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Schweizer Großbank Nach Verfolgungsjagd: Beschattungsaffäre belastet Credit-Suisse-CEO Thiam

Der Verwaltungsrat der Schweizer Großbank Credit Suisse beauftragt externe Untersucher. Die Frage: Hat CEO Thiam eine Beschattung in Auftrag gegeben?
26.09.2019 - 16:29 Uhr Kommentieren
Der CEO der Credit Suisse könnte seinen Posten bald verlieren. Quelle: AP
Tidjane Thiam

Der CEO der Credit Suisse könnte seinen Posten bald verlieren.

(Foto: AP)

Frankfurt Die Beschattungsaffäre bei der Credit Suisse weitet sich aus. Wie die Schweizer Großbank am Donnerstag bestätigte, hat ihr Aufsichtsgremium eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben. „Der Verwaltungsrat der Credit Suisse Group AG hat die Medienberichte in Zusammenhang mit dem Wechsel von Iqbal Khan, dem ehemaligen CEO International Wealth Management, zur UBS zur Kenntnis genommen. Der Verwaltungsrat hat sich entschieden, eine Untersuchung der Vorfälle einzuleiten. Die mit dieser Untersuchung betrauten Personen werden direkt an den Verwaltungsratspräsidenten berichten“, so die offizielle Mitteilung.

Finanzkreisen zufolge ist die Zürcher Kanzlei Homburger mit der Untersuchung betraut. Bereits in wenigen Tagen soll sie ein Ergebnis vorlegen. Spekuliert wird, dass Verwaltungsratschef Urs Rohner sich dann von CEO Tidjane Thiam trennen könnte. Schon jetzt belastet die Affäre den Ruf der zweitgrößten Schweizer Bank.

Alles begann im Januar, auf einer Dinnerparty Thiams. Der Bankchef hatte Top-Manager und Partner zu einer feuchtfröhlichen Runde geladen. Am Ende des Abends kam es am Rand der Feier in Thiams Villa im noblen Vorort Herrliberg zu einem lautstarken Streit, wie der Schweizer „Tagesanzeiger“ berichtet.

Thiam und der Chef der Vermögensverwaltung, Iqbal Khan, gerieten aneinander, am Ende konnte angeblich nur Khans Frau Handgreiflichkeiten verhindern. Der Grund: unklar. Khan habe sich unangemessen verhalten, heißt es aus dem Thiam-Lager, er habe dessen Freundin beleidigt. Der CEO habe schlicht nicht ertragen, dass Khan bereits als sein Nachfolger gehandelt werde, sagt die Gegenseite.

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    Verfolgungsjagd mit Privatdetektiven

    Auch wenn die Hintergründe im Dunkeln liegen, die Folge des Krachs war offensichtlich: Das Vertrauensverhältnis zwischen Thiam und Khan war zerstört. Im Juli verließ Khan die Bank, knapp zwei Monate später wurden seine Wechselpläne auf dieselbe Position bei UBS publik.

    Dort sahen ihn manche schon als möglichen Nachfolger für CEO Sergio Ermotti. Der bizarre Streit könnte nun auch seine Karriereambitionen beschädigen. Die Credit-Suisse-Spitze um Thiam stieß sich laut Finanzkreisen unter anderem daran, dass Khan versucht haben soll, Mitarbeiter zur UBS abzuwerben. In der Folge soll sie seine Beschattung in Auftrag gegeben haben.

    Letztere flog auf, weil sich die engagierten Privatdetektive – eine kleine Kanzlei, spezialisiert auf Sozialbetrug – vergangene Woche eine Verfolgungsjagd mit Khan geliefert hatten. Als Khan deren Nummernschild fotografierte, sollen ihn drei Männer bedroht und sein Handy verlangt haben. Khan erstattete Anzeige wegen Nötigung und Bedrohung.

    Sollte sich bei den Untersuchungen nun bestätigen, dass der Credit-Suisse-Vorstand selbst die Beschattung in Auftrag gegeben hat, wird es aus Sicht von Beobachtern eng für CEO Thiam. So forderte Oswald Grübel, früherer Chef von UBS und Credit Suisse (CS), bereits den Rücktritt: „Wenn die Zeitungsberichte stimmen, dann sollte der Verwaltungsrat der CS sofort handeln und den CEO ersetzen.“

    Doch auch Verwaltungsratschef Rohner steht in der Kritik, weil er den für Khan günstigen Aufhebungsvertrag abgenickt hat. Schon jetzt werfe die Affäre ein schlechtes Licht auf die Bank, sagt der deutsche Corporate-Governance-Experte und frühere DWS-Chef Christian Strenger. „Es ist schon ungewöhnlich, dass der Credit-Suisse-Verwaltungsrat Herrn Khan erlaubt hat, bereits binnen dreier Monate auszuscheiden. Der Gefahr des Wechsels eines Top-Managers zu einem Wettbewerber muss durch längere Fristen begegnet werden.“

    Laut Strenger hätte die Bank den medial kolportierten persönlichen Streit zwischen Thiam und Khan professioneller managen müssen. „Der Umgang der Bankspitze mit dieser Angelegenheit wirkt nahezu peinlich.“

    Khan war eine Schlüsselfigur beim Umbau der Credit Suisse. Die von ihm geführte Vermögensverwaltung war zuletzt zum wichtigsten Gewinnbringer aufgestiegen.

    Mehr: Die Credit Suisse investiert Hunderte Millionen in der Schweiz, unter anderem in eine neue Geschäftseinheit. Es gebe jetzt „Direct Banking“.

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