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Staatseinstiege Die Krisenbekämpfung sorgt für eine Zäsur im Investmentbanking

Der Markt für Fusionen und Übernahmen liegt am Boden. Zukünftig mischt der Staat kräftig mit, was Deals nicht einfacher macht.
05.05.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der Staat könnte künftig vermehrt unerwünschte Firmenkäufe aus dem Ausland abwehren und bei Konzernen wie der Lufthansa als Retter einsteigen. Quelle: Bloomberg
Ein Flugzeug der Lufthansa am Flughafen München

Der Staat könnte künftig vermehrt unerwünschte Firmenkäufe aus dem Ausland abwehren und bei Konzernen wie der Lufthansa als Retter einsteigen.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Die Coronakrise stellt die Welt der Investmentbanker auf den Kopf. In den vergangenen zwölf Jahren erlebten Fusionen und Übernahmen (M&A) einen Boom, der zu immer neuen Rekorden führte. Doch mit der Pandemie ist der Markt weltweit eingebrochen. Die Unternehmen halten sich zurück. Gleichzeitig betritt mitten in der Krise mit dem Staat ein neuer Spieler die Bühne.

Die Bundesregierung ist bereit, viele Milliarden in die Hand zu nehmen, um notleidende Unternehmen wie die Lufthansa zu retten und deren Aktien zu kaufen. Gleichzeitig will der Staat geschwächte Industrien durch Beteiligungen gegen Übernahmen aus dem Ausland schützen, wenn sie für Deutschland wichtig sind. „In der Finanzkrise standen die Banken im Fokus, heute ist es die Realwirtschaft. Die staatliche Beteiligung zur Abwehr von ausländischen Bietern ist sicher als Ultima Ratio gedacht“, sagt Jan Bonhage, Partner bei der Kanzlei Hengeler Mueller, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Viele Unternehmen seien heute an der Börse günstig bewertet. Aber auch die Preise für viele mittelständische Unternehmen dürften sinken oder stärker im Kurs schwanken, urteilt der Jurist. Ausländischen Konzernen und Fonds böten sich hier attraktive Gelegenheiten. „Es gibt viele Investoren, die sich auf Unternehmen in schwierigen Situationen spezialisiert haben. Diese greifen in Krisen gerne zu“, weiß Ralf Moldenhauer, Senior Partner bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG).

Dazu gehörten Hedgefonds, die in den nächsten Monaten deutlich mehr investieren würden. Sie kaufen nicht nur Schulden auf, sondern engagieren sich ebenfalls in Aktien. Auch in der Private-Equity-Branchen gebe es Unternehmen, die auf Restrukturierungsfälle spezialisiert seien.

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    China steht nach Ansicht vieler Experten vor einem wirtschaftlichen Comeback und wird demnach sicherlich versuchen, in den kommenden Monaten und Jahren strategische Investments zu tätigen, wie vor einigen Jahren beispielsweise beim Roboterhersteller Kuka. Außerdem verfügen Finanzinvestoren aus den USA dank ungenutzter Milliardenbeträge in den Fonds über ein nach wie vor hohes Investitionspotenzial.

    Deshalb nimmt die Bundesregierung eine Abwehrhaltung ein, die zunächst für den Gesundheitssektor gilt. Wirtschaftsminister Peter Altmaier sagte dazu: „Wir müssen von kritischen Unternehmenskäufen aus Drittstaaten im Gesundheitssektor rechtzeitig erfahren und diese prüfen können. Es geht nicht darum, unseren offenen Investitionsstandort infrage zu stellen, aber wir müssen hier genauer hinschauen können, wenn nötig.“

    Grafik

    Der CDU-Politiker hatte zuletzt schon angekündigt, bei strategisch wichtigen Produkten unabhängiger vom Ausland werden zu wollen. Alarmiert sind die deutschen Politiker spätestens nach den Begehrlichkeiten der Amerikaner beim Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac, das die Forschung an einem Impfstoff gegen das Virus Sars-CoV-2 vorantreibt.

    Im Fokus der Investitionsprüfungen stünden sicher kritische Infrastrukturen wie Energie, Wasserversorgung, IT und Telekommunikation, sowie kritische Technologien wie KI, Robotik, Halbleiter, Biotechnologie, meint der Hengeler-Mueller-Partner Bonhage. Aber auch weitere Gesundheits- und Forschungsbereiche würden dazugehören. Übernahmen dürften hier in Zukunft regelmäßig unter die Lupe genommen werden. „M&A-Prozesse mit Nicht-EU-Erwerbern werden insgesamt tendenziell länger dauern“, so Bonhage.

    Für die Königsdisziplin im Investmentbanking sind das keine guten Nachrichten in einer Zeit, in der der Markt sowieso schon am Boden liegt. In Deutschland ist das M&A-Volumen im April auf Dollar-Basis um 88 Prozent eingebrochen.

    „Der April war für die Rainmaker ohne Regenschauer, da das Coronavirus weiterhin seinen Tribut auf den globalen Märkten fordert. Die volle Tragweite, die dieser weltweite wirtschaftliche Lockdown auf den Transaktionsmarkt haben wird, bleibt abzuwarten. Es ist klar, dass wir uns in einem noch nie da gewesenen Szenario befinden“, sagt Cornelia Andersson, Leiterin der Abteilung M&A und Kapitalbeschaffung beim Finanzinformationsdienstleister Refinitiv.

    Viele Transaktionen kaum noch planbar

    Die Transaktionssicherheit wird aus Sicht der Beteiligten durch die industriestrategischen Ausweitungen der Prüfungen geringer. Die Maßnahmen werden dabei wahrscheinlich nicht nur auf die Stabilität zielen, sondern auch auf den Erhalt der technologischen Souveränität. Es wird erwartet, dass die Änderungen im Gesundheitssektor – die sogenannte 15. Novelle der Außenwirtschaftsverordnung (AWV) – in diesem Monat ins Kabinett kommen. Danach – vermutlich bis zum Herbst – ist die 16. Novelle der AWV geplant. Bei dieser soll es um weitere Sparten kritischer Infrastruktur gehen. Auch hier dürfte es laut der Nachrichtenagentur Reuters eine Meldepflicht und staatliche Prüfmöglichkeit ab einem Erwerb von zehn Prozent der Firmenanteile geben.

    „Damit erweitert sich das Prüfspektrum. Nach der AWG-Novelle soll schon eine voraussichtliche Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit Deutschlands, anderer Mitgliedstaaten oder von EU-Programmen für Anordnungen ausreichen, bislang bedurfte es einer tatsächlichen Gefährdung“, erläutert Außenwirtschaftsrechtsexperte Bonhage.

    „Die Bundesregierung hat bereits hohe Schutzzäune mit dem Außenwirtschaftsgesetz aufgebaut in Bereichen, die für die deutsche Wirtschaft wichtig sind. Dazu gehört etwa die Verschärfung in den Bereichen Automatisierung und Technologie“, analysiert Michael Heise, Chefvolkswirt vom Vermögensverwalter HQ Trust.

    Deutschland steht mit seinen Verschärfungen indes nicht allein da. „Weltweit nehmen protektionistische Abschirmungen zu“, so Bonhage. In den USA würden die CFIUS-Verfahren verschärft, ebenso Screenings von Direktinvestitionen in anderen EU-Mitgliedstaaten wie etwa in Spanien und Italien. Die EU-Kommission drängt darauf, über den Kooperationsmechanismus der „EU-Screening-Verordnung“ mitreden zu können.

    Neben der Abwehr unerwünschter Übernahmen steigt der Staat auch dort ein, wo Unternehmen angesichts der Krise gerettet werden müssen. Bei der Fluglinie Lufthansa wird seit Wochen über ein milliardenschweres Rettungspaket verhandelt. Wie sich das Paket genau zusammensetzt, war zum Wochenauftakt noch nicht klar.

    Bei der Lufthansa und anderen künftigen Notkapitalisierungen wird man nach Einschätzung von Investmentbankern wohl Mischformen aus Kapitalerhöhungen, Wandelanleihen, Krediten privater Banken und Darlehen der staatseigenen Förderbank KfW sehen. Bei der Umsetzung der staatlichen Unterstützungen und Rettungspakete komme es auf die jeweilige Situation des Unternehmens und der Branche an.

    „Ich kann mir aber vorstellen, dass Kapitalerhöhungen und Wandelanleihen zum Einsatz kommen werden. Spezielle Situationen werden auch eine Gelegenheit bieten, dass neue Ankeraktionäre einsteigen, sagt ein Frankfurter Investmentbanker.

    Laut Medienberichten wollte die Bundesregierung mit 25,1 Prozent bei der Lufthansa einsteigen. Offen war in den Verhandlungen mit dem Bund bis zuletzt, welcher Anteil des Geldes als „stilles Eigenkapital“ fließen könnte – also ohne Stimmrechte – und welcher mit Stimmrechten.

    Der Staat könnte zwei Aufsichtsratsposten bekommen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat zwar nach Staatshilfe gerufen, will sich von Politikern aber nicht ins Geschäft hineinreden lassen. Die Lufthansa verliert wegen der weitgehend geparkten Flotte derzeit pro Stunde rund eine Million Euro an Liquidität. Hinzu kommen Verbindlichkeiten, die fällig werden.

    Der Staat war auch im Zuge der Finanzkrise 2008/2009 bereits bei Unternehmen eingestiegen, etwa bei der Commerzbank, wo er bis heute beteiligt ist.

    Mehr: Zukäufe im Bereich Digitalisierung sind für Mittelständler eine Chance – doch nur wenige trauen sich

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