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Schwerter Vorstandschef Bartscher im Interview „Das Geschäftsmodell der Sparkassen ist verwundbar“

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Schwerte setzt wegen der Belastungen durch Niedrigzinsen verstärkt auf die Vermietung von Immobilien.
15.04.2020 - 13:29 Uhr Kommentieren
„Das Geschäftsmodell der Sparkassen ist seit 200 Jahren hochgradig von der Erzielung eines Zinsüberschusses abhängig.“ Quelle: dpa
Sparkassen-Filiale

„Das Geschäftsmodell der Sparkassen ist seit 200 Jahren hochgradig von der Erzielung eines Zinsüberschusses abhängig.“

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Sparkasse Schwerte hat Konsequenzen aus den fallenden Zinsen gezogen. Seit fünf Jahren baut das Institut Wohnimmobilien und vermietet diese anschließend. Dadurch hat die Sparkasse den Rückgang ihrer Gewinne gestoppt und erwartet auch in den kommenden Jahren stabile Ergebnisse.

Viele andere Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken setzen ebenfalls verstärkt auf die Vermietung von Immobilien. Damit lasse sich heutzutage einfacher Geld verdienen als im klassischen Bankgeschäft, sagt Ulrich Bartscher, der Vorstandschef der Sparkasse Schwerte.

Da die Perspektiven im Bankgeschäft trüb sind, hält es Bartscher für denkbar, dass er dieses irgendwann mit seinen Immobilienaktivitäten quersubventionieren muss: „Wenn wir in zehn Jahren eine Wohnungsbaugesellschaft haben, die es sich leisten kann, noch eine Sparkasse zu betreiben, dann haben alle in dieser Kommune gewonnen.“

Im Interview mit dem Handelsblatt spricht Bartscher über seine Immobilienprojekte, eine Sonderprüfung der Finanzaufsicht und mögliche Investments in Pflegeheime.

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    Lesen Sie hier das komplette Interview:

    Herr Bartscher, Sie haben Ende 2014 entschieden, mit der Sparkasse Schwerte in den Bau und die Vermietung von Wohnimmobilien einzusteigen. Warum?
    Das Geschäftsmodell der Sparkassen ist seit 200 Jahren hochgradig von der Erzielung eines Zinsüberschusses abhängig – und somit verwundbar. Denn wir haben seit 1990 fallende Zinsen. Unsere Haupteinnahmequelle, der Zinsüberschuss, gerät immer stärker unter Druck. Darauf haben wir reagiert.

    Der Chef der Sparkasse in Schwerte ärgert sich über Post von der Bafin. Quelle: Spakasse Schwerte
    Ulrich Bartscher

    Der Chef der Sparkasse in Schwerte ärgert sich über Post von der Bafin.

    (Foto: Spakasse Schwerte)

    Welche Art von Immobilien bauen Sie?
    Wir konzentrieren uns auf Neubauten mit einem Finanzierungsvolumen zwischen fünf und 25 Millionen Euro. Und wir sind nur in Nordrhein-Westfalen aktiv, wo wir uns auskennen. Wir haben 2015 mit einem Appartementhaus für 80 Parteien in der Innenstadt von Hamm angefangen. Das zweite Projekt war 2016 ein Haus für 20 Familien in Düsseldorf-Benrath. Aktuell haben wir rund 20 Gebäude mit insgesamt 400 Mietern – unter anderem in Düsseldorf, Hilden, Münster und Dortmund.

    Hat sich das Ganze für die Sparkasse Schwerte ausgezahlt?
    Absolut. Wir haben eine Bilanzsumme von 800 Millionen Euro. 7,5 Prozent davon entfallen inzwischen auf die Beteiligungsgesellschaften, über die wir unsere Immobilienengagements steuern. Diese tragen 17 Prozent zu unserem Betriebsergebnis bei. Dank des Umsteuerns hat die Sparkasse Schwerte den Rückgang der Betriebsergebnisse 2016 gestoppt. Und in unserer Prognose gehen wir bis 2024 bei konstantem Zinsniveau von stabilen Ergebnissen aus.

    Ist es riskant, sich als Sparkasse so stark vom Kerngeschäft zu entfernen?
    Alle fordern, dass Banken ihre Geschäftsmodelle anpassen. Genau das haben wir getan. Wir haben wie viele Sparkassen einen Einlagenüberschuss. Durch die Immobilienprojekte können wir diesen Überschuss für sinnvolles Aktivgeschäft nutzen. Darüber hinaus lässt sich bei der Vermietung von Immobilien einfacher Geld verdienen als im klassischen Sparkassengeschäft. Meine Kunden sind, ohne mit der Wimper zu zucken, bereit, mir 800 bis 900 Euro Miete im Monat zu überweisen. Aber wenn wir 15 Euro Kontoführungsgebühr im Monat aufrufen, überlegen sie, zur Direktbank zu wechseln.

    Wie beurteilt die Finanzaufsicht Ihren Kurs?
    Wir hatten im Sommer 2019 eine Sonderprüfung der Finanzaufsicht Bafin und der Bundesbank zu dem Thema, die ausgesprochen gut verlaufen ist. Die Finanzaufsicht hat unsere Prozesse sowie unsere Risikomessung und -steuerung als „state of the art“ bezeichnet. Und sie hat unser Geschäftsmodell besser benotet als im Jahr zuvor.

    Sehen Sie neben dem privaten Wohnungsbau noch andere Betätigungsfelder?
    Wir haben inzwischen auch Gebäude für die öffentliche Hand gebaut, unter anderem das Sozialamt der Stadt Bochum, das neue Amtsgericht in Werl und die neue Justizvollzugsschule in Hamm. Zudem suchen wir nach weiteren Einnahmequellen, die zinsunabhängig sind und stabile Erträge versprechen. Wir denken beispielsweise darüber nach, in Windparks, Photovoltaikanlagen und andere Infrastrukturprojekte zu investieren. Auch das Thema Pflege schauen wir uns an.

    Warum denn das?
    Seit es keinen Zins mehr gibt, haben wir an Relevanz im Leben unserer Kunden eingebüßt. Wir müssen uns deshalb um Themen kümmern, die für unsere Kunden relevant sind. Neben Wohnraum zählt dazu in einer älter werdenden Gesellschaft das Thema Pflege. Deshalb gucken wir, was wir in diesem Bereich machen können. Denkbar ist beispielsweise der Bau von Pflegeheimen. Dann könnten wir vielleicht im Idealfall unseren Kunden eines Tages versprechen: „Wenn du ein Konto bei uns hast, kriegst du auch einen Pflegeplatz.“

    Wird Ihre Sparkasse mittelfristig zu einer Immobilienfirma, die das Bankgeschäft querfinanziert?
    Genau das bin ich 2014 im Verwaltungsrat gefragt worden. Ich habe geantwortet: „Wir haben heute eine gesunde Sparkasse, die es sich leisten kann, ein Wohnungsbaugeschäft aufzubauen. Wenn wir in zehn Jahren eine Wohnungsbaugesellschaft haben, die es sich leisten kann, noch eine Sparkasse zu betreiben, dann haben alle in dieser Kommune gewonnen. Da gab es einhelliges Kopfnicken. Ich habe große Zweifel, dass das traditionelle Bankgeschäft in seiner heutigen Form dauerhaft überlebensfähig ist.  

    Aber sollte Wohnungsbau nicht eigentlich eine Aufgabe der Kommunen sein?
    Die finanzielle Verfassung vieler Gemeinden in Nordrhein-Westfahlen ist angespannt. Der Bewegungsspielraum ist oft sehr eingeschränkt. Deshalb ist es vielerorts willkommen, wenn die eigene Sparkasse solche Themen angeht – das ist nicht nur bei uns so, sondern auch in vielen benachbarten Kommunen.

    Herr Bartscher, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Warum immer mehr Sparkassen zu Häuslebauern werden.

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