Führungsspitze zu füllen. Nach einem vom Großinvestor Cerberus angezettelten Aktionärsaufstand hatten sowohl Vorstandschef Martin Zielke als auch Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann ihren Rücktritt angekündigt.

    Seit Dienstag hat die Bank zumindest wieder einen neuen Chefkontrolleur, den Ex-Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) Hans-Jörg Vetter. Cerberus hatte zwar versucht, die Wahl von Vetter zum Aufsichtsratschef „wegen ernsthafter Zweifel“ an dessen Erfahrung und Fähigkeiten zu verhindern. Dennoch wählte der Aufsichtsrat am Montag den 67-Jährigen einstimmig zu seinem neuen Vorsitzenden.

    Der neue Aufsichtsratschef muss zunächst einen neuen Vorstandsvorsitzenden finden. Quelle: dpa
    Hans-Jörg Vetter

    Der neue Aufsichtsratschef muss zunächst einen neuen Vorstandsvorsitzenden finden.

    (Foto: dpa)

    Nach seiner gerichtlichen Bestellung am Dienstag kann Vetter nun seine Arbeit offiziell aufnehmen. Und auch Cerberus hat inzwischen signalisiert, dass man den Streit nicht weiter eskalieren lassen will, sondern mit Vetter zusammenarbeiten möchte.

    Oberste Aufgabe des neuen Aufsichtsratschefs und seiner Kollegen wird die Suche nach einem Nachfolger für Vorstandschef Zielke sein, der spätestens Ende des Jahres die Commerzbank verlässt. Als interne Favoriten für den Vorstandsvorsitz gelten Firmenkundenchef Roland Boekhout und Finanzchefin Orlopp.

    Vetter stand von 2009 bis 2016 an der Spitze der Landesbank Baden-Württemberg. Er brachte das Geldhaus wieder in die Gewinnzone, nachdem die Landesbank in der Finanzkrise 2008 wegen riskanter Kreditgeschäfte ins Schlingern geraten war und mit Geldspritzen und Garantien ihrer öffentlichen Eigner gerettet werden musste.

    Davor sanierte er die Bankgesellschaft Berlin, die sich mit Immobiliengeschäften verhoben hatte. Cerberus monierte unter anderem, dass Vetter bislang kein börsennotiertes Institut geleitet hat und dass er wegen seines Alters eigentlich nur ein Übergangskandidat sein könne.

    Neue Strategie verzögert sich

    Mit einem Anteil von gut fünf Prozent ist der Finanzinvestor zweitgrößter Commerzbank-Aktionär hinter dem Bund, der nach der Rettung des Instituts in der Finanzkrise vor gut einem Jahrzehnt noch 15,6 Prozent an dem Frankfurter Geldhaus hält. Cerberus war im Sommer 2017 bei der Commerzbank eingestiegen – seitdem hat die Aktie rund 60 Prozent an Wert verloren.

    Die Suche nach einer neuen Führungsspitze verzögert auch die Suche nach einer neuen Strategie. Zur künftigen Strategie äußerte sich Orlopp nicht. Sie betonte nur, man habe „große Fortschritte bei der Überarbeitung“ gemacht.

    Die nachgeschärften Pläne sehen Finanzkreisen zufolge bisher den Abbau von 10.000 Stellen und die Schließung der Hälfte der Filialen vor, um die Rendite auf das materielle Eigenkapital mittelfristig auf sieben Prozent zu heben.

    Noch in diesem Jahr wird es nach Worten Orlopps Programme zum freiwilligen Ausscheiden von Mitarbeitern geben. Dazu werde die Bank im weiteren Jahresverlauf in geringem Umfang Restrukturierungskosten buchen. Das Gros der Restrukturierungskosten könne aber erst gebucht werden, wenn die Bank mit den Arbeitnehmern über das volle Sparpaket zu verhandeln beginnt. Die Bank hofft, für den bereits beschlossenen Umbauplan noch in diesem Jahr rund 200 Millionen Euro an Kosten zu verbuchen, soweit es die Gespräche mit den Arbeitnehmern erlauben.

    Ursprünglich wollte die Commerzbank ihren verschärften Sparkurs zusammen mit den Halbjahreszahlen der Öffentlichkeit vorstellen. Doch angesichts des anstehenden Führungswechsels verzögert sich die Verabschiedung der neuen Strategie. In der am Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung ist von den Plänen keine Rede. Dazu, wie schnell über einen neuen Vorstandschef entschieden werden könnte, äußerte sich Finanzchefin Orlopp nicht.

    Dafür kündigte sie an, dass die Bank ihr Kostenziel nachgeschärft habe. Jetzt strebt die Commerzbank „eine Kostenbasis leicht unter dem Niveau des Geschäftsjahres 2019 an“. Dazu tragen unter anderem Einsparungen durch niedrigere Reise- und Veranstaltungskosten bei. Außerdem deutete Orlopp an, dass die Bank Büroraum einsparen könnte. 

    Mehr: Wie es zum Eklat um Cerberus und die Commerzbank kam

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    1 Kommentar zu "Robuste Quartalszahlen: Commerzbank warnt vor Jahresverlust – Fall Wirecard trifft Institut offenbar hart"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Also ist die Abschreibung auf das Wirecard Desaster ähnlich hoch wie die Kosten für Abfindungsprogramme 2020 oder die ausgefallene Dividende...... da musste Herr Zielke ja wohl gehen......

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