Schweizer Großbank: Die Credit Suisse wagt den Neustart der Vermögensverwaltung in Deutschland
Die Credit Suisse will in den nächsten Jahren weltweit 500 Kundenberater für das Geschäft mit Superreichen einstellen.
Foto: dpaZürich, Frankfurt. Die Credit Suisse stellt ihre Vermögensverwaltung in Deutschland neu auf. Die Schweizer Großbank will das Geschäft mit reichen und superreichen Kunden ausbauen und beschäftigt dafür künftig Kundenberater am Standort Frankfurt, wie das Handelsblatt vorab erfahren hat. Neuer Chef der Vermögensverwaltung in Deutschland wird Sven Stephan. Er stieß im vergangenen Jahr zur Credit Suisse und leitete zuvor das Private Banking der HSBC Deutschland.
Robert Cielen, Leiter der Vermögensverwaltung der CS in Europa, sagte: „Dieser Ausbau ist ein Beweis für unser starkes Engagement in Deutschland als einem der wichtigsten Märkte der Credit-Suisse-Vermögenssparte.“ Ziel sei es, den Kunden in Deutschland „mehr Präsenz und Expertise zu bieten“. Die Schweizer Großbank hat derzeit vor allem Investmentbanker sowie Teams für die Betreuung professioneller Investoren (Asset-Management) in Frankfurt.
Sie sollen künftig enger mit den neu verpflichteten Kundenberatern in der Vermögensverwaltung zusammenarbeiten, sagt Credit-Suisse-Deutschlandchef Frank Heitmann. Er beobachtet eine gestiegene Nachfrage etwa von Unternehmerkunden nach Dienstleistungen aus den Bereichen Vermögensverwaltung, Investmentbanking und Asset-Management. Die neuen Teams sollen „mehr maßgeschneiderte Lösungen und eine größere Nähe zu unseren Kunden in diesem wachsenden Markt anbieten“, so Heitmann.
Seit 2013 verwaltet die Credit Suisse kein Kundenvermögen mehr in Deutschland. Damals verkaufte die Bank ihr Privatkundengeschäft an die ABN-Amro-Tochter Bethmann Bank. Die Vermögen der deutschen Kunden werden seither in Zürich gebucht.
Der Ausbau der Vermögensverwaltung in Deutschland gehört zu den ersten sichtbaren Schritten der Umsetzung einer neuen Strategie, welche die Credit Suisse im vergangenen November präsentiert hatte. Die Bank will unabhängiger vom volatilen Investmentbanking werden, vor allem nachdem Verluste mit einem Hedgefondskunden an der Wall Street Milliardenschäden angerichtet hatten.
Credit Suisse will 200 Milliarden Franken einwerben
Dafür stärkt die Bank ihre Vermögensverwaltung in wichtigen Kernmärkten. Die Sparte erhält einen um 25 Prozent gestiegenen Anteil am zugewiesenen Eigenkapital. Das Kapital soll von der Investmentbank abgezogen werden. In den nächsten Jahren will die Credit Suisse zudem weltweit 500 Kundenberater einstellen, um das Geschäft mit Reichen und Superreichen auszubauen. Sie sollen innerhalb von drei Jahren netto 200 Milliarden Franken an verwaltetem Vermögen einwerben.
Mit der Expansion der Credit Suisse intensiviert sich der Wettbewerb um die vermögenden Kunden in Deutschland. Von den Schweizer Banken sind derzeit insbesondere die UBS und Julius Bär stark auf dem deutschen Markt vertreten.
Doch dabei dürfte es nicht bleiben: Auch die liechtensteinische Bank LGT kündigte vergangene Woche bei der Präsentation ihrer Jahreszahlen an, ein Deutschlandgeschäft in der Vermögensverwaltung aufbauen zu wollen. Details gab die Bank im Besitz der liechtensteinischen Fürstenfamilie jedoch nicht bekannt.