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Smartphonebank N26 lässt sich künftig vollständig von der Bafin überwachen

Die Smartphonebank beantragt eine Lizenz als Finanzholding. Die Bafin erhält dadurch einen umfassenderen Zugriff. Mit dem Antrag fügt sich N26 letztlich ins Unvermeidliche.
31.03.2021 - 17:00 Uhr Kommentieren
Im Gegensatz zu Stalf (r.) wird Tayenthal zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben auch in die Geschäftsführung der N26 Bank einziehen. Quelle: N26
N26-Gründer Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf

Im Gegensatz zu Stalf (r.) wird Tayenthal zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben auch in die Geschäftsführung der N26 Bank einziehen.

(Foto: N26)

Frankfurt Die Smartphonebank N26 will sich künftig umfassend von der deutschen Finanzaufsicht Bafin kontrollieren lassen. „Wir haben uns entschieden, Mitte dieses Jahres einen Antrag auf Finanzholding zu stellen“, sagte der Co-Chef von N26, Maximilian Tayenthal dem Handelsblatt. „Mit Blick auf einen möglichen Börsengang ist dieser Schritt ohnehin sinnvoll – es hilft uns, Komplexität weiter zu reduzieren und einfache Strukturen stärker zu etablieren.“

Durch die Umwandlung in eine Finanzholding erhält die Finanzaufsicht Bafin einen umfassenderen Zugriff auf die gesamte N26-Gruppe. Bislang war nur die Bank-Tochter der Berliner Smartphone-Bank durch die Bankenaufsicht reguliert worden. Das ändert sich nun. 

„Der Status als Finanzholding bedeutet, dass die Grundlage für die Eigenkapitalanforderungen der Bankenaufsicht das Kapital der gesamten Gruppe sein wird“, erklärt Tayenthal. Außerdem müsse das Unternehmen nun für die gesamte N26-Gruppe ein einheitliches Risikomanagement, einheitliche Compliance-Systeme und eine einheitliche Geldwäsche-Prävention aufbauen. Auch das Meldewesen werde auf die ganze Gruppe ausgeweitet.

Im Zuge der Umwandlung werden Tayenthal und der Chief Banking Officer von N26, Thomas Grosse, zusätzlich zu ihren bisherigen Aufgaben auch in die Geschäftsführung der N26 Bank einziehen. Dass Tayenthal eine Bank führen kann „wurde auch durch die Aufsichtsbehörden entsprechend bestätigt“, sagt er.

Der bisherige Chef der N26-Bank, Markus Gunter, und ihr Finanz- und Risikochef, Richard Groeneveld, werden die Gruppe dagegen verlassen. Groeneveld geht zum Ende des zweiten Quartals, Gunter erst in der zweiten Jahreshälfte. N26-Co-Gründer Valentin Stalf wird keine Aufgabe in der Geschäftsführung der Bank übernehmen. Das habe nicht zur Diskussion gestanden, so ein N26-Sprecher.

Bafin prüfte Umwandlung in Holding

Mit dem Antrag als Finanzholding fügt sich N26 letztlich ins Unvermeidliche. Denn aufgrund der Erfahrungen aus dem Wirecard-Skandal prüft die Bafin bei einer Reihe von Firmengruppen, ob sie nicht als Finanzholding eingestuft werden müssten. Das gilt für Unternehmen, die eine oder mehrere Banktöchter besitzen, aber nicht als ganzes als Finanzholding eingestuft sind.

Wirecard wurde trotz einer Bank-Tochter bis zuletzt als Technologiefirma eingestuft. Dadurch hatte die Bafin weniger Zugriff auf Wirecard und geringere Informationsrechte. In den vergangenen Wochen war durchgesickert, dass die Bafin in diesem Zusammenhang die Einstufung von N26 und der Deutschen Börse als Finanzholding prüft.

Während sich Börsen-Chef Theo Weimer noch gegen eine mögliche Einstufung als Finanzholding wehrt, wählt N26 diesen Schritt nun von selbst. Von einer Flucht nach vorne will Tayenthal aber nicht sprechen. „Wir machen das, weil es für uns sinnvoll ist“, betont der N26-Co-Chef. 

Zu Beginn sei es vorteilhaft gewesen, stark regulierte Bereiche in einer separaten Banktochter zu bündeln. „Aber in den vergangenen Jahren haben wir uns in der Gruppe so weiterentwickelt, dass die Vorteile dieser Trennung zwischen Mutter und Tochter zusammengeschmolzen sind“. Heute könne das Unternehmen sagen, dass der Status einer Finanzholding keine großen Umstrukturierungen mehr nach sich ziehen werde.

Stellenaufbau für 2021 geplant

Ein umfassender Stellenabbau ist mit der engeren Anbindung der Bank an die N26-Gruppe aber nicht vorgesehen. „Wir planen, in diesem Jahr mehrere hundert Mitarbeiter einzustellen“, so Tayenthal. N26 wolle sich zwar an einigen Stellen effizienter aufstellen, deswegen werde aber kein Mitarbeiter seinen Job verlieren. „Im Gegenteil, unser Fokus für das Jahr 2021 liegt besonders auf dem Produkt- und der Tech-Organisation, in der wir mehr als 200 MitarbeiterInnen einstellen möchten.“ N26 rekrutiere „sehr viel international“ und wolle sein Profil als internationaler Arbeitgeber schärfen. 

Auch wenn N26 vorerst ohne den Status als Finanzholding ausgekommen wäre, spätestens mit einer stärkeren Auslandsexpansion und weiteren Banklizenzen im Ausland hätte sich so ein Schritt nicht mehr vermeiden lassen. Zuletzt hatte das Fintech seine internationalen Ambitionen allerdings gezügelt. „Vor zwei Jahren hätte ich noch gesagt, ich will 2019 nicht nur in die USA, sondern auch in Großbritannien und in drei weitere Märkte einsteigen“, so Tayenthal. „Im Moment erscheint es uns aber sinnvoller, dass wir uns zunächst auf die Märkte konzentrieren, in denen wir schon präsent sind.“ 

Statt in den nächsten zwei Jahren in fünf neuen Ländern präsent zu sein, gehe es jetzt erstmal darum, in den USA „noch erfolgreicher“ zu sein. N26 stieg 2019 in den amerikanischen Markt ein, nutzt in den USA aber die Lizenz einer Partner-Bank. „Irgendwann werden wir allerdings auch in den USA eine eigene Lizenz anstreben, um unabhängiger zu sein, Kosten zu sparen und den Zugang zum Kunden zu stärken“, sagt Tayenthal.

Mit Partnerbank in Deutschland unzufrieden

Eilig hat er es damit aber nicht. „Wir können uns in den USA gut vorstellen, noch drei, vier, fünf Jahre mit einer Partner-Bank zusammenzuarbeiten“, erklärt Tayenthal. In Deutschland sei der Erwerb einer Banklizenz deshalb so wichtig gewesen, „weil unsere Partnerbank nicht sehr innovativ war und die Konditionen ungünstig waren“, erklärte er. N26 nutzte zu Beginn in Deutschland die Lizenz der Wirecard-Bank.

Gut waren die Erfahrungen nicht. „Für jede Innovation benötigten wir in Deutschland mindestens ein halbes Jahr Vorlauf. In den USA sind Banken, die Fintechs ihre Lizenz zur Verfügung stellen dagegen viel verbreiteter und der Markt ist deshalb viel kompetitiver“, erklärt er.

Wann N26 in Brasilien einsteigen will, wollte er nicht sagen. Das Unternehmen verfügt seit Kurzem über eine Fintech-Lizenz der dortigen Notenbank und hält den Markt für „sehr attraktiv“. „Es gibt dort ein Oligopol von Banken, die von ihren Kunden sehr hohe Gebühren verlangen. Die Aufsichtsbehörden versuchen, dieses Oligopol zu brechen“, erklärt Tayenthal. Es gebe in Brasilien eine Fintech Charta, die einen erleichterten Zugang zu vielen Bankdienstleistungen ermögliche. „Wir starten daher dort mit einer eigenen, kleinen Lizenz.“

Investitionen in Geldwäsche- und Betrugsprävention

Das Verhältnis von N26 zur Bankenaufsicht galt lange als schwierig. Vor zwei Jahren etwa rüffelte die Bafin die Smartphone-Bank öffentlich wegen unzureichender Systeme für die Geldwäscheprävention und forderte die erneute Überprüfung einiger Bestandskunden. Das Verhältnis scheint sich verbessert zu haben. Tayenthal spricht jedenfalls von einem „offenen und vertrauensvollen Dialog mit den Aufsichtsbehörden“. N26 teile auch seine langjährige Erfahrung und sein Wissen als vollständig digitale Bank.

„Wir haben sehr stark in die Betrugs- und Geldwäscheprävention investiert“, betont der N26-Co-Chef. Das Fintech erfülle alle Regeln und versuche, „über Technologie und künstliche Intelligenz besser als der Markt zu werden“. Die Prüfung der Kundenidentität sei ein wichtiges Thema. Außerdem habe N26 viel in die Überwachung von Transaktionen investiert und kläre seine Kunden auf, betont Tayenthal: „Gerade bei Compliance, Sicherheit, Reporting stocken wir auch die Zahl der Mitarbeiter kontinuierlich auf.“

Mehr: Reaktion auf Wirecard-Skandal: Finanzaufsicht Bafin prüft strengere Überwachung der Deutschen Börse

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