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Skandalgeschüttelte US-Bank New York verbannt Wells Fargo

Seit Monaten steht Wells Fargo in der Kritik. Jetzt wirft auch noch die Stadt New York die US-Großbank aus dem Kreis ihrer offiziellen Geschäfte. Die Vorwürfe sind heikel – und Teile der Probleme lange bekannt.
01.06.2017 - 17:07 Uhr Kommentieren
Eine ganze Reihen von Städten hat sich von der einst wertvollsten Bank der Welt zurückgezogen. Quelle: dpa
Wells Fargo

Eine ganze Reihen von Städten hat sich von der einst wertvollsten Bank der Welt zurückgezogen.

(Foto: dpa)

New York Wells Fargo schafft es nicht, die Vergangenheit abzuschütteln. Die Stadt New York hat beschlossen, vorerst keine Geschäfte mehr mit der Großbank zu machen. Bürgermeister Bill de Blasio hatte sich ausdrücklich für die Entscheidung des Banken-Ausschusses der Stadt stark gemacht. Wells Fargo hat den Sitz in San Francisco, aber auch eine starke Präsenz in der größten Stadt Amerikas.

New York ist nur das prominenteste Beispiel einer ganzen Reihen von Städten, die sich von der einst wertvollsten Bank der Welt zurückgezogen haben. Sogar der Heimatstaat Kalifornien hatte im vergangenen September beschlossen, die Verbindung für mindestens ein Jahr zu kappen.

So gefährlich sind die größten Banken der Welt
Klasse 1 – UBS, Santander, Royal Bank of Scotland
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 17 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – das ist eine weniger als im Vorjahr. Diese Banken müssen ein Prozent mehr Kapital zusätzlich zu der erforderlichen Eigenkapitalquote vorhalten. Unter diesen für das System vergleichsweise nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich zum Beispiel die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, ING Bank, die Royal Bank of Scotland und Bank Morgan Stanley.

(Foto: ap)
Klasse 1 – Standard Chartered
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Welche Konsequenzen der Brexit für die britische Standard Chartered haben wird, ist noch nicht absehbar. Die Bank belegt wie im Vorjahr einen Platz in Klasse 1, die einen Kapitalaufschlag von einem Prozent voraussetzt.

(Foto: Reuters)
Neu in Klasse 1: Die Credit Suisse.
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Neu in der Klasse 1 ist die US-Bank Credit Suisse, die im Vorjahr noch mehr Kapital vorhalten musste. Jetzt beträgt dieser Zuschlag für das Schweizer Geldhaus nur noch ein Prozent. Sie hat aus Sicht der Regulierer an Relevanz verloren.

(Foto: Reuters)
Klasse 2 – Barclays
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James Staley, seit Dezember 2015 Chef der britischen Bank Barclays, konnte die Risikoeinstufung des Geldhauses reduzieren. Barclays gehört, wie auch 2016 schon, nur noch der Klasse zwei an. Dort ist ein Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent erforderlich.

(Foto: AFP)
Klasse 2 – Wells Fargo
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Wells Fargo spielt mit Barclays in einer Liga. Beide gehörten Klasse 2 an, was einen Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent bedeutet.

(Foto: AFP)
Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten.

(Foto: ap)
Klasse 2 – Industrial and Commercial Bank of China
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Für genauso systemrelevant halten die Regulierer die Industrial and Commercial Bank of China. Aufschlag auch hier: 1,5 Prozent.

(Foto: Reuters)

Der Auslöser für den Entschluss von den de Blasio ist aber nicht – wie in zahlreichen anderen Fällen – der Skandal im Vertrieb der Bank, der großes Aufsehen erregt hat. Es geht stattdessen um eine schlechte, offizielle Beurteilung der Bank mit Blick auf ihre Kreditvergabe an relativ arme Leute. Dieses Rating ist auf „nicht zufriedenstellend“ gesunken. Die Stadt sah sich gezwungen, die Geschäftsverbindung einzufrieren, so lange es in dem Punkt keine Besserung gibt. „Die Regeln sind klar“, ließ de Blasio verlauten. „Ich ermutige die Bank, möglichst schnell aufzuräumen“. Die Bank selber hat zum Ausdruck gebracht, dass sie bald auf ein besseres Rating hoffe.

Der Beschluss bedeutet, dass keine der Stadt angehörigen Behörden neue Verträge mit Wells Fargo abschließen oder alte erneuern dürfen. Betroffen davon ist für mindestens ein Jahr auch das milliardenschwere Anleihegeschäft von New York.

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    Wells Fargo hatte in den betreffenden Ratings, die seit 1977 vergeben werden, zuvor stets die Note „ausgezeichnet“ bekommen. Diesmal hielt das Währungsbüro der USA (OCC) der Bank aber eine Reihe von Verfehlungen der letzten Jahre vor, für die sie bereits Millionenstrafen zahlen musste. Dazu gehört ein Fall aus dem Jahr 2012, in dem die Bank den Angaben zufolge arme US-Bürger – mehrheitlich lateinamerikanischer Abstammung – in teure Kreditsegmente gedrängt hat. In einem anderen Fall ging es um illegale Praktiken bei der Verwertung von Immobilien, die zur Besicherung von Darlehen dienen. Ein dritter Fall handelte von Fehlverhalten bei der Beschlagnahme von Autos im Zusammenhang mit Krediten.

    Die Kreditvergabe an vergleichsweise arme Bürger ist ein heikles Thema. Per Gesetz dürfen die Banken keine Bevölkerungsgruppe diskriminieren, was in der Vergangenheit häufig passiert ist. Die Banken selber argumentieren oft, dass sie höhere Zinsen fordern müssen, wenn die Ausfallwahrscheinlichkeit größer ist.

    Hintergrund für die harte Haltung des OCC dürfte letztlich aber doch der Vertriebsskandal der Bank sein. Denn die Aufsichtsbehörde hat in dem Zusammenhang harte Kritik geerntet. Ihr wird vorgeworfen, zu lange weggeschaut zu haben. Mitarbeiter der Bank hatten Jahre lang Konten für Kunden ohne deren Wissen eröffnet, um ihre Vertriebszahlen aufzubessern. Obwohl das Problem bekannt war, habe das Management zu langsam reagiert. Der Fall erzeugte Aufsehen auch in der Politik und führte zum Rücktritt von Bankchef John Stumpf im vergangenen Jahr. Sein Nachfolger Tim Sloan hat sich die Priorität gesetzt, das Vertrauen der Kunden wiederherzustellen.

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