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SmartphonebankBafin verlängert Auflagen gegen N26 – Fintech darf weiterhin nur begrenzt wachsen

Die milliardenschwere Neobank hat Defizite bei der Geldwäscheprävention. Zwei andere Bereiche erklärt Co-Chef Tayenthal dagegen nun für problemfrei.Dennis Schwarz, Andreas Kröner 17.07.2023 - 14:15 Uhr Artikel anhören

Die deutsche Finanzaufsicht sieht noch Nachholbedarf im Bereich Geldwäsche bei der Berliner Smartphonebank.

Foto: Reuters

Frankfurt. N26 hat weiterhin Probleme beim Kampf gegen Geldwäsche. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat deshalb seit 2021 bestehende Auflagen gegen die Berliner Smartphonebank verlängert und teilweise konkretisiert. N26 habe „trotz einiger Fortschritte nach wie vor Defizite in seinen Systemen zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“, erklärte die Bafin am Montag.

N26 müsse angemessene technisch-organisatorische und personelle Maßnahmen treffen und aufrechterhalten, „um für eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation zu sorgen und ihren gesetzlichen Verpflichtungen durchgehend nachkommen zu können“.

Mängel gibt es laut Bafin vor allem bei der Meldung von Geldwäscheverdachtsfällen an die Financial Intelligence Unit (FIU). Hier müsse N26 eine hinreichende elektronische Überwachung schaffen, „eine angemessene Qualitätssicherungsfunktion aufbauen und wirksame Kontrollen von Auslagerungen einrichten“.

„Zur Risikoreduzierung“ verlängert die Finanzaufsicht die seit November 2021 bestehende Wachstumsbeschränkung von 50.000 Neukunden pro Monat. Auch der im Mai 2021 eingesetzte Sonderbeauftragte, der die Abstellung der Mängel überwachen soll, bleibt installiert.

N26 zählt mit einer Bewertung von 7,7 Milliarden Euro zu den wertvollsten deutschen Fintechs. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen mehr als acht Millionen Kunden in 24 Ländern.

Aus Sicht der Bafin ist N26 aber viele Jahre lang zu schnell gewachsen und hat seine Prozesse und Kontrollen nicht entsprechend weiterentwickelt.

Die Behörde hatte dem N26-Management Finanzkreisen zufolge bereits Anfang des Jahres in einem Gespräch deutlich gemacht, dass sie vor allem bei der Bekämpfung von Geldwäsche weiter Defizite sieht. Dies wurde im nun veröffentlichten Beschluss, der seit Ende März bestandskräftigt ist, schriftlich fixiert.

N26-Co-Chef Maximilian Tayenthal sagte dem Handelsblatt, die Bank habe bei der Bekämpfung von Geldwäsche in den vergangenen beiden Jahren große Fortschritte gemacht, stark in ihre Kontrollsysteme investiert und sich von risikobehafteten Kunden getrennt. In der aktualisierten Anordnung der Finanzaufsicht gehe es „vor allem um Detailfragen, in denen die Bafin noch Nachholbedarf sieht“.

In der Anordnung 2021 habe die Bafin dagegen noch umfassender die Überwachung von Kundentransaktionen, die Geldwäscheprävention sowie die Überprüfung von Kunden (KYC) kritisiert. „Hintergrund war, dass N26-Konten in der Vergangenheit zu oft zum Betrug von Dritten verwendet worden waren“, sagte Tayenthal. „Dabei haben Personen beispielsweise ein Handy online verkauft, die Ware aber nicht zugestellt und für die Transaktion ein N26-Konto genutzt.“

Fortschritte bei Geschäftsorganisation und Risikomanagement

In zwei anderen Bereichen habe N26 inzwischen alle von der Bafin monierten Defizite abgestellt, sagte Tayenthal. „Wir haben die Mängel in der Geschäftsorganisation und im Risikomanagement abgebaut – in diesen Bereichen gibt es nun keine Auflage mehr, und die Anordnung von 2021 ist dementsprechend ausgelaufen.“

Dabei sei es vor allem um die personelle Ausstattung im Internal Audit, dem Business Continuity Management und im Access Management gegangen. Im Internal Audit werden interne Prozesse überprüft. Beim Business Continuity Management werden potenzielle Bedrohungen oder Störungen ermittelt und Strategien entwickelt, mit denen die Geschäftsfähigkeit einer Organisation im Krisenfall sichergestellt werden kann. Im Access Management wird geregelt, dass jeder Mitarbeiter nur die Zugriffsrechte bekommt, die er für seine Arbeitsbereiche benötigt.

Die Wachstumsbeschränkung der Bafin ist für N26 sehr schmerzhaft. Da die Smartphonebank auch Nutzer verliert, habe das Institut 2022 ein „sehr, sehr eingeschränktes Kundenwachstum“ gehabt, sagte Co-Chef Valentin Stalf Ende vergangenen Jahres.

Laut Tayenthal wächst N26 seit November 2021 stets annähernd mit der maximal möglichen Anzahl von 50.000 Neukunden pro Monat. „Manchmal sind es minimal weniger, weil wir ganz sicher gehen wollen, dass wir die 50.000 nicht überschreiten.“

Bafin: Lockerung der Maßnahmen hängt von weiterer Entwicklung bei N26 ab

Da starkes Wachstum für die Entwicklung von N26 im Speziellen und von Start-ups im Allgemeinen wichtig ist, hat die Aufhebung der Wachstumsbeschränkungen für die Berliner Firma höchste Priorität.

Die Bafin äußerte sich nicht dazu, wann die Einschränkungen wegfallen oder gelockert werden könnten. Sie machte jedoch grundsätzlich deutlich, dass sie nicht auf der Bremse stehen wird, wenn die Defizite behoben sind.

„Stellt der Sonderbeauftragte beziehungsweise die Bafin fest, dass das Institut angemessene Fortschritte bei der Mängelbeseitigung macht, kann die Neukundenwachstumsbeschränkung gelockert werden“, erklärte die Behörde.

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An anderer Stelle können die Bank und ihre Verantwortlichen bereits durchatmen. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin hat ein Ermittlungsverfahren wegen Geldwäscheverdachts gegen vier Verantwortliche bereits im November 2022 eingestellt da „ein hinreichender Tatverdacht nicht gegeben war“, wie die Behörde nun auf Handelsblatt-Nachfrage mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft hatte seit August 2021 ermittelt. Hintergrund waren unter anderem mutmaßlich betrügerische Kundenkonten beziehungsweise der Verdacht auf betrügerische Nutzung von N26-Konten. Verbraucher hatten beklagt, gemeldete Konten seien nicht zeitnah gesperrt worden.

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