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Schweizer Großbank UBS kassiert Ziele und verschreckt die Anleger

Die UBS verzeichnet für 2019 einen Gewinnrückgang auf 4,3 Milliarden Dollar. Die Schweizer Bank hat damit wichtige Ziele verfehlt. Schmerzhaft ist der deutliche Abfluss von Kundenkapital.
21.01.2020 Update: 21.01.2020 - 16:14 Uhr Kommentieren
Die Bank kämpft auch gegen die Minuszinsen der Zentralbanken. Quelle: Mark Henley/Panos Pictures Panos/VISUM
Die UBS am Paradeplatz in Zürich.

Die Bank kämpft auch gegen die Minuszinsen der Zentralbanken.

(Foto: Mark Henley/Panos Pictures Panos/VISUM)

Zürich/Frankfurt Die UBS schraubt ihre erst vor gut einem Jahr ausgegebenen Finanzziele bereits wieder zurück. Nachdem die Schweizer Großbank mit dem Abschluss 2019 die eigene Messlatte riss, senkt sie nun die Vorgaben für den Zeitraum 2020 bis 2022. Neuerdings peilt Konzernchef Sergio Ermotti eine Rendite auf das wichtige harte Kernkapital von zwölf bis 15 Prozent an, wie die UBS am Dienstag mitteilte.

Bisher hatte sich die Bank bis 2021 einen Wert von 17 Prozent vorgenommen. Auch beim Verhältnis von Kosten zu Aufwand gibt sich Ermotti nun weniger ambitioniert.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 erwirtschaftete das Institut einen Nettogewinn von 4,3 Milliarden Dollar, fünf Prozent weniger als im Jahr davor. Als Gründe für die Senkung nannte die UBS das schwierige Marktumfeld, den teuren Konzernumbau und Abschreibungen. Dennoch übertraf die Bank damit die Analystenschätzungen. Die Dividende soll leicht auf 0,73 Dollar je Aktie steigen. Für 2018 hatte die Bank umgerechnet knapp 0,69 Dollar ausgeschüttet.

Besonders problematisch war der um knapp elf Prozent gesunkene Zinsüberschuss. Auch der Provisionsüberschuss sank im Jahresvergleich um knapp drei Prozent. Für die Gesamtbank gingen die Erträge um 4,4 Prozent auf knapp 29 Milliarden Dollar zurück. Die Kosten konnten um 3,8 Prozent verringert werden und sanken damit langsamer als die Erträge.

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    Die einzelnen Geschäftsbereiche entwickelten sich dabei uneinheitlich: Während die mit Abstand wichtigste Einheit, die globale Vermögensverwaltung, ein leichtes Gewinnplus von rund vier Prozent meldete, brach der Gewinn der Investmentbank um ganze 47 Prozent ein. An der Börse kamen die Zahlen aus Zürich nicht gut an: Am Vormittag lag die UBS-Aktie gut fünf Prozent im Minus.

    „Um das klar zu sagen: Wir sind nicht zufrieden mit unserem Ergebnis im vergangenen Jahr“, erklärte Ermotti am Dienstagmorgen. Zwar betonte der Vorstandschef: „Wir haben erneut eine sehr attraktive Rendite für unsere Anteilseigner erwirtschaftet.“ Doch unter anderem aufgrund politischer Unsicherheiten hätten sich viele UBS-Kunden am Markt zurückgehalten. 2020 wolle die Bank ihr Ergebnis wieder stärker steigern, so Ermotti.

    Besonders schmerzhaft für die Schweizer Bank ist der Abfluss von Kundeneinlagen. Im vierten Quartal zogen Private-Banking-Kunden 4,7 Milliarden Dollar an Kapital ab. Vor allem in der ertragsstärksten Einheit, dem Amerika-Geschäft, kam es 2019 zu spürbaren Nettoabflüssen. Auf ein Neugeld-Wachstumsziel für das Kerngeschäft Vermögensverwaltung verzichtet die UBS in Zukunft.

    Die Probleme der wichtigen Vermögensverwaltung stellen vor allem für einen eine Herausforderung dar: Iqbal Khan, den neuen Wealth-Management-Co-Chef, den Ermotti im Oktober von der Credit Suisse abgeworben hatte. Khan hatte zuletzt Jobs gestrichen, Strukturen verändert und den regionalen Ebenen mehr Kompetenzen gegeben, um das Vermögensverwaltungsgeschäft zu beleben.

    Die UBS hatte im Zuge der Finanzkrise von allen Großbanken ihr Geschäftsmodell am konsequentesten auf den Prüfstand gestellt und sich auf die lukrative Betreuung vermögender und sehr reicher Kunden fokussiert. Heute ist sie der weltgrößte Verwalter von Privatvermögen. Zuletzt zeigte sich aber, dass auch dieser Bereich unter einer konjunkturellen Abkühlung leidet.

    Verluste mit Barvermögen

    Problematisch sind auch die Minuszinsen der Schweizerischen Nationalbank und der Europäischen Zentralbank. Sie sorgen dafür, dass die UBS Verluste schreibt, wenn Kunden bei ihr hohe Vermögen parken und diese in bar statt in komplexeren Produkten halten. Bei der Bilanzpressekonferenz rechnete Finanzvorstand Kirt Gardner vor, dass die UBS bei einer Kunden-Bareinlage von einer Milliarde Euro im Jahr ein Minus von fünf Millionen Euro schreibe.

    Man kontaktiere daher alle Kunden, die ihr Vermögen überwiegend in bar hielten, und versuche sie zu überzeugen, in profitablere Finanzprodukte umzuschichten. „Andernfalls müssen wir die Einlagen bepreisen“, so Gardner. Seien die Kunden auch mit diesem Schritt nicht einverstanden, müssten sie die Bank verlassen, erklärte er unmissverständlich.

    Anders als das Renditeziel bekräftigte Ermotti seine Kapitalziele und will weiter kräftig Geld an die Aktionäre ausschütten. Im ersten Halbjahr 2020 peilt UBS weitere Aktienrückkäufe im Volumen von 450 Millionen Dollar an. Zusätzliche Rückkäufe würden in der zweiten Jahreshälfte geprüft. 2019 hatte die Bank eigene Aktien für rund 800 Millionen Dollar gekauft.

    Vorsichtiger Optimismus

    Die Bank trennt sich 2020 von einem Teil ihres Asset Managements. Das UBS Fondscenter, eine Fondsvertriebsplattform für institutionelle Kunden, werde mehrheitlich an die zur Deutschen Börse gehörende Firma Clearstream verkauft, teilte das größte Schweizer Geldhaus mit.

    Vorsichtig optimistisch fiel der Ausblick für das erste Quartal 2020 aus. So seien die Anleger risikofreudiger geworden, was sich günstig auf die Transaktionseinnahmen auswirken dürfte. Die Senkung der mittelfristigen Ziele begründete die Bank mit dem schwierigeren Marktumfeld wie etwa den rekordtiefen Zinsen.

    „Die ohnehin tiefen, teils hartnäckig negativen Zinsen sowie die Erwartung anhaltender geldpolitischer Lockerungen werden den Nettozinsertrag weiter belasten“, sagte Ermotti. Auch die makroökonomischen und geopolitischen Unsicherheiten blieben bestehen. Gegensteuern will der Bankchef mit weiteren Effizienzmaßnahmen.

    UBS kassiert Ziele und verkauft Fondscenter an Deutsche Börse Quelle: Reuters
    Sergio Ermotti

    Der UBS-Chef peilt eine Rendite auf das harte Kernkapital von zwölf bis 15 Prozent an.

    (Foto: Reuters)

    In den ersten neun Monaten 2019 hatte die UBS noch vor dem direkten Wettbewerber Credit Suisse gelegen: Die Bank war hier auf einen Gewinn von rund 3,3 Milliarden Euro und eine Rendite von 8,9 Prozent gekommen. Credit Suisse hatte rund 2,4 Milliarden Euro verdient bei einer Rendite von 7,8 Prozent. Die UBS-Aktie entwickelte sich aber schlechter: Ihr Kurs wurde von einer drohenden Milliardenstrafe in Frankreich belastet. Ihre Jahreszahlen legt Credit Suisse erst im Februar vor.

    Im Dezember hatte der Schweizer Erzrivale ebenfalls bereits seine Ziele eingedampft. Europas größtes Geldhaus, die britische HSBC, kappte Ende Oktober die Prognosen. Auch die Deutsche Bank ist mit Blick auf ihr Renditeziel von acht Prozent bis 2022 vorsichtiger geworden. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte dies zuletzt als „ambitionierter“ bezeichnet.

    Klar ist hingegen bereits, dass Deutschlands größtes Geldhaus wegen des teuren Konzernumbaus 2019 einen Verlust von mehreren Milliarden Euro eingefahren hat. In deutlich besserer Verfassung sind die US-Banken. So hob Morgan Stanley nach einem Gewinnsprung im Schlussquartal vergangene Woche die Ziele für die nächsten Jahre an.

    Mit Agenturmaterial.

    Mehr: Auch für die Deutsche Bank könnte 2020 ein schicksalhaftes Jahr werden. Trotz eines umfangreichen Umbauprogramms dürfte das Jubiläumsjahr holprig werden. Vorstandschef Sewing wird erneut hohe Verluste erklären müssen.

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