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Schweizer Großbank„Historischer Moment“: Credit Suisse meldet Milliardenverlust und radikalen Umbau – Aktie fällt stark

Vier Milliarden frisches Kapital, eine schlankere Investmentbank, Abbau von 9000 Stellen: Die Credit Suisse will mit harten Einschnitten aus der Dauerkrise.Jakob Blume, Dennis Schwarz 27.10.2022 - 10:48 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die zweitgrößte Bank der Schweiz steckt tief in der Krise.

Foto: Reuters

Zürich. Die Credit Suisse will mit einer geschrumpften Investmentbank, einer milliardenschweren Kapitalerhöhung und einem umfangreichen Stellenabbau die Dauerkrise hinter sich lassen. Das hat die zweitgrößte Schweizer Bank am Donnerstag in Zürich bekannt gegeben.

„Dies ist ein historischer Moment für die Credit Suisse“, sagte Konzernchef Ulrich Körner. „Wir bauen die Investmentbank grundlegend um, um eine neue Bank zu schaffen, die einfacher und stabiler ist und deren Geschäftsmodell sich stärker an den Bedürfnissen der Kunden orientiert.“

Bei den Aktionären sorgten insbesondere die Auswirkungen der Kapitalerhöhung für Verunsicherung: Die Aktie brach im Vormittagshandel am Donnerstag zwischenzeitlich um über zehn Prozent ein. Die Anleiheinvestoren reagierten jedoch positiv auf die neue Strategie. Die Kurse von nachrangigen Credit-Suisse-Anleihen zogen an, im Gegenzug fielen die Renditen.

Die neue Strategie, an der CEO Körner seit Amtsantritt Ende Juli zusammen mit dem Vorstandsteam gearbeitet hat, sieht unter anderem vor, die Investmentbank in vier Teile aufzuspalten. Das Geschäft mit Beratungen für Fusionen und Übernahmen sowie Börsengängen soll unter der Marke CS First Boston ausgegliedert werden.

First Boston hieß die Investmentbank, die Credit Suisse 1990 übernommen hatte, um an der Wall Street Fuß zu fassen. Michael Klein, bislang im Verwaltungsrat der Bank und langjähriger Investmentbanker bei der Citi, soll Chef der neuen CS First Boston werden.

Externe Investoren sollen sich an der neuen Sparte beteiligen können. Ein Investor habe bereits 500 Millionen Dollar für eine Beteiligung zugesagt, gab Körner bekannt. Zu welcher Bewertung ist jedoch noch unklar. Die Credit Suisse werde „auf absehbare Zukunft Mehrheitsanteilseigner bleiben“, so Körner weiter.

Ebenfalls für externe Investoren geöffnet wird das Geschäft mit Verbriefungen (Securitized Products Group). Die Mehrheit wird an ein Konsortium um das Private-Equity-Unternehmen Apollo und den Vermögensverwalter Pimco verkauft.

Fast sechs Milliarden Franken Kapital verbrannt

Zudem gründet die Credit Suisse eine sogenannte Capital Release Unit, eine Bad Bank, mit der das Institut hochriskante Wertpapiere im Bestand und unprofitable Geschäfte außerhalb der Bilanz abwickeln will. Zuletzt bleibt noch der Handel mit Aktien, Devisen und Anleihen als Rest der entkernten Investmentbank übrig. Dieser soll sich stärker an den Bedürfnissen der wohlhabenden Privatkunden in der Vermögensverwaltung orientieren.

Ziel sei es, 80 Prozent des eingesetzten Kapitals bis zum Jahr 2025 auf die Vermögensverwaltung, die Schweizer Universalbank und das Geschäft mit professionellen Kunden (Asset-Management) zu verteilen. Bislang beansprucht die Investmentbank rund ein Drittel des Risikokapitals der Bank – produziert jedoch hauptsächlich Verluste: „Die Investmentbank hat über einen langen Zeitraum keinen Wert generiert“, sagte Körner.

Das für den Konzernumbau nötige frische Geld soll durch zwei Kapitalerhöhungen im Umfang von insgesamt vier Milliarden Franken beschafft werden. Im Zuge einer der zwei Kapitalerhöhungen steigt die saudische Nationalbank zum Großaktionär der Credit Suisse auf. Die Saudis halten künftig fast zehn Prozent an der Credit Suisse.

Darüber hinaus verschärft das Schweizer Geldhaus seine Sparbemühungen: Körner hat als neue Kostenbasis für das Jahr 2025 das Ziel von 14,5 Milliarden Franken ausgegeben. Damit will der Bankchef eine Milliarde mehr sparen als bisher geplant. Zuletzt betrugen die Gesamtkosten der Bank noch rund 16,8 Milliarden Franken. Erreicht werden soll das unter anderem durch einen massiven Stellenabbau, von derzeit etwa 52.000 auf 43.000 im Jahr 2025.

Körner begründete den Stellenabbau mit deutlichen Worten: Zu viele CS-Mitarbeiter säßen nur in irgendwelchen Komitees herum. „Das ist verrückt. Man kann eine Bank nicht nur durch Komitees führen.“ Axel Lehmann, Verwaltungsratspräsident der Bank, nannte den Plan eine „radikale Strategie und einen klaren Umsetzungsplan zur Schaffung einer stärkeren, widerstandsfähigeren und effizienteren Bank, die sich auf unsere Kunden und ihre Bedürfnisse konzentriert“.

Andreas Venditti, Analyst bei Vontobel, mahnte: „Die heutige Ankündigung des neuen Strategieplans ist nur der erste Schritt in einem langwierigen Prozess, um die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen und das Vertrauen der Stakeholder zurückzugewinnen.“ Die Bank könne sich keine weiteren Fehltritte leisten.

Hören Sie hier unseren Podcast zum Thema: Aktie von Credit Suisse stürzt ab

Der Kollaps des Hedgefonds Archegos, das Einfrieren der mit dem Pleite-Fintech Greensill betriebenen Lieferkettenfonds sowie weitere Altlasten hatten das Vertrauen von Kunden und Investoren in die Bank zuletzt erschüttert.

„Nicht der erhoffte Befreiungsschlag“

Wie nötig der Konzernumbau ist, belegen die ebenfalls am Donnerstag vorgelegten Zahlen für das dritte Quartal: Der Nettoverlust, der Abschreibungen für den Konzernumbau beinhaltet, belief sich auf vier Milliarden Franken. Insgesamt hat die Credit Suisse im laufenden Jahr bereits 5,9 Milliarden Franken verbrannt. Die Eigenkapitalquote (CET1 Ratio) fiel im Vergleich zu Juni um 0,9 Basispunkte auf 12,6 Prozent und damit unter die Zielmarke von 13 bis 14 Prozent.

Seit Ende Juni Chef der Credit Suisse.

Foto: dpa

Auch operativ lief es alles andere als rund: Von Juli bis September dieses Jahres betrug der Vorsteuerverlust 342 Millionen Schweizer Franken (344 Millionen Euro). Im Vorjahresquartal stand noch ein Vorsteuergewinn von einer Milliarde Franken zu Buche. „Das dritte Quartal und der bisherige Jahresverlauf 2022 wurden durch die anhaltend schwierigen Markt- und makroökonomischen Bedingungen erheblich beeinträchtigt“, sagte Körner.

Dies führte zu schwächeren Ergebnissen, insbesondere bei der Investmentbank. Dort fiel ein Vorsteuerverlust von 666 Millionen Franken an. Finanzvorstand Dixit Joshi erwartet zudem auch für das vierte Quartal einen Verlust.

Besonders schmerzhaft für die Bank sind die Mittelabflüsse in der Vermögensverwaltung: Dort zogen Kunden 6,5 Milliarden Franken ab. Für Kritik sorgt auch die Aussicht auf eine unterdurchschnittliche Profitabilität der Bank: Als Zielmarke hat Körner sechs Prozent auf das eingesetzte Eigenkapital im Jahr 2025 ausgegeben.

Andreas Thomae, Corporate-Governance-Experte bei Deka Investment, sagte: „Für einen Wealth Manager ist das Renditeziel enttäuschend niedrig. Das bedeutet, dass Credit Suisse noch unprofitable Geschäftsbereiche mitschleppt.“ Das Fazit des Deka-Experten lautet daher: „Das ist nicht der erhoffte Befreiungsschlag.“

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Mitarbeit: Yasmin Osman.

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